Erleuchtung durch den Ampelmann

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Diese Kette im Ampelmännchen-Binärsystem bildet das Wort „DAX“ - einer der von Fotograf Bernd Georg für die Luminale gefertigten Leuchtkästen. Seine aus Berlin mitgebrachten Ampelmänner vom DDR-Typ dürfen beim Lichtkultur-Festival freilich nicht mitmachen.

Offenbach ‐ Sie stoppen uns, sie fordern zum Gehen auf. Fußgänger in der Großstadt befolgen ihr Gebot mehrmals täglich. Aber ist schon jemandem aufgefallen, dass in Offenbach die roten und grünen Angehörige von gleich sieben Völkern Einfluss auf unsere Fortbewegung nehmen? Von Thomas Kirstein

Oder ist unser Fotograf Bernd Georg der Entdecker der Offenbacher Ampelmännchen-Artenvielfalt? Beim nächtlichen Joggen durch die Stadt ging ihm nach und nach Unterschiedlichkeit der Lichtwesen auf:

Da gibt es Ampelmännchen mit Rundkopf und welche mit Quadratschädel. Arme sind ausgestreckt oder angewinkelt. Manche haben Füße, andere nicht. Sie wirken einmal mehr, einmal weniger dynamisch ausschreitend. Körper und Gliedmaßen bilden eine Einheit oder sind voneinander abgesetzt. Hier steht der Athleten, dort das halbe Hemd. Sie wirken durchweg männlich; aber Frau darf gern auch die hosentragende Geschlechtsgenossin mit Kurzhaarfrisur erkennen.

Bernd Georg hat sie alle fotografiert. Der individuellen Erleuchtung lässt er nun die künstlerische Beleuchtung folgen. Seine Ampelmännchen werden Bestandteil der „Luminale“, dem seit 2000 alle zwei Jahre in Frankfurt und nun zum zweiten Mal auch in Offenbach stattfindenden Festival der Lichtkultur. Vom 11. bis zum 16. April findet es diesmal statt. In Offenbach illuminieren Künstler 27 Stationen - sei es großflächig oder aufs Detail ausgelegt.

Je acht Figuren bilden ein herkömmliches Zeichen

Die Energieversorgung, die Sparkasse und die Verkehrsbetriebe Offenbachs haben sich von dem überzeugen lassen, was der Fotograf Georg mit all seinen Ampelmännchen angestellt hat.

Und das ist eine weitere Geschichte, die dem Sinnieren beim Joggen entsprang: Ungeachtet ihrer Typenvielfalt stehen die Ampelmännchen für nur zwei Zustände, geh’ und steh’, rot und grün, ein und aus, eins und null.

Mehr braucht’s auch nicht, um einen Computer die kompliziertesten Aufgaben erledigen zu lassen. Schon der alte Leibniz baute eine Rechenmaschine aufgrund des so genannten Dualsystems, das mit den Ziffern 0 und 1 auskommt. Weil er, wie gefrotzelt wird, nicht bis drei zählen konnte.

Der gelernte Elektrotechniker und Digitalfotograf Bernd Georg kennt das System und kreiert die Ampelmännchen-Variante des gebräuchlichen Codes: Je acht Figuren bilden ein herkömmliches Zeichen, Zahl oder Buchstabe - grün entspricht der Null, rot der Eins. So entstehen Botschaften, die sich mithilfe einer Übersetzungstabelle lesen lassen - und die, nebenbei ganz praktisch für die Finanzierung, auf die Sponsoren gemünzt sind. Grün-rot-grün-grün-grün-rot-grün-grün steht etwa für das „D“, mit dem bei der Sparkasse das Wort „Dax“ beginnt.

Insgesamt mehr als 20 Exponate

Die Kombinationen erscheinen zur Luminale auf etlichen Leuchtkästen und bis zu 2,40 Meter hohen Leuchtsäulen. Insgesamt sind es mehr als 20 Exponate. Die Bank der Offenbacher stellt ein Fenster an der Berliner Straße und ihren Empfang im ersten Stock zur Verfügung, der örtliche Versorger seinen Eingang in der Andréstraße. Die Nahverkehrsleute bauen jene Busse ein wenig um, die abends im Sonderverkehr die Luminale-Stationen ansteuern werden.

Die Sponsoren halten für interessierte Kunden und Besucher Dechiffrier-Zettel vor. Die Vielfalt der Ampelmännchen kommt dabei nicht zu kurz. Jedes der sieben vom joggenden Fotografen Bernd Georg entdeckten Völker bildet an einem anderen Ort seine sinnreichen Ketten.

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