Erasmus-Schule

Schwierige Standortsuche

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Eigentümer und Erasmus-Schule sind sich einig, die Stadt spielt nicht mit: Die Immobilie an der Brockmannstraße.

Offenbach - Die Erasmus-Schule will dazu beitragen, dass Offenbach den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz erfüllen kann. Doch das ist angesichts der immensen planungsrechtlichen Hürden kein einfaches Unterfangen. Von Matthias Dahmer

Er ist derzeit so etwas wie das Schreckgespenst kommunaler Sozialplaner: Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, bei dessen Umsetzung bis August 2013 es so mancherorts noch gewaltig hakt. Um so mehr, möchte man meinen, werden jene mit offenen Armen in Rathäusern empfangen, die dazu beigetragen wollen, diesen Anspruch zu erfüllen. Dass dem nicht so ist, dass der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben durchaus andere Gesetze und deren wenig flexible Auslegung im Wege stehen können, beweist ein Vorhaben der Erasmus-Schule.

Das private Bildungshaus am Dreieichring sucht seit einiger Zeit passende Räume für die Erweiterung von Kita und Krabbelstube. Ein ins Auge gefasster Standort an der Tulpenhofstraße sei von der Stadtverwaltung mit dem Argument abgelehnt worden, in einem reinen Wohngebiet sei eine Kita nicht zulässig, blickt Erasmus-Geschäftsführer Rolf Schmidt zunächst zurück. Bei zwei weiteren Grundstücken an der Pirazzistraße und in der Hassia-Fabrik habe man sich mit dem Vermieter nicht einigen können.

Mühsame Verhandlungen

Derzeit hat die Erasmus-Schule das Angebot, sich an der Brockmannstraße 15 anzusiedeln. Die Brockmannstraße ist eine Sackgasse in einem gewerblich genutzten Gebiet im Offenbacher Osten. Etwa 65 Kindern sollen dort betreut werden; beabsichtigt ist, vier Krabbelgruppen zu jeweils zehn Kindern sowie eine Kindergartengruppe mit 25 Kindern zu schaffen. Der Eigentümer der Liegenschaft, der Architekt Werner Stadler, würde das Gebäude mit seinen 700 Quadratmetern samt 1. 200 Quadratmetern Freifläche für die Zwecke von Erasmus umbauen, wie er bestätigt.

Doch die Verhandlungen mit der Stadtplanung und dem Bauamt, weiß er aus früheren Projekten, seien mitunter etwas „mühsam“, und man habe den Eindruck, dass die beiden Ämter nicht immer im Sinne des Bürgers und einer funktionierenden Wirtschaftsförderung tätig seien. Wie mühsam das Geschäft ist, belegt der Schriftwechsel, den der Eigentümer und die Schule bislang mit der Stadtplanung führten, von der man einen Vorabbescheid haben will, um damit den erforderlichen Bauantrag beim Bauamt zu stellen: In einem Gewerbegebiet, heißt es im Antwortschreiben der Behörde, seien soziale Einrichtungen wie eine Kita nur ausnahmsweise zulässig. Ein solche Ausnahme sei hier aber nicht gegeben.

Konflikte zwischen Lkw-Verkehr und Eltern

Der stellvertretende Amtsleiter Markus Eichberger sieht erhebliche Konflikte schon allein aus dem Aufeinandertreffen von Lkw-Verkehr einerseits sowie dem Hol- und Bringverkehr der Eltern andererseits. Darüber hinaus sei nicht auszuschließen, dass bei genehmigter Kita der Träger irgendwann einmal von den Betrieben ausgehende Belästigungen geltend machen könnte.

Hinzu komme, so Eichberger, dass der Standort den Siedlungsbeschränkungen des Flughafens unterliege, womit es für den Bau einer Ausnahmengenehmigung durch den Regierungspräsidenten bedürfe. „Natürlich kann Erasmus einen Bauantrag stellen. Aus unserer Sicht bestehen aber erhebliche Bedenken gegen den Standort“, fasst Eichberger zusammen.

Rechtliche Zwangsjacke

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Erasmus-Geschäftsführer Schmidt kann die rechtliche Zwangsjacke zwar grundsätzlich verstehen. Doch die formellen Bedenken müssten hinter der Schaffung der vom Bund und Land geforderten, dringend notwendigen Kinderbetreuungsplätze zurückstehen. „In Offenbach sind mit dieser Aufgabe bei den unter Dreijährigen nahezu ausschließlich freie Träger engagiert, die auf anzumietende Flächen angewiesen sind“, so Schmidt.

Die Brockmannstraße hält er im Übrigen nicht für den schlechtesten Standort. Das Gewerbe beschränke sich auf wenige Betriebe, im Vergleich zur Innenstadt sei viel weniger Verkehr, und auch der Fluglärm sei vergleichsweise gering. Seitens der Stadt vermisst Schmidt eine Stelle, die von Anfang an durch den planungsrechtlichen Dschungel hilft.

„Wir sind nach wie vor gesprächsbereit, könnten dem Verein zum Beispiel aufzeigen, wo Standorte grundsätzlich denkbar sind“, sagt Markus Eichberger.

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