Mit Ersatzteilen aus dem Elektromarkt die Bankkunden abgezockt

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Mit dieser Technik werden die Geldautomaten manipuliert.

Offenbach ‐ Die Offenbacher Polizei hat in Bürgel eine Skimming-Werkstatt ausgehoben und eine Bande rumänischer Geldkartenbetrüger in Haft gebracht. Der Fall gewährt Einblicke in Wege und Arbeitsweise der organisierten Kriminalität. Von Ralf Enders

Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch die Festnahme eines 36-Jährigen Skimmers Ende 2010 in Stuttgart; „ein einfacher Außendienstmitarbeiter der Bande“, so der Offenbacher Polizeisprecher Henry Faltin. Der kleine Gauner hatte offenbar keine Lust, alleine den Kopf hinzuhalten und machte Angaben zu seinem „Chef“ in Offenbach. Dieser 28-Jährige hatte Anfang 2011 einen 36-jährigen Landsmann in die Lederstadt geholt und dem „Fachmann“ eine Werkstatt in Bürgel eingerichtet.

Die Materialien und Ersatzteile stammten den Ermittlungen zufolge aus Elektromärkten, aber auch von Originalteilen der Banken; die Betrüger schraubten hierzu die an den Außenwänden angebrachten Kartenleser zur Türöffnung ab.

Eine Metalleiste mit einer Mini-Kamera nimmt die Eingabe der Pin-Nummer auf.

Die neue Qualität der Arbeit des 36-Jährigen Technikers überzeugte den Kopf der Bande offenbar so sehr, dass er sie am vergangenen Wochenende zusammen mit einem weiteren Komplizen (29) aus Offenbach in der Schweiz testete. Warum Schweiz? Polizeisprecher Faltin kann nur mutmaßen: „Vielleicht weil die Standards dort sehr hoch sind und die Geräte diesen genügen sollten.“

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Bei der Rückkehr nach Deutschland schlug die Polizei, die das Trio aufgrund der Aussage des in Stuttgart Festgenommenen schon im Visier hatte, zu. Ein Skimmer fand sich im Auto. Die Werkstatt in Bürgel lieferte weiteres Beweismaterial. In den Offenbacher Wohnungen stellten die Ermittler noch Ecstasy, Amphetamine, Anabolika, Marihuana und Waffen sicher.

Ob die Skimming-Utensilien bereits zum Einsatz gekommen sind, steht noch nicht fest. Das Ausspähen der Daten von Kredit- oder Bankkarten verursacht Schätzungen des Bundeskriminalamtes zufolge jährlich einen Schaden von 40 Millionen Euro bundesweit.

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