Erfolgreich gegen Abkassieren gewehrt

Offenbach - (mad) Es lief gut mit dem Praktikum für die junge Dame aus Offenbach. So gut, dass es für Heike Breinhorst-Rösch, Chefin eines Bieberer Pflegedienstes, keine Frage war: Die übernehmen wir.

Knapp einen Monat hatte Sabine N. (Name der Redaktion bekannt) ein Praktikum als Pflegehelferin absolviert; entsendet von der Zeitarbeitsfirma Manpower und unterstützt von der Mainarbeit GmbH, der Arbeitsgemeinschaft von Stadt Offenbach und Agentur für Arbeit, die N. in ein Förderprogramm für gering Qualifizierte aufgenommen hatte.

Doch als die Übernahme der fleißigen Praktikantin besiegelt werden sollte, fiel Pflegedienstleiterin Breinhorst-Rösch aus allen Wolken: Wollten die Arbeitskräfte-Verleiher für die Weiterbeschäftigung von N. über das Praktikum hinaus doch extra Kohle sehen:

Entweder 17,30 Euro pro geleistete Arbeitsstunde im Wege der Arbeitnehmerüberlassung oder gleich ein ganzes Bruttomonatsgehalt als Vermittlungsprovision, wenn - wie geplant - die Zeitarbeitsnehmerin übernommen werden soll.

Eine „dreiste Forderung“ fand Heike Breinhorst-Rösch. Zumal Manpower doch wohl über das Förderprogramm der Mainarbeit schon Geld für die Praktikantin erhalten habe und nun offenbar ein weiteres Mal abkassieren wolle.

Die Pflegedienst-Chefin stellte sich quer und hatte Erfolg damit. Manpower verzichtete auf die zusätzliche Forderung. Und teilte auf Anfrage unserer Zeitung nur mit: Bei der Vermittlungsprovision handele es sich um einen Passus in den allgemeinen Geschäftsbedingungen zu Arbeitnehmerüberlassungsverträgen, der im konkreten Fall nicht greife.

Für Dr. Matthias Schulze-Boeing, Geschäftsführer der Mainarbeit, ist eine derartige Vertragsgestaltung zwar neu, rechtlich aber wohl zulässig. Es bestehe im vorliegenden Fall ein dreiseitiges Arbeitsverhältnis, doch die Vereinbarung zwischen Manpower und dem Pflegedienst unterliege einer gewissen Vertragsfreiheit, bei der die Mainarbeit außen vor sei.

Was die von Heike Breinhorst-Rösch vermutete Doppelfinanzierung angeht, kann der Mainarbeits-Chef beruhigen. „Wir fördern gar nicht so viel.“ Mit dem Hilfsprogramm würden nur die entstehenden Extra-Kosten wie Kurse zur Qualifizierung und die dadurch bedingten Ausfallzeiten beglichen.

Manpower ist für uns ein Arbeitgeber wie jeder andere auch, mit dem wir zusammenarbeiten. Wir haben über das Unternehmen keine negativen Erkenntnisse“, so Matthias Schulze-Boeing. Für viele sei eine Zeitarbeitsfirma im übrigen ein guter Einstieg in ein festes Arbeitsverhältnis.

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