Gestrandet und abgetanzt

Erfolgreiche „Riviera“-Premiere: Mehr als 25 Bands und DJs am Mainufer 

Offenbach - Kultur braucht nicht unbedingt ein Riesenbudget. Mit mehr Herzblut als Geld hat das Kulturamt in Offenbach am Wochenende das charmante Musik-Festival „Riviera“ auf die Beine gestellt – mit mehr als 25 Bands und DJs, die in Locations entlang des Mains spielten. Von Lisa Berins

Die Premiere ist gelungen: „Riviera“ hat neue Perspektiven eröffnet – auf die eigentlich gar nicht mehr so kleine Schwester von Frankfurt, auf die alternative Musikszene und generelle Fragen; etwa, ob es einen weiblichen Machismo gibt. Vor allem ein Act sorgte für Diskussionen.

Der Mann im Publikum schüttelt den Kopf. „Nee, das ist nicht mein Ding“, sagt er und setzt seine Bierflasche zum finalen Schluck an. Auf der Bühne in der Afip, der Akademie für Interdisziplinäre Prozesse, stehen endlich die Römischen Votzen, die so lange auf sich warten ließen, dass selbst die Veranstalter fast nicht mehr an einen Auftritt glaubten.

Noch während DJane Nikki on Fleek ihre Handtasche in eine Ecke wirft, nehmen sich die beiden Sängerinnen die Mikrofone; eine der Künstlerinnen trägt ein knappes Bikini-Oberteil und einen Hut, der an die Eierschale auf dem Kopf von Comic-Küken Calimero erinnert. Die andere sieht mit Zöpfen, bauchfreiem Shirt und Trainingshose, aus der ein Tanga herausblitzt, aus wie eine obszöne Spicegirl-Schwester. So ordinär wie die Aufmachung sind auch die Texte, die mit aggressivem Sexismus, Männerfeindlichkeit und Porno-Assoziationen spielen. Wer glaubt, es gebe keine Tabus mehr, der muss beim Anblick der Römischen Votzen einräumen, dass er irrt.

Der Auftritt der Frauenband aus Offenbach und Frankfurt ist der provokanteste beim ersten „Riviera“-Festival. Organisiert wurde es vom Kulturamt mit der Idee, aus den zwei Kilometern Mainpromenade eine Art musikalischen Urlaubsort zu machen. Ein guter Einfall: Musiktouristen aus Offenbach, Frankfurt und von außerhalb der Stadtgrenzen zieht es am Freitag- und Samstagabend an die „Riviera“ und in die Locations entlang des Flusses: zum Beispiel in den Club Robert Johnson, die Kressmannhalle oder ans Restaurant-Boot Backschaft, wo Besucher mit Cocktails in der Hand in Liegestühlen sitzen oder auf der Wiese zu Clubmusik tanzen. Mit einem Shuttleboot können die Konzertgänger zwischen Hafen und Festivalzentrum am Mainuferparkplatz hin- und herpendeln.

Größere Bands wie die australische Popsängerin Kat Frankie und das Düsseldorfer Duo Grandbrothers stehen im Hafen 2 auf der Bühne. Daneben sind eine Menge weiterer, teilweise sehr spezielle Acts gebucht – alles in allem eine gute, wilde Mischung aus hippen, exotischen, stilleren und lauteren Pop- und Elektroklängen. Gerammelt voll ist’s am Freitagabend im kleinen Waggon am Kulturgleis beim Auftritt der Punkband Die Radierer, dafür legt der Berliner Musiker Daniel Freitag in den Parkside-Studios ein wunderbares Konzert in intimer Atmosphäre hin.

Andrang am frühen Freitagabend vor dem Levi’s Showroom in der Heyne Fabrik: In der Industriehalle wird die Hamburger Rapperin und „Trap-Königin von der Reeperbahn“ Haiyti angekündigt. Die 25-Jährige verfremdet ihre Stimme durch Auto-Tune so stark, dass sie extrem gekünstelt klingt, dann wieder reimt die Musikerin in rabaukenhaftem Ton-Zeilen wie „Ich smoke die Kippen wie Kate Moss“. Die Hamburgerin wurde vor Kurzem für ihr Album „Montenegro Zero“ beim „Echo“ mit dem nationalen Kritikerpreis geehrt. In Offenbach wird die Rapperin von Streichern des Capitol-Orchesters begleitet. Mehr als 200 Zuhörer sind in den Showroom gekommen – einige vor allem, um ein frischgedrucktes Levi’s-Shirt zu ergattern. In schwarzen Lettern steht auf weißem Stoff: OFFENBACH.

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Veranstalterin Sabine-Lydia Schmidt vom Kulturamt ist mehr als zufrieden mit der Erstausgabe des Festivals: „Es ist echt super gelaufen“, findet sie.

Mehrere hundert Besucher seien an der „Riviera“ gestrandet, alleine bei der Aftershowparty im Robert Johnson und bei den Konzerten im Hafen 2 wurden etwa 1 500 Gäste gezählt. Wenn es nach den Wünschen der Veranstalter geht – und der vieler Besucher –, soll 2019 die zweite Ausgabe kommen. Offenbach als Kultururlaubsziel? Unbedingt!

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Rotschild (Archiv)

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