Ernst-Reuter-Schule

Neun Jahre im Container?

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Im Stadtparlament hatte die CDU dem Schulsanierungsplan noch zugestimmt, jetzt schlägt sie Alarm: Zu lange müssten Ernst-Reuter-Schüler behelfsmäßig unterrichtet werden. Der zuständige Dezernent ist irritiert und relativiert. Dass Unterricht in diesen Containern an der Ernst-Reuter-Schule für eine längere Zeit zumutbar ist, bezweifelt die CDU.

Offenbach - Wie dramatisch ist die Raumnot an den Offenbacher Schulen tatsächlich? Diese Frage beschäftigt die CDU, die vor allem für die Ernst-Reuter-Schule in Rumpenheim Schlimmes befürchtet:  Von Fabian El Cheikh

Da die Fertigstellung des Erweiterungsbaus für die Grund-, Real- und Hauptschule erst für das Jahr 2022 vorgesehen ist, müssten die Schüler bis zu neun Jahre in Containern unterrichtet werden, kritisiert Tobias Männche. Ein Zeitraum, der „nicht akzeptabel“ sei. Der Leiter des CDU-Arbeitskreises „Kultur, Schule und Sport“ will die notwendige Erweiterung der Schule vorziehen, weil Container nur als Übergangslösung während einer unumgänglichen Bauphase vertretbar seien. Eine Forderung, die beim Schuldezernenten Dr. Felix Schwenke auch deshalb auf Unverständnis stößt, weil in der jüngsten Stadtverordnetensitzung die überarbeitete Fassung des millionenschweren Schulsanierungsprogramms noch einstimmig beschlossen worden war.

In der Fortschreibung und Aktualisierung des ambitioniertesten Infrastrukturprojekts der Stadt wurden zum Teil neue Prioritäten gesetzt: So wird etwa im Gegensatz zu früheren Planungen die Erweiterung der Goetheschule aufgrund des dortigen Raumdrucks vorgezogen und noch vor der für 2017 geplanten Fertigstellung der neuen Hafenschule begonnen (ab 2014). Festgelegt wurde allerdings auch, dass die Ernst-Reuter-Schule und die Gewerblich-Technischen Schulen als letzte an der Reihe sind. So sollen die Baumaßnahmen an der Rumpenheimer Schule erst 2020 beginnen. Die CDU hatte trotz ihrer Zustimmung im Parlament zwar Bedenken angemeldet. Ihre Kritik richtete sich jedoch vor allem gegen die Finanzplanung, die auf „veralteten Zahlen“ aus dem Jahr 2011 basiere und „Augenwischerei“ sei. Schuldezernent Schwenke erkennt zwar den erhöhten Raumbedarf an der Ernst-Reuter-Schule an: „Die Schule ist voll.“ Dennoch sei die Situation dort nicht mit der an anderen zu vergleichen: Die Humboldtschule zerfalle, an der Geschwister-Scholl fielen die Heizungen von den Wänden, und die Goetheschule platze aus allen Nähten.

„Wenn wir nur nach Notwendigkeiten entscheiden könnten, würden wir sicher nicht solange warten“, zeigt Schwenke Verständnis für Kritik am Zeitplan, „aufgrund der bekannten Finanzlage der Stadt können wir uns aber nicht alle Schulen gleichzeitig vornehmen.“ Würde eine Schule vorgezogen, dann auf Kosten einer anderen, die im Zeitplan nach hinten rücken müsste. „Da würde mich schon interessieren, wie sich die CDU das vorstellt.“ Wie sich die Schülerzahlen an der Ernst-Reuter-Schule gesteigert haben, veranschaulicht der Leiter des Stadtschulamts, Thomas Löhr: Demnach stieg innerhalb von zehn Jahren die Schülerschaft von 658 auf 719. „Deutlicher wird die Entwicklung, wenn man beachtet, dass die Klassenzahl von 29 auf 34 angewachsen ist.“ Dies sei auch eine Folge neuer Vorgaben wie eine verringerte Obergrenze von Schülern in einer Klasse.

Weiterführende Schulen in Offenbach

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Löhr verweist darauf, dass die Ernst-Reuter-Schule die jüngste sei, die noch unter städtischer Regie gebaut wurde. „Wir haben hier glücklicherweise keine gravierenden Baumängel, die eine sofortige Behebung erfordern.“ Bis auf Weiteres seien auch keine weiteren Unterrichtscontainer dort vorgesehen. Die drei jetzigen, berichtet der stellvertretende Schulleiter Volker Hartmann, würden für die „Schub“-Klassen (Schule und Betrieb) und die Grundschüler zur Hausaufgabenbetreuung genutzt. „Für diese Container sind wir auch sehr dankbar.“ Löhr betont, dass diese Behelfsräume von „sehr hohem Standard“ seien mit Wasseranschluss und Heizung. „Das sind keine Baracken.“ Die CDU wiederum sieht Nachteile durch hohe Geräuschentwicklung, die „schnell zu einem unerträglichen Lärmpegel“ führe. Sie verlangt deshalb auch eine Unterbringung von Goetheschülern während der dort 3,5 Jahre andauernden Bauarbeiten in anderen Einrichtungen. Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen, teilt Schwenke mit.

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