Süddeutsche Schwimm-Meisterschaften

Erfolg kann einsam machen

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Nicht nur im Wasser, auch am Beckenrand ist am Samstag eine Menge los: 60 Vereine haben ihre Athleten nach Offenbach geschickt.

Offenbach - „Auf die Plätze, fertig, los!“ hieß es am Wochenende im Waldschwimmbad Rosenhöhe. Dort fanden am Samstag und Sonntag die Süddeutschen Schwimm-Meisterschaften statt. Von Christian Krug

Auf neun langen Wasserbahnen treten 60 Vereine aus ganz Süddeutschland gegeneinander an, unter anderem aus Hessen, Saarland, Bayern und Sachsen. 200 Schwimmer unterschiedlicher Jahrgänge gehen an den Start, um in verschiedenen Disziplinen im Freistil ihr sportliches Können zu messen.

Das Wettkampffieber grassiert, es geht reichlich hektisch zu. Unter dem großen, runden Zeltdach des Bads mischt sich ein Geruch aus Schweiß und Chlor, durchdrungen von lauten Schreien. Vereinsmitglieder, Eltern und Freunde feuern aus vollem Hals die Schwimmer an. Dann und wann ruft ein Trainer dazwischen, weil ihm eine wild umher schwingende Vereinsfahne die Sicht versperrt.

Meisterschaft beim EOSC

Meisterschaft beim EOSC

Bei den Süddeutschen Meisterschaften der Langen Strecken waren die Gastgeber des EOSC Offenbach im Waldschwimmbad mit einem siebenköpfigen Team vertreten. Es reichte zu drei Podestplatzierungen.

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Die Süddeutschen Meisterschaften finden einmal jährlich statt, verrät Benjamin Friedrich, Cheftrainer des EOSC (Erster Offenbacher Schwimmclub). Dafür haben er und seine Schützlinge auch dieses Jahr wieder vier Monate im Voraus trainiert – bis morgens vor dem Rennen. „Um Zwölf ging der Wettkampf los, vorher um Neun haben wir schon trainiert“, berichtet Friedrich.

Auch sonst verlangt das Training den jungen Wasserratten eine Menge Disziplin ab: Trainiert wird zwei Mal in der Woche um sechs Uhr vor der Schule, ansonsten jeden Tag abends. Da heißt es auch, auf gesunde Ernährung zu achten, statt zur Chips-Tüte zu greifen. Und wer morgens früh trainieren will, kann abends nicht lange um die Häuser ziehen.

„Für den Erfolg ist man dann manchmal ein klein wenig einsamer“, meint lächelnd Irene Becker, stellvertretende Vorsitzende des Schwimmclubs und offizielle Hüterin der Vereinsfinanzen.

Schwimmer sind mit Leidenschaft bei der Sache

Dennoch: Die Schwimmer sind mit Leidenschaft bei der Sache. „Mir macht die Arbeit mit den Jungs und Mädels super Spaß“, erzählt Trainer Friedrich. „Die Jüngeren machen teilweise ihre Hausaufgaben in den Schulpausen, damit sie abends trainieren können. Und die Studenten versuchen, das so gut wie möglich mit ihrem Studium zu verbinden. Wir fahren zusammen ins Trainingslager – es ist manchmal stressig, aber schön!“

Trotz eifrigen Trainings: Ohne die helfenden Hände engagierter Eltern wie Irene Becker würde bei Großveranstaltungen wie den Meisterschaften gar nichts laufen. Das gesteht Friedrich vorbehaltlos ein.

Konzentration in der Pause

„Dies ist wirklich ein Ehrenamt, das man mit Freude machen muss“, meint Irene Becker, deren Tochter Martina Becker als Mitglied des Schwimmclubs ebenfalls an den Start geht. „Man wächst mit den Leuten im Verein zusammen – wir sind ein richtiges Team!“ Ihr Engagement wird belohnt: Martina hat bei den Meisterschaften bereits eine Silbermedaille geholt. Ein Erfolg, der das Mutterherz höher schlagen lässt, als Irene Becker ihr Kind, noch pitschnass und in ein Handtuch gewickelt, stolz in die Arme schließt.

Die Süddeutschen Meisterschaften endeten am Sonntag gegen 16 Uhr. Doch die Qualifikation für den nächsten Wettkampf der Schwimmer steht bereits ins Haus – die Hessischen Jahrgangsmeisterschaften am Samstag und Sonntag, 25. und 26. Mai, in Dillenburg.

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