Enttäuschte Hoffnung bei Invista

Offenbach - Immer neue Hiobsbotschaften beuteln die 280 Mitarbeiter der Offenbacher Invista seit Monaten. Viele werden die nächste mit einem Schulterzucken quittieren. Denn das Gros der Beschäftigten hat längst den Glauben aufgegeben, der Standort sei noch zu retten. Und diese Skepsis scheint sich nun zu bestätigen.

Auch die jüngst noch einmal aufgenommenen Gespräche über einen Verkauf und Weiterbetrieb der Polyester-Produktion im Industriepark am Main (wir berichteten) sind offenbar gescheitert. Wolfgang Werner, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Berbau, Chemie und Energie, will die Hoffnung noch nicht begraben. Auch er räumt allerdings ein: „Die Gespräche sind ins Stocken geraten.“ An „Gerüchten“ über ein endgültiges Scheitern werde er sich nicht beteiligen. Woher er die verbliebene Zuversicht nehme, verrät der Gewerkschafter nicht.

In der Vorwoche hatten Verkaufsverhandlungen, die von Allessa-Chef Dr. Karl-Gerhard Seifert befördert worden waren, großen Optimismus erzeugt. Bei einer Kundgebung vor dem Werkstor des Industrieparks in der Ketteler Straße hatten sich Gewerkschafter Werner, Bundestagsabgeordnete Uta Zapf und Oberbürgermeister Horst Schneider (beide SPD) zuversichtlich gezeigt, dass die Chemie-Schlote doch weiter rauchen werden.

Offiziell hatte die Invista-Geschäftsführung die Verhandlungen über eine Weiterführung des Standorts bereits Anfang Februar für gescheitert erklärt und die Abwicklung angekündigt. Unter anderem dem Engagement der Gewerkschaft war es zu verdanken, dass danach gleichwohl weitere Gespräche geführt worden sind, die zwischenzeitlich aussichtsreich erschienen.

Doch mittlerweile ist auch jener anonym gebliebene Kaufinteressent, der manche Hoffnungen wiederbelebt hatte, zum Ergebnis gekommen, dass der Betrieb nicht wirtschaftlich weiter zu führen sei. Nach Einschätzung eines Fachmanns, der namentlich nicht genannt werden will, hat die aktuelle Wirtschaftskrise die Rahmenbedingungen nochmals rapide verschlechtert. Die wegbrechende Nachfrage habe es unmöglich gemacht, den Standort zu erhalten.

Da von der Rezession auch andere Chemiebetriebe stark betroffen sind, haben es die 280 Invista-Mitarbeiter, die nun wohl in drei Etappen zum April, Juli und Oktober ihren Arbeitsplatz verlieren, umso schwerer einen neuen zu finden. Das Werk hat bereits damit begonnen, die Produktion zu drosseln.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) hatte die Schließung des letzten großen Chemie-Werks in Offenbach unlängst als „vorletzten Todesstoß“ für die Industriestadt bezeichnet. Nach einem Abschied von Invista bleibt ein kleineres Allessa-Werk (Reflex-Blau-Produktion) als letzter chemischer Betrieb des Industrie-Parks übrig. Damit arbeiten dort nur noch rund 60 Menschen in der chemischen Industrie. In den 50er Jahren bot der damalige Offenbacher Standort der Farbwerke Hoechst noch mehr als 2000 Arbeitsplätze. 

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