Feliz Navidad! Weihnachten auf Spanisch

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Die Kita-Kinder der Kolibri-Gruppe freuen sich über das gelungene Krippenspiel, anschließend gibt es Geschenke und gemeinsames Weihnachtsliedersingen.

Offenbach - Kein Weihnachten wie das mit Kinderaugen. Glänzende Kugeln an mannshohen Bäumen, plattgedrückte Nasen gegen gefrorene Fenster. „Klar kann ich es kaum erwarten, doofe Frage.“ Letizias Grinsen ist vorfreudebreit.  Von Eva-Maria Lill

Was die Schülerin des Erasmus-Bildungshauses dieses Jahr unter der Tanne finden wird? Die Sechsjährige zuckt mit den Schultern. Ist nicht höchste Zeit für einen Wunschzettel? „Nö. Letztes Jahr habe ich kurz vor Weihnachten ein Bild gemalt, auf dem ich Trampolin springe. Ich habe dann auch eins bekommen. Muss nur darüber nachdenken, was ich dieses Mal male.“

Die Idee mit dem Trampolin gefällt auch Yasmina. Und das, obwohl Letizias Freundin gar kein Weihnachten feiert. Ihre Mutter stammt aus Marokko. Die Gelegenheit zum Trampolin kommt also erst nächsten September beim islamischen Opferfest. „Das ist ein bisschen wie Weihnachten mit Deko und Käsekuchen und Geschenken“, freut sich Yasmina. Trotz der langen Wartezeit ist sie beim Krippenspiel des Erasmus-Bildungshauses ganz vorn mit dabei. Die Kindergarten- und Vorschulkinder der Kolibri-Gruppe haben sich mächtig ins Zeug gelegt. Aufgeführt wird die klassische Bibelgeschichte, Weihnachtslieder gibt’s auf Spanisch. Eine naheliegende Mischung: Denn am Dreieichring 24 wird dreisprachig gelernt – und auch Theater steht regelmäßig auf dem Stundenplan.

Das Erasmus-Bildungshaus unterrichtet seit 2009 Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren. Kooperationspartner ist die Elterninitiative o.k. kids. Krabbelstube, Kita, Grundschule, alles findet in der Gründerzeitvilla mit modernem Anbau Platz. „Uns ist es wichtig, die Kinder durchgängig nach einheitlichem Bildungskonzept zu erziehen“, erläutert Geschäftsführer Rolf Schmidt. Essenziell ist dabei die Vorschule. „In Deutschland wird die Möglichkeit vernachlässigt, Kinder sanft an Bildung heranzuführen. Das Schulsystem steht Kopf: Gymnasien bekommen viel Geld, während die Kitas vorbereitende Arbeit leisten.“

Gehirnforscher belegen: Im Alter von zehn Jahren ist die sprachliche Entwicklung weitgehend abgeschlossen. Schmidt versteht nicht, weshalb Fremdsprachen erst später ernsthaft angeboten werden. Daher setzt er auf die „Immersionsmethode“. Englische und spanische Muttersprachler begleiten den Alltag der Kinder, sind immer präsent und lehren spielerisch. Die emotionale Bindung liegt Schmidt am Herzen: „Wie es halt so ist. Man lernt erst dann richtig gut Spanisch, wenn man einen Spanier toll findet.“

Die Gebühren für Krabbelstube und Kita werden nach der aktuell geltenen Ordnung der Stadt festgelegt. Allein für die Grundschule müssen Eltern tiefer in die Tasche greifen – um die 300 Euro kostet der Platz im Monat, zuzüglich Hortkosten und Essengeld. Die Bezeichnung „Eliteschule“ will Schmidt dennoch nicht hören: „Wir sind eine Bildungseinrichtung in freier Trägerschaft. Diese bekommen nun mal weniger finanzielle Unterstützung als staatliche Schulen. Wir müssen Geld verlangen, um unser Konzept umsetzten zu können.“

Zu diesem Konzept gehört neben der Dreisprachigkeit erfolgreiches Schachspiel: Das Bildungshaus ist zertifizierte Schachschule, erst vor Kurzem hat ein Schüler die hessische Meisterschaft gewonnen. Auch der Ganztagsunterricht bis 16 Uhr ist wichtig. „Wir kommen den berufstätigen Eltern entgegen, ein Betreuungsangebot gibt es bis 18.30 Uhr“, erläutert der Geschäftsführer. Zeit genug also, um das Krippenspiel einzustudieren.

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