Erfolg im Ring und im Alltag

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Shervin Mogharrebi (Mitte) ist der erste Azubi im Boxclub Nordend. Er wird zum Sportfachmann ausgebildet. Die Präsidenten von IHK und Boxclub, Alfred Clouth (links) und Wolfgang Malik freuen sich.

Offenbach - (vs) Während viele Vereine über Nachwuchssorgen klagen, ist dem Boxclub Nordend genau das Gegenteil vergönnt: Immer mehr junge Menschen kommen mit dem Ziel des fairen Kräftemessens in den Hafen 19. „Unser Frauenanteil wächst stetig, und auch die sozialen Herkunftsmilieus vermischen sich immer mehr“, freut sich Boxclub-Präsident Wolfgang Malik.

Das Boxprojekt, das vor sechs Jahren aus dem Jugendzentrum Nordend hervorging, ist zu einem unentbehrlichen Bestandteil der Gewaltpräventions- und Integrationsarbeit geworden und hat seit dieser Zeit schon jeden Menge Anerkennung erfahren. Unter anderem durch den nationalen Förderpreis „Jugend und Zukunft“, dem „Preis des Landessportbundes“ oder dem „Hans-Götzelmann-Preis für Streitkultur“.

Dabei ist Boxen allein nicht gewaltpräventiv“, weiß Malik, „sondern sogar eher aufputschend.“ Es ist die im Boxclub Nordend bestehende Kombination aus festen Regeln, individuellen Gesprächen mit den Jugendlichen und festen Yogaeinheiten nach jedem Sparring, die zum Erfolg nicht nur im Ring, sondern auch im Alltagsleben führt.

Meistens zumindest. „Wir hatten leider schon zwei Fälle, in denen wir Jugendliche vom Boxclub ausschließen mussten“, erzählt Malik. Sie hatten gegen die oberste Regel verstoßen, sich auf der Straße nicht zu prügeln. „Wer einmal aus dem Boxclub ausgeschlossen wurde, darf nie wieder beitreten, da greifen wir ganz hart durch“, so Malik.

Frauen trainieren gemeinsam mit den Männern. Das sorgte bei einigen männlichen Boxern für Unmut. Malik ließ auch in diesem Fall keine Diskussionen zu: „Dass Frauen gleichberechtigt mit den Männern trainieren, ist eine Selbstverständlichkeit, und das müssen Männer aus jedem Kulturkreis respektieren.

Unter den Boxerinnen sind auch einige Akademikerinnen, was sich laut Malik ebenfalls positiv auf die Gruppe auswirke. „Vorbilder, die es zu etwas gebracht haben, sind extrem wichtig“, weiß der Boxclub-Präsident. Und er freut sich darüber, dass einer „seiner“ Jugendlichen den Entschluss gefasst hat, sein Abitur nachzuholen und Sozialarbeiter zu werden.

Noch ein weiterer junger Mann verdankt dem Boxclub Nordend seinen beruflichen Werdegang. Shervin Mogharrebi begann dort am 1. Juli eine Ausbildung zum „Sportfachmann“.

Dass im Boxclub beruflich ausgebildet wird, ist ein Novum, auf das Malik mindestens so stolz ist wie Alfred Clouth, Präsident der IHK-Offenbach. Clouth besichtigte den frisch auserkorenen Ausbildungsbetrieb. „Ziel ist es, auch im nächsten Jahr einen Auszubildenden einzustellen und zusätzlich die Ausbildung zum „Sport- und Fitnesskaufmann“ zu ermöglichen“, so Clouth.

Mogharrebi wird während der dreijährigen Ausbildung Buchhaltung und Vereinsrecht pauken und ein breites Spektrum an Sportarten kennenlernen.

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