Mit erhöhter Traglast

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Platz nehmen, bitte. Stadthallen-Chefin Birgit von Hellborn macht es sich auf den Rängen bequem. Die Bestuhlung ist komplett erneuert. Statt starrem, teils brüchigem Plastik gibt’s nun klappbare Polstersitze. Natürlich sind diese angepasst an die neue Farbgebung. Dezentes Weiß dominiert in Halle und Foyer.

Offenbach - Die Journalisten recken die Hälse. Zu erkennen ist gut sieben Meter über der Bühne eigentlich nichts: schwarze Stahlträger, schwarze Traversen, schwarze Decke. Dennoch funkeln die Augen von Birgit von Hellborn, als Chefin für Stadthalle und Capitol verantwortlich. Von Martin Kuhn

Nach 46 Jahren ist die Halle an der Waldstraße runderneuert – vor allem technisch. Und das macht sich bereits in den Buchungen bemerkbar. 53 waren das im vergangenen Jahr, 73 sind’s in diesem Jahr. Tendenz steigend. „Und so soll das auch bleiben“, sagt von Hellborn.

Die technische Anpassung sei dabei von „zentraler Bedeutung“. Eine neue Dachverstärkung samt Stahlträgern erhöht die Traglast erheblich – von fünf auf 13 Tonnen. Waren Lichtquellen früher nur an wenigen Punkten zu befestigen, ist das nun an nahezu jeder Position über der gut 150 Quadratmeter großen Bühne möglich. „Damit sind wir vor allem für große Rockbands wieder interessant, die mit großem Equipment touren“, so die Geschäftsführerin. Das wächst von Jahr zu Jahr. Längst reichen ein paar rote und blaue Scheinwerfer nicht mehr aus, um die Stars ins rechte Licht zu rücken. Ein Beispiel? Bitte schön. So soll allein das Videosystem der grandiosen „360˚ Tour“ der irischen Rockband U2 gut 60 Tonnen gewogen haben.

Allein diese bauliche Erweiterung in der Stadthalle schlägt mit 200.000 Euro zu Buche. Diese Kosten müssen wieder eingespielt werden. Obwohl nicht allein die Buchungen, sondern auch der Umsatz (2010: 390.000 Euro, 2011: 500.000 Euro) gesteigert wurden, ist mit schwarzen Zahl nicht zu rechnen. Birgit von Hellborn hofft, dass sich der jährliche Verlust dauerhaft auf unter 300 000 Euro einpendelt. Diesen trägt zunächst die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO), hundertprozentige Tochter der Stadt. Das hört sich nicht nach einem guten Geschäft an. Das sieht die Geschäftsführerin, seit gut 20 Jahren mit dem Tournee- und Veranstaltungsgeschäft vertraut, etwas anders. „Schließlich kommen viele Offenbacher in die Halle, zudem ist’s eine gute Werbung für die Stadt.“

Von Karel Gott bis Motörhead

Das lässt sich an den Namen der Künstler ablesen, die seit 1966 in der Stadthalle gastierten und seit kurzem im  Backstage-Bereich namentlich verewigt sind: vom tschechischen Schlagersänger Karel Gott bis zu den britischen Rockikonen Motörhead, vom österreichischen Weltmusiker Hubert von Goisern bis zu den deutschen Rappern Fanta 4. Gestaltet hat das, neben den Bildern im Foyer, Marcus Dörr, Chef der Offenbacher Agentur artmos4.

Genau diese Mischung ist es, die von Hellborn in der bis zu 4000 Zuschauer fassenden Halle abseits persönlicher Geschmäcker möchte: „Wir sind da, um Veranstaltungen zu machen, nicht um sie zu verhindern.“ Dazu zählen selbstverständlich Tagungen, Messen und Märkte. In diesem Jahr rechnet sie mit etwa 90.000 Besuchern, das sind 23.000 mehr als im vergangenen Jahr. Dieser positive Trend scheint sich 2012 fortzusetzen. Bereits heute seien 22 Termine fest gebucht und weitere 15 Tage reserviert. „Es dürfen gerne mehr werden“, so von Hellborn.

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Allerdings ballen sich mitunter die Termine, so dass nicht alle Wünsche zu erfüllen sind – vor den Sommerferien etwa die obligatorischen Abi-Bälle. Und auch der November ist meist dicht – ein klassischer Tournee-Monat. In der Vergangenheit kritisierten Offenbacher Vereine oft die hohen Mietpreise. Das kann sie nachvollziehen, verweist aber auf Fixkosten. Allein die Reinigung der gut 1 100 Quadratmeter großen, mit Mahagoni-Parkett ausgelegte Halle, koste 800 Euro. „Da kann ich den Saal nicht für 500 Euro vermieten.“ Für einen Abi-Ball sind demnach 1500 bis 1700 Euro fällig. Das Entgelt für Konzerte ist teilweise an den Umsatz gekoppelt und nun in einer Kategorie erhöht: Für unbestuhlte Konzerte sind acht Prozent fällig. Rechnen könnte sich daher das Konzert der Beatsteaks am 5. November. Es ist ausverkauft.

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