Erkenntnisse auf dem Schlitten

+
Geschafft: Fachleute der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft demonstrierten am Samstag den Besuchern des Ringcenters unter anderem, wie man sich aus einem auf dem Dach gelandeten Wagen befreit.

Offenbach - (ddü) Kopfüber hängt die junge Frau im Fahrersitz und klammert sich mit beiden Händen am Lenkrad fest. „Stützen Sie sich mit den Armen am Dach ab, stellen Sie die Füße unterhalb der Lenkradsäule ab und lösen Sie mit einer Hand vorsichtig den Sicherheitsgurt“, weist Claudia Knafler sie an. Elegant gleitet die Frau auf die Beifahrerseite und kann sich schließlich aus dem Auto befreien.

Beim Tag der Verkehrssicherheit am Samstag informierte die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) am Ringcenter nicht nur über Sicherheit im Straßenverkehr, sie hatte auch mehrere Stationen aufgebaut, an denen Autofahrer etwas lernen konnten. Beispielsweise zeigten Instruktoren an einem Überschlagssimulator, wie man sich aus einem Fahrzeug befreit, das nach einem Unfall auf dem Dach liegt. „Bei vielen Unfällen kommt es durch falsches Verhalten nach dem eigentlichen Ereignis zu zusätzlichen Verletzungen“, erklärt Claudia Knafler. Auch eine falsche Sitzposition sei für zahlreiche Verletzungen verantwortlich. „Oft sind die Nackenstützen zu niedrig und der Abstand zu Lenkrad und Pedalen zu hoch“, so Knafler. Würde man nur einige Grundregeln bei der Justierung des Sitzes beherzigen, könne man das Verletzungsrisiko erheblich verringern.

Welche ungeheuren Kräfte schon bei geringen Geschwindigkeiten bei einem Unfall auf den Fahrer wirken, konnte man auf dem Gurt-Schlitten erleben. Mit elf Kilometer pro Stunde trifft der Sitz hier auf eine Metallplatte. Der Körper wird nach vorne geschleudert, der Sicherheitsgurt schneidet in Brust und Bauch ein und der Kopf kippt nach vorne. „Eigentlich ist das ja noch ziemlich langsam, aber der Aufprall war schon ganz schön heftig“, sagt ein Fahrgast nach dem simulierten Crash.

Spielerische Komponente zieht viele Leute an

Damit es zu solchen Unfällen erst gar nicht kommt, konnten Autofahrer im Simulator ihr Reaktionsvermögen trainieren: Auf der Landstraße geht es über Wiesen und Felder und weiter in ein kleines Waldstück. Plötzlich schießt ein Fahrzeug aus einem kleinen Forstweg heraus und blockiert die Straße. Eine beherzte Vollbremsung kann den Zusammenstoß im letzten Moment verhindern.

Die spielerische Komponente zieht viele Leute an – vor allem 20- bis 30-Jährige setzen sich gerne in den Simulator“, sagt Norbert Augustin, der die Station betreut. „Für den Reaktionstest hingegen interessieren sich vor allem Ältere.“

Im vergangenen Jahr gab es in Hessen mehr als 23 000 Unfälle mit rund 30 000 Verletzten und 318 Toten. Anlass genug für die BG Bau und den Deutschen Verkehrssicherheitsrat mit einem gemeinsamen Aktionstag auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam zu machen.

In unserer Branche wird viel Auto gefahren und leider gibt es immer noch viel zu viele Unfälle“, sagt der Sprecher der BG Bau, Thomas Lucks. „Das ist zunächst einmal schrecklich für die Betroffenen, aber verursacht auch hohe Kosten für unsere Versichertengemeinschaft.“ Deshalb sei es der Berufsgenossenschaft sehr wichtig, für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu werben, um so die Zahl der Unfälle zu senken.

Kommentare