Entspanntes Jahrestreffen der großen Sportfamilie

Offenbach - Winston Churchill darf als widerlegt gelten: „No sports“ soll der britische Staatsmann auf die Frage geantwortet haben, wie man ein hohes Alter erreicht. Hans Hubert ist der lebende Beweis fürs Gegenteil. Von Matthias Dahmer

Der 84-jährige Ehrenpräsident des Fechtclubs Offenbach, der am Freitagabend bei der Sport-Gala im Capitol für sein Lebenswerk geehrt wird, steht auf der Bühne und macht aus dem, was jeder andere als feierlicher Akt über sich ergehen ließe, seine Show: Bekennt etwa in der ihm eigenen Art von Humor freimütig, er müsse ja schon ein bisschen überrascht tun, aber eigentlich könne kein anderer diese Auszeichnung bekommen. Berichtet davon, dass es einfacher ist im Sport Dinge zu bewegen als in der Politik, weil „Sportler vernünftiger als Politiker sind“. Als Erika Dienstl, Ehrenpräsidentin des Deutschen Fechter-Bunds und Weggefährtin von Hans Hubert, nach anekdotenreicher und die Aufmerksamkeit besonders der jugendlichen Gäste strapazierender Laudatio, zusammen mit OB Horst Schneider den Preis überreicht, zeigt der größte Applaus des Abends: Es gibt keinen, der Hans Hubert diese Auszeichnung nicht gönnt.

Einer, der es verdient hat: Hans Hubert wurde für sein Lebenswerk geehrt.

Auch 2012 ist die bestens besuchte Gala im passendem Ambiente an der Goethestraße, welche sich die Stadt rund 20.000 Euro hat kosten lassen, ein Treffen der großen Offenbacher Sportfamilie. Nirgends zeigt sich das besser als beim Sektempfang im Foyer: Wie oft sie schon dabei waren bei der Auszeichnung der erfolgreichsten Aktiven können die EOSC-Urgesteine Wolfgang Arnold und Klaus Schürmann, beide über 70 und noch topfit, nicht mehr so genau sagen. Mehr als 30 Mal dürfte es locker gewesen, erinnern sich die ehemaligen Wasserballer, die am Freitag für ihre Erfolge beim Triathlon beziehungsweise beim Schwimmen ausgezeichnet werden, noch an die Zeiten als die Ehrungen zunächst beim OTC und später als Sportler-Ball in der Stadthalle zelebriert wurden.

„Mach mal ein Foto“, fordert Schürmann unseren Fotografen Bernd Georg auf und nimmt Dina in den Arm. Die elfjährige Dina Abdel-Fattah ist eins der größten Schwimmtalente des EOSC, darf zum ersten Mal im Capitol dabei sein und wird später als Hessenmeisterin auf der Bühne stehen. Klaus Schürmann war ihr erster Trainer. Es ist unter anderem dieses generationenübergreifende Element des Sports, welches den Charme des Abends und der Veranstaltung ausmacht.

Stadtwappen im Herzen

Und natürlich das Programm. Das lebt von seiner durch das Team um Sportbüro-Leiter Jürgen Weil professionell zusammengestellten Mischung: Die Laser-Show der „weißen Männer“ des Frankfurter Electric Dance Theatre, mit der die Preisträger verkündet werden, hebt sich ebenso wohltuend von bekannten Preisverleihungen ab wie ihre amüsanten Einlagen als Cyber-Security mit einem „Röntgen-Koffer“. Der offenbart, dass Horst Schneider an Stelle seines Herzens das Stadtwappen trägt und dass beim Sportkreisvorsitzenden Peter Dinkel der Eintracht-Adler in der Brust schlägt, der sich nach einigem Reiben zum Glück als OFC-Logo entpuppt.

Aufführungen des Tanztheaters Lambrecht, einer Gruppe mit mächtigen japanischen Taiko-Trommeln und nicht zuletzt die artistische Schau der Breakdancer von der Sorrow Crew runden den Unterhaltungsteil ab. Routiniert führt Comedian Felix Gaudo durch den Abend. Sein Humor, der auch vor der Einbeziehung der ersten Reihe nicht zurückschreckt, gefällt nicht uneingeschränkt und dürfte vor allem Ringcenter-Geschäftsführer Michael Relic in Erinnerung bleiben.

Bilder von der Sportlergala

Offenbach ehrt die Sportler des Jahres 2012

Souverän moderiert Jochen Koch, Sportchef unser Zeitung, die Ehrungen der Sportler des Jahres, die wieder von unseren Lesern und Online-Nutzern bestimmt worden waren.

„Eisenmann“ Faris Al-Sultan, Triathlon-Europameister 2011 und Sieger auf Hawaii 2005, übergibt U23-Ruderweltmeisterin Regina Pieroth den Pokal und überrascht später auch noch den mehr als 70 Lenzen zählenden Triathleten Walter Lehr, als er ihm die Goldmedaille überreicht. Regina Pieroth, die für die RG Germania Frankfurt startet, verrät, dass in diesem Jahr ihr BWL-Studium Vorrang vorm Sport haben wird. Jochen Koch kann Triathlet-Profi Al-Sultan, der sich mit seinen 34 Jahren als „trainingsalt“ bezeichnet, entlocken, dass er in diesem Jahr nicht seinen Titel in Frankfurt verteidigt, sondern im österreichischen Klagenfurt am Start ist.

Die querschnittsgelähmte Sportschützin Manuela Schmermund, die 2008 bei den Paralympics in Peking Silber holte, zeichnet den Undine-Ruderer Nico Merget als Sportler des Jahres aus. Offenbachs Fecht-Legende Cornelia Hanisch hat Pokal und Blumen für Christine Stoppel. Sie ist Trainerin der Mädels des Fechtclubs und nimmt stellvertretend für das Team die Auszeichnung als Mannschaft des Jahres entgegen. Nadine Stahlberg, Abigail Stech, Florina Plachta und Benita Marx bedanken sich per Videobotschaft aus dem Trainingslager.

Definitiv den meisten Spaß, das können alle hören, haben am Freitagabend die jugendlichen Judokas von Samurai Offenbach. Die größte Freude über ihre Silbermedaillen ist den Behindertensportlern anzusehen.

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