Neuanfang im Senefelderquartier

Eröffnung: Moderner Rewe-Markt in alter Hülle

+
Die Werbung für den Rewe-Markt in der ehemaligen Montagehalle von MAN Roland ist eher zurückhaltend. Von der Senefelderstraße aus lässt sich daher kaum erahnen, dass hinter der Fassade ein moderner Nahversorger auf gut 2000 Quadratmetern mehr als 20.000 Artikel anbietet.

Offenbach - Großer Bahnhof in der Roland-Passage: Zu der offiziellen Eröffnung des neuen Rewe-Markts erscheinen am späten Nachmittag mehr als 80 Gäste. Für dieses Projekt im denkmalgeschützten Gebäude gibt es nur lobende Worte. Von Martin Kuhn

Oberbürgermeister Horst Schneider sieht darin eine Aufwertung fürs Quartier. Der Verwaltungschef ist bestens gelaunt. Schließlich wird gestern nicht „nur“ ein neuer Einkaufsmarkt eingeweiht. Sondern: „Mit dem neuen Zentrum gewinnt das Senefelderquartier künftig deutlich an Lebensqualität. Dank des neuen Vollsortimenters verbessert sich die Nahversorgung der Bewohner entscheidend.“ Die Eröffnung steht gleichfalls für einen Neuanfang im Süden der Stadt. Das Richtfest für 172 Wohnungen der ABG Frankfurt ist vor vier Wochen gefeiert worden, und die GWH Immobilien Holding, eine Tochter der Helaba, verhandelt über gut 4000 Quadratmeter Baugrund. Die Gesellschaft will dort, wo das Verwaltungsgebäude stand, etwa 100 Mietwohnungen und eine Kindertagesstätte errichten.

Prost: Stadtspitze, Investor und Rewe-Vertreter stoßen gestern auf die Neueröffnung an.

In der Summe markiert es erneut den noch immer nicht beendeten Wandel von der Arbeiter- zur Dienstleistungsstadt. Längst ist das ehemalige Werk I des Druckmaschinenherstellers an dieser Stelle niedergerissen. Wobei es als ein Stück Offenbacher Industriegeschichte erhalten bleibt – zumindest die äußere Hülle. Denn die alte Montagehalle mit dem markanten Sheddach steht unter Denkmalschutz. Die behördlichen Auflagen haben „besondere Anforderungen an die Planung und technische Realisierung“ gestellt. Kunden, die die sogenannte Mall betreten, werden’s anerkennen: Dort flutet reichlich Tageslicht durch die markante Dachkonstruktion. Im Rewe selbst ist diese ebenfalls deutlich zu erkennen. Allerdings fällt kein Tageslicht ein, ebenso wenig wie durch die alten Industriefenster. Aus energetischen Gründen ist es am ehesten als „Haus-in-Haus-Lösung zu beschreiben – mit letztlich doppelter Isolierung.

Technisch ist der Rewe ohnehin auf dem neuesten Stand: Verglaste Kühl- und Tiefkühlmöbel liefern Energie für die Heizung. Ein energiesparendes Beleuchtungskonzept spart Strom. Die elektronische Preisauszeichnung, direkt von der Rewe- Zentrale gesteuert, zeigt stets die aktuellen Preise an. Am Dienstagmorgen ist von der Feierlaune freilich nichts zu erahnen. Am Eingang der Roland-Passage weißt ein Geselle nochmals die Wände. In drei Deckenöffnungen fehlen die Leuchten. Im Rewe-Markt selbst werden alle Fensterflächen gereinigt und der Boden mit einer Maschine poliert. „Wo kommt denn das hin?“, fragt eine Mitarbeiterin, die eine Palette Plastikstiegen hinter sich her zieht. Bastian Rötschke reicht ein kurzer Blick. „Leergutannahme. Hinten links.“ Der Bezirksmanager eröffnet zwar nicht jeden Tag eine Filiale, dennoch ist alles eingespielt. Die Ladenkonzepte gleichen einander.

Die zehn frechsten Preisfallen im Supermarkt

Schlaflose Nächte bereitet ihm eine Neueröffnung nicht mehr. „Aber ein bisschen aufgeregt ist man immer“, sagt Rötschke, in Offenbach und Mühlheim für 13 Rewe-Märkte zuständig. Die ersten Regale wurden an der Senefelderstraße bereits am 20. November gefüllt. Gestern folgt die frische Ware: Obst. Gemüse, Käse, Fisch, Fleisch. Marktmanager Bülent Yigit und sein 60-köpfiges Team freuen sich bereits auf Kunden. Neu fürs Wohnquartier – die kleine Filiale am Starkenburgring ist inzwischen zu – sind ein Backshop (Glocken- Bäckerei) samt Bistro sowie die Frische-Theken. Dort führt unter anderem Metzgermeister Horst Hartenfels Regie. Er schwärmt besonders von trocken gereiftem Rindfleisch. Fachausdruck: Dry Aged Beef. „Das wird vier Wochen am Knochen bei niedriger Luftfeuchtigkeit gereift; einfach ein toller Fleischgeschmack!“ Und die perfekte Zubereitung? Na, die gibt’s bei Hartenfels kostenlos dazu: „Steak in einer heißen Pfanne scharf anbraten, im Ofen bei 120 Grad gar ziehen lassen, salzen, fertig.“

Das klingt nach einer sättigenden Mahlzeit nach getaner Arbeit. Darauf verzichtet Bastian Rötschke vermutlich vorerst. Schließlich steht am 11. Dezember die nächste Neueröffnung in Offenbach an – ein 2500 Quadratmeter großer Rewe im neuen Quartierszentrum am Hafen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare