Jetzt auch noch ein Gymnasium

Erasmus Offenbach plant 20-Millionen-Bildungshaus für 536 Schüler

Ein Blick in die Zukunft: So kann das neue Erasmus-Bildungshaus an der Ecke Geleits- und Parkstraße aussehen. Im Sommer 2024 soll die Einrichtung den Betrieb aufnehmen.
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Ein Blick in die Zukunft: So kann das neue Erasmus-Bildungshaus an der Ecke Geleits- und Parkstraße aussehen. Im Sommer 2024 soll die Einrichtung den Betrieb aufnehmen.

Die Warteliste fürs gegenwärtige private Erasmus-Bildungsangebot ist brechend voll. Schon seit Eröffnung der Einrichtung am Dreieichring im Jahr 2009 sind die Plätze für Krabbelstube, Kindergarten und Grundschule heiß begehrt. Nun überrascht der Träger mit der Ankündigung, dass künftig nicht mehr nach der Klasse 4 Schluss sein muss: Erasmus steigt ins weiterführende Lehrangebot ein und begründet ein neues einzügiges Gymnasium nicht weit entfernt vom Altbau der Leibnizschule.

Offenbach – Die Stadt, die gerade erst ein neues Gymnasiums am Ostbahnhof beschlossen hat, freut sich nach den Worten ihres Schul- und Baudezernenten Paul-Gerhard Weiß über die Entlastung.

Räumliche Voraussetzung dafür ist die Verwirklichung der Pläne für das Erasmus-Bildungshaus gegenüber dem bisherigen Standort im ehemaligen Gesundheitsamt am Dreieichpark. Die Expansion ist seit langem beschlossene Sache. 2019 hat der private Träger zu diesem Zweck vom Land Hessen für 2,4 Millionen Euro die Liegenschaft an der Geleitsstraße 124 gekauft. Dort ist derzeit noch das Polizeipräsidium Südosthessen angesiedelt, das aber noch in diesem Jahr an den Buchhügel umziehen wird.

Das Polizeipräsidium Südosthessen zieht Ende des Jahres um, dann muss das Gebäude weichen.

Nun sei man auf einem guten Weg und könne nähere Details zur Planung des Erasmus-Neubaus bekannt geben, sagt Stadtrat Weiß. Er betont: „Die Expansion ist eine von uns ausdrücklich gewünschte Entwicklung.“ Die Stadt als öffentlicher und Erasmus Offenbach als privater Schulträger stünden keinesfalls in Konkurrenz, sondern ergänzten sich.

Mit der Planung des zusätzlichen Bildungshauses, das an der Ecke Park- und Geleitsstraße entstehen soll, ist das Büro Kersten Kopp Architekten betraut. In fußläufiger Entfernung zum Alt-Standort gegenüber sollen zwei separate viergeschossige Gebäude entstehen, die in ihrer äußeren Gestaltung zur Nachbarschaft passen, kündigt Andreas Kopp an.

Im Bau an der Parkstraße sollen eine zweizügige Grundschule mit den Jahrgangsstufen 1 bis 4, drei Kindergarten- und drei Krabbelkindergruppen sowie eine Vorschulgruppe unterkommen. Außerdem sind dort eine Mensa mit Küche sowie Musik- und Bewegungsräume vorgesehen. Im zweiten Gebäude an der Geleitsstraße wird neben einer Einfeldsporthalle auch das Gymnasium untergebracht, das künftig das Erasmus-Bildungsangebot in Offenbach ergänzen soll. Ein großes Dach verbindet beide Trakte, bietet zudem Schutz in verregneten Pausen. Der Schulhof dahinter, wo unter anderem auch ein eigener Garten angelegt wird, ergänzt die Planungen. Insgesamt bietet der Komplex Platz für 36 Krabbel-, 75 Kita- und 200 Grundschulkinder sowie am Ende 225 Gymnasiasten.

Da das neue Bildungshaus ebenfalls auf Ganztagsbetrieb ausgelegt sei, berücksichtige die Planung, dass die Einrichtung nicht nur der reinen Wissensvermittlung dienen werde, erläutert Architekt Kopp. „Schule ist nicht mehr nur Lern-, sondern auch Lebensraum.“ Vorgesehen sind daher multifunktionale Flächen, Rückzugsorte und Spielangebote.

Bis diese aber tatsächlich genutzt werden, wird es wohl noch eine Zeit lang dauern. „Leider habe ich erfahren, dass das Polizeipräsidium erst Ende des Jahres ausziehen wird“, bedauert Rolf Schmidt, der Geschäftsführer der Erasmus Offenbach gGmbH. Das alte Gebäude könne erst im Frühjahr 2022 fallen. Danach soll möglichst schnell mit dem Neubau begonnen werden. „Jeder Monat, den wir verlieren, kostet Geld.“ Schmidt rechnet derzeit für Sommer 2024 mit der Fertigstellung und ersten Einschulungen im August.

Aktuell plant die Erasmus-Offenbach gGmbH mit Kosten von 20 Millionen Euro. „Mit einer Millionen fördert das Land die Kindergartenplätze“, sagt Geschäftsführer Schmidt. Ansonsten werde der Bau über Kredite finanziert. „Es ist ein Kraftakt“, stellt Schmidt klar, machbar nur dank niedriger Zinsen.

Eine Erweiterung nach Seligenstadt, wo derzeit ebenfalls um Erasmus geworben wird, schließt er deshalb aus. „Dann müsste man uns dort ein Gebäude zur Verfügung stellen.“

In Offenbach wird der Neubau die Wartelisten entlasten. „Gut 1000 Kinder stehen darauf“, sagt Geschäftsführer Schmidt. Die Eltern stehen besonders auf das dreisprachige Ganztagsangebot ab Kindergarten. Das Gymnasium dürfte dann eine willkommene Fortsetzung sein. (Von Lena Jochum)

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