Erfahrung und Geld sammeln

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Mimik und Haltung sind wie bei den Großen. Inhaltlich allerdings zeigt sich das Kinder- und Jugendparlament flotteren Lösungen zugeneigt als jene, die im Rathaus sonst diskutieren.

Offenbach - Die Stühle sind etwas groß geraten, die Tische auch. Überhaupt ist der ganze Saal ein wenig überdimensioniert. Macht aber nichts. Ist ja nicht für oft. Denn die Delegierten, die hier jetzt sitzen, drücken normalerweise nicht Rathausstühle, sondern die Schulbank. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Am Mittwoch allerdings war der Stadtverordneten-Sitzungssaal Schauplatz der viermal pro Jahr tagenden Vollversammlung des Kinder- und Jugendparlaments (KJP).

37 von 58 Stimmberechtigten aus 24 Schulen Offenbachs sind anwesend. Vorstandsmitglied Dennis Lat, 16 Jahre jung, eröffnet die Versammlung mit all diesen Formalitäten: Begrüßung, Feststellung der Beschlussfähigkeit. Dann wird Schirmherr Erik Lehmann mit einem Buchgeschenk verabschiedet. Lehmann: „Es fällt mir nicht leicht, meinen ‘Schirm’ abzugeben. Denn auch ich als älterer Elefant konnte noch so einiges von Ihnen lernen, auch wenn es immer heißt, die Jungen müssten von den Alten lernen.“ Er freue sich aber, gibt er zu Protokoll, das Sieglinde Nöller dieses Amt mit genauso großer Freude übernehmen werde. Die Stadtverordnetenvorsteherin sei eine tolle neue Schirmherrin, da ist Lehmann eigentlich ziemlich sicher.

Als zweite und letzte Erwachsene steht Sozialdezernentin Birgit Simon vor dem Rednerpult. Sie referiert kurz, knapp, kindgerecht über das neue Bildungspaket der Bundesregierung gegen Kinderarmut. Nur eine Frage folgt, entweder war alles glasklar verständlich oder man traut sich nicht so recht zu fragen.

Thema Armut in Offenbach

Jetzt sind die Jungen dran. Zunächst der Bericht der Kinderfraktion. Die hat sich mit dem Thema Armut in Offenbach beschäftigt und mit zwei Frauen der Tafel gesprochen. Auf die Frage: „Was würdet ihr gegen Armut machen?“ weiß nur eins der kleineren Mädchen eine Antwort: „Sachen verkaufen und vom Erlös dafür sorgen, das es weniger arme Leute gibt.“ Es folgen Berichte aus den Arbeitsgemeinschaften „OF main Stadt“, „Event“ und „Öffentlichkeit“.

Das Wichtigste haben die zwei vor großem Publikum sichtlich verlegenen „Event“-Vertreterinnen zu melden: Sonntag findet ein Beachvolleyballturnier auf der Rosenhöhe statt, am 20. August ein Benefizfestival, dessen Erlös an die Tafel geht.

Dennis und der 17-jährige Dominik Imeraj dagegen haben schon richtig Routine als Sprecher. Sie liefern einen flüssigen Vorstandsbericht, der keine Fragen offen lässt. Sie konnten wohl vom KJP-Seminarwochenende für Moderation und Rhetorik in Trier einiges mitnehmen. Mitbeteiligung versprechen sie zur allgemeinen Schulsanierung. Emilio Ramon traut sich dazu eine Frage an den Vorstand: „Was passiert mit den denkmalgeschützten Schulen?“ Kaum zu glauben, dass der Knirps erst acht ist.

Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen in Offenbach

Schüler bis zur sechsten Klasse bilden die Kinderfraktion, die älteren die Jugendfraktion. Entsprechend teilen sie sich nun in zwei Arbeitsgruppen. Da werden anliegende Themen wie eine Arbeitsgemeinschaft für ein Jugendcafé und der Kinderstadtplan erörtert.

Die Idee des KJP entstand 1998 in einem Initiativkreis aus 200 Schülern. Es ist eine politische, überparteiliche Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen in Offenbach, die sich für deren Belange einsetzt. Zur Sicherstellung einer kontinuierlichen Arbeit steuert die Stadt einen Etat von 4500 Euro bei und sorgt dafür, dass das KJP vom Jugendbildungswerk begleitet wird.

Wer das Parlament persönlich kennen lernen möchte, hat heute um 18 Uhr auf dem Wilhelmsplatz beim Abschluss der „Woche des Respekts“ Gelegenheit: Unter dem Motto „Was bedeutet Respekt“ lädt das KJP bei einer Mitmachaktion zum Dichten, Schreiben und Malen auf. Das entstehende Kunstwerk auf Papierband soll in Einzelteilen gegen eine Spende für karitative Zwecke veräußert werden.

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