Erhebendes Glockenjubiläum

Offenbach - Das größte Glockengeläut des Bistums Mainz ertönte zu Ostern eine Stunde lang mitten in Offenbach vom hohen Glockenturm der Marienkirche aus. Dabei feierten Monsignore Hans Blamm und seine Gäste auf dem prächtig aufblühenden und begrünten Mathildenplatz ein besonderes Jubiläum: 10 Jahre neue Großglocken, 1998 in seinem Beisein im Eifelstädtchen Brockscheid gegossen und zu Ostern 1999 geweiht.

Zuerst ertönte als Nachklang zu Karfreitag die fast drei Tonnen schwere „Memoria Hl. Josef“ auf den Ton h, dann die größte Glocke von allen acht, die mehr als sechs Tonnen wiegende gis-Verkündigungsglocke „Annuntiata Hl. Geist“. Nun brachten beide gemeinsam mit grandiosem Bassfundament die Mauern der Kirche zum Erzittern. Man wähnte sich am Fuß eines großen alten Doms.

Pfarrer Blamm konnte besorgte Zuschauer beruhigen, die Stahlkonstruktion und die massiv aus Sandstein gefügten Mauern halten das alles locker aus, zumal die Hl.Geist-Glocke jeden Abend zuverlässig um 21 Uhr bis an den Waldrand Offenbachs zu hören ist. Da verschiebt sich nichts und ist alles jederzeit stabil. Eher fürchtet sich Blamm vor schlimmen Stürmen, die seinem neobarocken Campanile etwas anhaben könnten.

Danach ertönte zum Großkonzert das am 2. März 1913 geweihte, in Frankenthal gegossene „Historische Geläute“, das für die Marianischen Antiphone steht: Maria Involata, Maria Speciosa, Maria Regina und Maria Pia. Die lateinischen Inschriften der zusammen fast sieben Tonnen wiegenden Bronze-Zinn-Glocken malen die Lebensphasen Mariae aus: als „Unversehrte“, als „Gebenedeite“, als „Königin der Märtyrer“ und als „milde Himmelskönigin“. Das Quartett der speziellen Art zauberte eine feierlich Stimmung in Offenbachs Innenstadt, bevor der erste Teil des Konzerts machtvoll ausschwang.

Dann war im Solo die Kleinste am Läuten, die „nur“ 555 Kilogramm wiegende „Sankt Anna“, die sich anschließend mit der fast doppelt so schweren „Sancta Maria G. Rosello“ zur wunderschönen „Klangkrone“ vereinte. Auch diese beiden stammen aus der Werkstatt der Brockscheider Glockengießerfamilie Mark. Dann schaltete die Küsterin per Knopfdruck Historische Geläute und Klangkrone zusammen, um auf eine beeindruckend Doppeloktave aus Bassglocken und Klangkrone überzugehen. Das sorgte bei den auf Bänken Sitzenden ebenso für Gänsehaut wie bei Passanten, die große Augen und Ohren machten. Das nächste Quartett vereinte die vier schwersten und tiefsten Glocken von gut 13 Tonnen Gesamtgewicht. Bässe der angenehmsten Art, die sogar mitsingende Vögel zu verstärktem Gezwitscher inspirierten.

Die unglaublichen Akkorde wurden auch beim „Veni creator spiritus“-Quintett wie beim „Christus Sieger“-Fünfklang durch mitschwingende Unteroktaven noch verstärkt. „Komm, Schöpfer Geist“ nannte sich die vorletzte Glockenkombination, bei welcher der höchste und tiefste Ton ausgespart wurde. Nach einer Atempause kam es zum großen Finale mit dem seit 2005 vollständigen Plenum, das von Lautstärke und Eindringlichkeit jedem Rockkonzert Konkurrenz machen kann - von der Schönheit des Klanges ganz abgesehen. Einfach erhebend, was diese „Osterglocken der besonderen Art“ für Seele und Ohren boten. Das konnte auch vorbeirauschender Verkehrslärm nicht wegwischen.

Kommentare