Ernstes vom Rande des Narrenzugs

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Petra L. ärgert sich mächtig: Die Stadtpolizei ließ sie nicht nachhause.

Bieber ‐ Petra und Witold L. haben vom Bieberer Fastnachtsumzug am Samstag nur einen Wagen gesehen. Und der, das ärgert Petra L. mächtig, „war kein bisschen lustig“. Stadtpolizei habe auf dem Auto und das Auto quer gestanden. Von Marcus Reinsch

Aber dass der zugehörige Uniformierte Ordnungsmacht vor allem als Macht über Bürger interpretiere, das habe er konsequent bewiesen. Er sei weder Freund noch Helfer gewesen. Mehr als eineinhalb Stunden lang. Der Ärger nahm um 14.40 Uhr seinen Lauf. Im Ort drehte der Fastnachtszug seine Runde. Zu dieser Zeit aber nicht mehr in der Dietesheimer Straße, durch die die L.s mit ihrem Peugeot kamen. Sie haben es nicht so mit der Narretei, waren einkaufen gewesen und wollten nun nach Hause in die Salzburger Straße.

An normalen Tagen hätte das bedeutet: Auf der Dietesheimer Straße durch die Unterführung, rechts in die Poststraße, links in die Philipp-Reiss-Straße und wieder rechts in die Salzburger Straße. 300 Meter Gesamtstrecke, kein einziger Berührungspunkt mit dem Weg des Fastnachtszuges. „Kein Problem“, dachte Petra L. und wurde eines Schlechteren belehrt: Die Straße, für die L.s einzige Verbindung nach Hause, bleibe bis nach Zugauflösung gesperrt, habe der Hipo beschieden. Diskussionen hätten nichts gebracht. Ebenso wenig der Hinweis, dass die gleiche Situation im Vorjahr viel kulanter geregelt worden. Oder die Vorlage des Personalausweises samt Heimatadresse.

Petra L. lief nach Hause, Witold L. wachte über Auto und teure Einkäufe. Um 16 Uhr, als seine Frau besorgt wieder zu ihm kam und, wie sie sagt, im Ort schon längst wieder Autos unterwegs waren, wartete er immer noch auf die Freigabe der Dietesheimer Straße. Erst gegen 16.20 Uhr, als er sich bei einem Vorgesetzten kundig gemacht habe, ob er seinen Posten räumen darf, habe der Stadtpolizist Gnade walten lassen.

Wobei Gnade ein Wort ist, das die L.s aus der Fassung bringt. Das Bußgeld jedenfalls, das ihnen der Hipo angekündigt hat, weil Witold L. wegen der Kälte beim Warten den Motor startete, wollen sie „auf keinen Fall bezahlen“.

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