Im Ernstfall zwölf Stunden

Offenbach - Offenbach ist grundsätzlich durch Deiche vor Hochwasser des Mains geschützt. Damit dennoch im Katastrophenfall alle Helfer auf neuesten Stand sind, wurde am Samstag am Reichstag in Bürgel der Ernstfall geübt. Von David Heisig

Samstagmorgen, kurz nach 9 Uhr: Ruhig fließt der Main, Jogger traben vorbei, Hunde werden Gassi geführt, die Spätsommer-Sonne taucht alles in helles Licht. So weit, so üblich. Anders ist, dass das Technische Hilfswerk (THW) schweres Gerät aufgefahren hat, die Feuerwehr die Sandsack-Füllmaschine vorbereitet und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) die Verpflegungszelte aufbaut. Grund: Am so genannten Deichverteidigungsabschnitt Ost wird geübt, was zu tun ist, wenn der Fluss sein Bett verlässt.

„Sieht alles mächtig aus“

100 Teilnehmer von THW, den Feuerwehren, dem Stadtdienstleister ESO, der Wasserwehr und des ASB sind zur Deichschutzübung abkommandiert. Angeordnet hat die das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) aufgrund des hessischen Wassergesetzes. „Die Kommunen haben die so genannte Deichverteidigungslast“, erklärt Martin Hofmann vom RP die Beteiligung der Stadt. „Du musst jetzt deinen Deich bewachen“, laute ganz simpel die Aufforderung dann, wenn ein bestimmter Pegelstand erreicht sei. Gefährlich wird es ab 4,50 Meter gemessen am Frankfurter Osthafen. Glücklicherweise liegt der Wert an diesem Samstag nur bei 1,55 Meter.

Zudem berät das RP die Kommunen in Fragen der sogenannten Abwehr von Wassergefahren. Etwa was zu tun ist, wenn der Deich nicht dicht sein sollte. Genau das soll geübt werden. „Sieht alles mächtig aus“, sagt ESO-Sprecher Oliver Gaksch mit Blick auf die Radlader, Lastwagen und Gerätschaften. „Das schwere Gerät kommt erst im Katastrophenfall zum Einsatz“, ergänzt Heinz-Peter Kosanke, der für den ESO die Übung koordiniert.

Der Ernstfall tritt zum Glück nicht so häufig ein. Dennoch muss geübt werden, wohnen im Zuständigkeitsbereich des RP vom Hessischen Ried bis zum Untermain doch immerhin 600.000 Menschen, drohen bei verheerenden Hochwasserlagen Schäden bis zu fünf Milliarden Euro. Vielen Offenbachern sind noch die Bilder von Anfang 2011 präsent. Da war das Ufer am Main vollständig überflutet, waren nur noch die Bäume zu sehen. Damals wurden letztmals die Deichtore geschlossen. Ein Vorgang, der auch am Samstag wieder geübt wird.

Zwölf Stunden von Würzburg nach Offenbach

Andere Maßnahmen sind die Verstärkung der Deichanlagen mit Sandsäcken oder auch die Reparatur durchlässiger Stellen. „Wir arbeiten von der Landseite aus“, erklärt RP-Vertreter Hofmann. Die Lage sei zu Übungszwecken aber vertauscht. Dort wo gerade geübt werde, stehe im Ernstfall natürlich das Wasser. Ist der Deich durchlässig, muss an der betreffenden Stelle der Druck von der Mainseite auf der Landseite durch Gegendruck ausgeglichen werden.

Im Ernstfall dauert es zwölf Stunden, bis Hochwasser von Würzburg mainabwärts bis nach Offenbach gelangt. In dieser Zeit müssen Anwohner informiert, mit dem RP Schutzvorkehrungen abstimmt werden.

Hochwasser kommt gerne im Winter und im Frühjahr, Ursache sind starke Niederschläge oder auch die Schneeschmelze. Auch darüber können sich die Anwohner am Samstag an einem Infostand des RP informieren.

Regelmäßig stehen auch an anderen Orten Deichschutzübungen auf dem Programm. Immer dabei ist der Betreuungszug des ASB. Unterkünfte, Trinkwasser und Versorgung mit Verpflegung sind dessen Aufgaben. So stärken sich die Aktiven nach getaner Übung im Zelt der Samariter.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: CDomhardt/pixelio

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