Entsetzen nach Horrorunfall am Klinikum

Offenbach - Es ist die Horror-Vorstellung wohl aller Eltern: Das eigene Kind sitzt bei einer Plauderei mit Freunden auf einer Mauer an einem tiefen Schacht, verliert das Gleichgewicht und stürzt dann rückwärts ins Leere, verletzt sich lebensgefährlich. Von Peter Schulte-Holtey

Genau das ist Dienstagvormittag am Klinikum Offenbach einem 19-jährigen Mädchen passiert. Unser Leser Robert Winkelmann macht uns jetzt auf diese Tragödie aufmerksam. Auf Anfrage unserer Zeitung reagierte auch die Klinikleitung inzwischen mit „großem Bedauern“ auf den Sturz in den sechs Meter tiefen offenbar ungesicherten Lichtschacht.

Die entsetzlichen Vorkommnisse werden wohl ein rechtliches Nachspiel haben. Denn der Dietzenbacher spart nicht mit Vorwürfen gegen das Klinikum. Zorn und Betroffenheit über den Unfall der besten Freundin seiner Nichte aus Neu-Isenburg sind ihm im Gespräch immer wieder anzumerken. Er will Anzeige gegen das Klinikum wegen „erheblicher Sicherheitsmängel“ erstatten.

Winkelmann berichtet, dass seine Nichte wegen einer Blinddarmentzündung im Klinikum behandelt werde. „Am Dienstagvormittag bekam sie Besuch von ihrer besten Freundin. Da die Jugendlichen an die frische Luft wollten, schob die 19-jährigen Freundin meine Nichte im Rollstuhl nach draußen - zum Notfalleingang im Erdgeschoss. Draußen vor dem Eingang ist eine Raucherecke mit Stühlen und Aschenbecher. Diese stehen vor einer Mauer. Meine Nichte saß im Rollstuhl, die Freundin wollte sich auf die Mauer setzen und schwang sich rückwärts auf diese.“ Dabei hat das Mädchen nach seinen Angaben nicht erkannt, dass die Mauer, die von vorne eine Höhe von etwas mehr als ein Meter hat, nach hinten mehrere Meter ungeschützt in die Tiefe reicht. Winkelmann: „Als sich das Mädchen rückwärts auf die Mauer schwang, hatte sie wohl zu viel Schwung und fiel nach hinten - in die Tiefe! Schwerste Kopf- und Körperverletzungen sind die Folge.“

Die Geschäftsführung des Krankenhauses bedauert den Unfall und teilt mit: „Eine sofort anberaumte Überprüfung der baulichen Gegebenheiten durch den Generalplaner hat zwar keinerlei Hinweise auf fehlende oder vorschriftswidrig angebrachte Sicherungsvorkehrungen erbracht. Dennoch lässt die Klinikleitung zusätzliche Möglichkeiten untersuchen, mit denen die Absturzgefahr an den Lichtschächten weiter gesenkt werden kann.“ Die Bauordnung schreibe für Lichtschachtbrüstungen eine Höhe von einem Meter vor. An der niedrigsten Stelle vor dem Klinikneubau betrage die Mauerhöhe 1,05 Meter, „sodass die Absperrungen den Bau- und Unfallverhütungsvorschriften in vollem Umfang entsprechen“, heißt es in der Stellungnahme. Die Polizei schließe ein Fremdverschulden am Unfall aus.

Dass der Fall für große Aufregung sorgt, ist offensichtlich auch dem Ärztlichen Direktor, Professor Dr. Norbert Rilinger, klar. Ob bereits ein zehnjähriges Mädchen in einen ähnlichen Unfall verwickelt war, konnte nicht bestätigt werden. Es wird jetzt aber recherchiert.

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