Der EOSC betreibt das Waldschwimmbad

Morgens sehr idyllisch

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Vorsitzender Matthias Wörner und Schatzmeisterin Irene Becker vor den Umkleidekabinen im Waldschwimmbad: Beide hoffen, dass das Bad alle finanziellen Strudel überstehen wird.

Offenbach - Der Tennismanager Ion Tiriac sprach einmal davon, dass der größte Volkssport Schwimmen sei. Die Mehrheit der Deutschen wird sich wohl zumindest über Wasser halten können. Im Sommer zieht es einen großen Teil von ihnen ans Meer oder in die Badeanstalten. Von Stefan Mangold

Auch ins Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe, das der „Erste Offenbacher Schwimmclub von 1896“ betreibt. Dem größten Verein der Stadt gehören mehr als 2 300 Mitglieder an.

Die hohe Zahl lässt sich erklären. Wer den Beitrag von 110 Euro im Jahr entrichtet, kann an 340 Tagen so oft zum Schwimmen kommen, wie er will. Wer täglich erscheint, davon gibt es manche, „zahlt mit 32 Cent einen überschaubaren Preis“, rechnet der Vereinsvorsitzende Matthias Wörner (49) vor.

Erhalt des Schwimmbades

Der Beitrag könnte unter Umständen steigen, so die Mitglieder dem zustimmen, um ihren Beitrag zum Erhalt des Schwimmbades zu leisten, das sich die Stadt selbst nicht mehr leisten kann. Kosten hat der EOSC einige. Im Winter etwa kommt eine Traglufthalle über das 50-Meter-Becken, „die frisst leider sehr viel Energie“. Allein die Energiekosten machten zuletzt 370.000 Euro im Jahr aus.

Früher spielte Wörner in der Wasserballmannschaft, die mehrere Jahre in der Bundesliga mithielt. Vor sieben Jahren gründete er die Triathlon-Abteilung. Der athletische Mann schwimmt, radelt und rennt jährlich nicht nur in Frankfurt mit, wenn es über die lange Distanz geht. In Norwegen stieg er schon „morgens um sechs Uhr bei fünf Grad ins Wasser“.

Zu vergleichen sind die Anstrengungen nicht

Zu vergleichen sind die Anstrengungen nicht. Aber Matthias Wörner und die Schatzmeisterin Irene Becker (53) dürfte ein harter Wettkampf lieber sein als so manche Phase im Vereinsleben der letzten Jahre. Schließlich hatte ein früherer Vorsitzender 2008 seine Prokura genutzt, „um 160.000 Euro vom Konto abzuzweigen“. Davon zahlte der Mann einen kleinen Teil wieder zurück, „worauf wir uns eingelassen haben“. Im Falle einer Privatinsolvenz hätte der Verein riskiert, ganz leer auszugehen. Heute wäre ein Griff in die Kasse wesentlich schwerer. „Mit nur einer Unterschrift geht keine Überweisung mehr raus“, betont Irene Becker. Weil das Geld fehlte, musste der Club damals erst mal alle Trainer entlassen. Mittlerweile haben sich die Wogen finanziell wieder geglättet.

Zum Wetter hat der Vorstand ein besonderes Verhältnis. „Die ersten beiden Wochenenden im August haben uns dieses Jahr gerettet“, sagt Wörner. Seit dem sogenannten Jahrhundertsommer von 2003 war bis dahin jeder August verregnet. Wird es jedoch für ein paar Tage brüllend heiß, „findet sich zu bestimmten Zeiten kein Vereinsmitglied mehr im Schwimmbad“.

EOSC: Schwimmer erfolgreich

Die Gastgeber vom EOSC Offenbach zeigten bei ihrem eigenen Wintermeeting im Waldschwimmbad starke Leistungen. Unter anderem entschieden die Offenbacher fünf der sechs Staffelwettbewerbe für sich.

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Dann herrscht Ausnahmezustand. Nicht nur im Wasser und auf den Wiesen, sondern schon am Eingang, wo ganze Verbände nervend lautstark an der Kasse über den Preis diskutieren und sich später nicht ans Verbot halten, im Wasser Unterwäsche zu tragen. „An heißen Werktagen geht es morgens noch idyllisch zu.“ Ab zwei Uhr kann es ruppig werden, wenn der rhetorischen Frage „Was guckst Du?“ fliegende Fäuste folgen. Für einen Ordnungsdienst fehlt das Geld.

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Vom EOSC noch über Wasser gehalten

Eltern aus sozial schwachen Verhältnissen rechneten sich genau aus, wie sich die 210 Euro für die Familienkarte amortisierten: „Mit denen gibt es nie Ärger, unabhängig der Nation.“ An den vielleicht zwanzig heißen Tagen im Jahr, „verlagert sich das soziale Problem von der Innenstadt ins Waldschwimmbad“, beobachtet Schatzmeisterin Becker.

Die Stadt bezuschusst den Betrieb jährlich mit 440.000 Euro. Seit Schulen in der Pflicht stehen, Schwimmen anzubieten, gehen an Vormittagen 40.000 Kinder pro Jahr ins Wasser. Ließen alle ehrenamtlichen Helfer des Schwimmclubs den Hammer fallen, schauten auch die in die Röhre.

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