Waldhof-West-Planung

Enttäuschung für Bau-Gegner

Konsequenterweise muss die Stadt die weiteren Planungen zur Entwicklung des Baugebiets jetzt stoppen. Peter Janat BI-Sprecher Peter Janat BI-Sprecher
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Konsequenterweise muss die Stadt die weiteren Planungen zur Entwicklung des Baugebiets jetzt stoppen. Peter Janat BI-Sprecher

Das geplante Baugebiet Bieber Waldhof-West bleibt ein Zankapfel.

Bieber – Die Bürgerinitiative (BI) Natür(lich) Bieber-Waldhof, die sich klar gegen eine Bebauung des Areals positioniert, hat nun einen Antrag der CDU- und SPD-Fraktionen in der Regionalversammlung Südhessen zum Anlass genommen, erneut auf ihr Anliegen zu pochen.

Im Antrag, der kommenden Freitag auf der Tagesordnung der Regionalversammlung steht, werden unter der Überschrift „Gutachten Regionales Entwicklungskonzept“ Kriterien für ein schlüssiges Plankonzept (SPK) gefordert. In Unterpunkt 6 heißt es: „Im SPK sind die im geltenden Regionalplan festgesetzten Kaltluft- und Frischluftentstehungsgebiete zu beachten; Eingriffe sind hier grundsätzlich ausgeschlossen“, und weiter: „Im künftigen Regionalplan (...) sind (...) Vorranggebiete und Vorbehaltsgebiete für besondere Klimafunktionen festzulegen.“ Die Bürgerinitiative schlussfolgert daraus: „Waldhof-West darf nicht bebaut werden!“

Gemäß der aktuellen Klimafunktionskarte der Stadt Offenbach befinde sich auf dem Entwicklungsgebiet von Waldhof-West ein Kaltluftentstehungsgebiet der höchsten Kategorie, sagt BI-Sprecher Peter Janat. „Konsequenterweise muss die Stadt Offenbach die weiteren Planungen zur Entwicklung des Baugebiets jetzt stoppen.“ Den Antrag von SPD und CDU, den übrigens auch die Grünen unterstützen, sieht er als Bestätigung seines Anliegens. „Unsere Argumentation war von Beginn an, dass dieser Generator für Frisch- und Kaltluft aufgrund der großen Bedeutung für die Region nicht zerstört oder auch nur eingeschränkt werden darf. In den Zeiten des Klimawandels hat dies nun auch die Regionalversammlung erkannt.“ Die deutliche Aussage, dass Eingriffe grundsätzlich ausgeschlossen seien, mache die Entwicklung des Gebietes quasi unmöglich. „Dies ist im Sinne einer nachhaltigen Politik.“

Doch der Hoffnungsschimmer der BI ist von kurzer Dauer. Sowohl Stadtplanungsdezernent Paul-Gerhard Weiß als auch das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) widersprechen deren Darstellung. „Die Fläche, die wir bebauen wollen, ist kein Kaltluftentstehungsgebiet“, so Weiß. Lediglich beim Waldbereich des Areals handele es sich um ein solches – die Gebäude sollen aber lediglich auf den nahe gelegenen Ackerflächen entstehen. Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt das RP: „Das Plangebiet (...) ist im geltenden Regionalplan Südhessen (...) als Wohnbaufläche (...) dargestellt. Insbesondere der für eine Wohnbebauung vorgesehene Bereich liegt innerhalb der Wohnbauflächendarstellung des Regionalplans und beansprucht daher derzeit keine Vorbehaltsgebiete für besondere Klimafunktionen.“ Die Fläche sei daher in das Regionale Entwicklungskonzept aufgenommen worden, „insbesondere auch aufgrund der direkten Lage am S-Bahn-Haltepunkt“.

Paul-Gerhard Weiß ergänzt: „Im Regionale Flächennutzungsplan sind sogar wesentlich größere Flächen ausgewiesen, als wir bebauen wollen.“ Das Argument der BI, eine Bebauung könnte den Frischluftdurchfluss stören, kennt er. Für ein Problem hält er es allerdings nicht. „Darauf kann man durch die Art der Bebauung eingehen. Das sind aber alles Planungsschritte, die erst noch kommen.“

Dass der Antrag von CDU und SPD in der Regionalversammlung Südhessen am Freitag Erfolg haben wird, ist auch angesichts der Unterstützung der Grünen nicht unwahrscheinlich. Wie der Streit um das polarisierende Planungsgebiet danach weitergeht, ist hingegen kaum vorhersehbar.

Am morgigen Donnerstag, 12. Dezember, um 18.30 Uhr trifft sich die Bürgerinitiative Natür(lich) Bieber-Waldhof wieder im Haus St. Hildegard, Rathausgasse 39, um ihr weiteres Vorgehen zu besprechen. Alle Interessierten sind zu der Versammlung eingeladen. Auf der Tagesordnung stehen neben dem Regionalplan Südhessen auch das künftige Logo der BI sowie deren Homepage.

VON MARIAN MEIDEL

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