Entwicklung aus der Mitte

Offenbach ‐  Tobias Männche, Stadtverordneter und Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverbandes im Mainbogen, übt wiederholt Kritik an den Verantwortlichen im Rathaus: „Die Stadt ignoriert weiterhin Rumpenheim.“ Trotz großer Ankündigungen gebe es keine Fortschritte bei der Parkpflege und insbesondere nicht beim Türkischen Pavillon. Von Martin Kuhn

Das sichtbare Rumpenheimer Malheur: Der Lack auf dem wieder hergerichteten Tempel im Schlosspark hält nicht. Ein Neuanstrich des Pavillon-Dachs war für 2009 vorgesehen, aber nicht ausgeführt worden. „Die Ausrede, dass noch etwas strittig mit der Gewährleistung sei, lasse ich nicht mehr gelten“, ist Männche erzürnt und fordert mehr Geld für die Stadtteile.

Nach umfangreichen Investitionen in der Innenstadt müsse endlich wieder in Rumpenheim investiert werden. „Die Finanzmittel sind da, die Zusagen auch, das Einhalten der Versprechen bleibt bisher aus!“, kritisiert der Unionspolitiker weiter. Oberbürgermeister Horst Schneider und die Koalition sollten endlich mit ihrem Prinzip aufhören, „sich in der Innenstadt unnötige Denkmäler zu setzen. Auch die Stadtteile benötigen Finanzmittel, um ihren historischen Aufgaben gerecht zu werden“.

„Flügelschlag eines Kolibris“

Peter Schneider, Fraktionschef der Grünen und selbst Rumpenheimer, schüttelt den Kopf: „Das ist der Flügelschlag eines Kolibris.“ Meint er damit „viel Wind um nichts“? „Wenn Tobias Männche den Pavillon im entferntesten Eck des Schlossparks zum Anlass nimmt, einen Rundumschlag zu vollziehen, ja.“ Abseits aller parteipolitischen Sticheleien listet Peter Schneider auf, dass die Ampel-Koalition durchaus Geld in die ehemals selbstständigen Stadtteile steckt: Neubau des Sportzentrums Bürgel, Umbau des Ostendplatzes Bieber und schließlich auch in den Schlosspark Rumpenheim. „Also ist der Eindruck schlichtweg falsch, dass wir die Stadtteile vernachlässigen.“

Abgesprochen oder nicht mit dem Koa-Partner: Auch Peter Janat, stellvertretender SPD-Fraktionschef, stöhnt geradezu in den Telefonhörer: „Ach, der Tobias Männche und sein liebstes Thema...“ Janat erinnert daran, dass die Stadtverordneten zunächst auf das beauftragte artenschutzrechtliche Gutachten warteten, das sie für den Schlosspark in Auftrag gegeben haben. Das liege inzwischen vor. „Aber erst werten wird das in der Koalition aus, dann formulieren wir Anträge ans Parlament und hinterlegen die Mittel im Haushalt.“ Janat hofft, „dass wir uns möglichst schnell verständigen.“

Und die Forderungen, die etwa die Bürgerinitiative Rumpenheim ans Rathaus richtet? Der Bieberer Peter Janat gibt klar vor: „Erst die Politik, dann die BI.“ An den von Männche beschworenen Innenstadt-Denkmälern - gemeint ist wohl der Wilhelmsplatz - lässt der SPD-Mann ohnehin nicht rütteln: „Jede Stadt entwickelt sich aus der Mitte.“

Säuerliche Reaktion auf schwarzen Pauschalangriff

Auch der numerisch kleinste Koalitionspartner sieht das ähnlich. Der Rumpenheimer FDP-Stadtverordnete Dominik Schwagereit sagt: „Die Liberalen haben Maßnahmen zur Aufwertung des Schlosspark und des Ensembles insgesamt immer unterstützt und werden das auch in Zukunft tun.“ Er erinnert zudem daran: In den vergangenen Jahren sei durch gemeinsame Anstrengungen von BIR und Stadt so viel in und direkt am Park investiert wie in Jahrzehnten zuvor nicht - Baumsaal, Mausoleum, östlicher Zugang und vieles mehr.

Auf den schwarzen Pauschalangriff reagiert auch Schwagereit etwas säuerlich: „Ich verwahre mich dagegen, Interessen der Innenstadt gegen Interessen Rumpenheims oder anderer Vororte auszuspielen, noch verschiedene Projekte innerhalb eines Ortsteils - etwa Anlegesteg gegen Schlosspark gegeneinander auszuspielen. Aber genau das macht leider Tobias Männche. Dies bringt uns nicht voran und ist nicht zielführend.“ Für weitere Arbeiten im Park sei es notwendig gewesen, das Artenschutzgutachten abzuwarten. Schwagereit: „Die Stadt kann nun den Masterplan zur nachhaltigen Gestaltung des Parks für die kommenden Jahrzehnte fertig stellen, die Bürger einbinden und anschließend zu Beschlussfassung vorlegen.“

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