Bürgel-Ost

Erschließung von Baugebiet in Offenbach kostet zweistelligen Millionenbetrag

Aus der Vogelperspektive ist alles gut, im Untergrund schlummern hohe Kosten: Das Baugebiet Bürgel-Ost füllt sich zwar, der Endausbau dauert aber noch. Straßen und Gehwege werden erst mit der endgültigen Oberfläche hergestellt, wenn die privaten Bauvorhaben weitgehend abgeschlossen sind – in etwa drei Jahren.
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Aus der Vogelperspektive ist alles gut, im Untergrund schlummern hohe Kosten: Das Baugebiet Bürgel-Ost füllt sich zwar, der Endausbau dauert aber noch. Straßen und Gehwege werden erst mit der endgültigen Oberfläche hergestellt, wenn die privaten Bauvorhaben weitgehend abgeschlossen sind – in etwa drei Jahren.

Das Baugebiet Bürgel-Ost in Offenbach kostet richtig viel Geld. Die Gesamtkosten belaufen sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Offenbach – Der lange Vorlauf für Bürgel-Ost kostet Geld. Richtig viel Geld. 2004 hat das Stadtparlament den Bebauungsplan fürs Neubaugebiet beschlossen. Nach dem Projektbeschluss von 2013 folgt 2018 eine „Überarbeitung der Kostenzusammenstellung“. Die Gesamtkosten erhöhen sich von 7,8 auf 11,4 Millionen Euro. Jetzt kommt ein weiterer Nachschlag: Das Projekt „Erschließung Bürgel-Ost“ kostet nun beinahe 15 Millionen Euro. Grund: Der Untergrund gleicht an einigen Stellen wohl eher einer Müllkippe.

Baugebiet in Offenbach: 430 Wohneinheiten sind vorgesehen

Das überrascht nicht. 2019 berichtet die Redaktion, dass auf den 9,7 Hektar (vorgesehen sind 430 Wohneinheiten für gut 1100 Menschen und eine Kita) drei „Altablagerungsflächen“ bekannt sind. Etwa BS 26. Wer dort was für wenig Geld auf einer Fläche von etwa 20 x 25 Metern entsorgt hat, ist wohl nicht mehr aufzuklären.

Für den Laien liest’s sich so: „Dieser Schadensbereich ist durch eine erhebliche Kontamination des Bodens insbesondere mit Arsen, Chrom, Zink, Naphthalin und Mineralölkohlenwasserstoffen gekennzeichnet. Das verfüllte Material zeichnet sich durch eine schwarze Verfärbung und starken aromatischen / undefinierbaren Geruch sowie grünlichen Schlieren aus.“ Als Fazit steht: Es bleibt nur die aufwändige Sanierung inklusive Aushub.

Die Rechnung kommt mit zeitlichem Abstand: Elf sogenannte Nachträge mit einer Gesamtauftragshöhe von gut 2,1 Millionen Euro. Heißt: Gemäß den geltenden Gesetzen und Richtlinien wurde der Aushub im Baufeld zwischengelagert und durch externe Gutachter beprobt. Trotz der üblichen Stichproben können jedoch Siedlungsabfälle oder Bauschutt nicht aussagekräftig ermittelt werden. „Hier zeigte sich das Ausmaß erst während der eigentlichen Baumaßnahme mit deren großen Erdbewegungen. (...), dass deutlich mehr Aushub als Abfall eingestuft und entsorgt werden musste, als auf Basis der vorlaufenden Bodenuntersuchungen ursprünglich eingeplant war.“ Zudem schlägt die vorherige Sondierung samt Kampfmittelerkundung zu Buche – am Ende sind’s mehr als 210 00 Euro.

Baugebiet in Offenbach: Verlängerte Bauzeit wird teuer

Weiterer Kostentreiber: die Grenzbebauung an der nördlichen Edel-Gasch-Straße. Kurz nach Baubeginn zeigte die begleitende Vermessung, dass die Grenzbebauung (etwa 250 Meter Zaun, Betonmauer und Betonstreifenfundament mit bis zu 80 Zentimeter Untergrundeinbindung) nicht katasterkonform hergestellt wurde. Hier ergaben sich Differenzen von bis zu 20 Zentimeter. Um die Mindestbreiten des neu herzustellenden Gehwegs einzuhalten, musste die Grenzbebauung entsprechend dem Kataster versetzt werden. Bedeutet unter anderem: Abbruch, Rückbau, Vermessung, Verkehrsanlagen mit entsprechender Belastungsklasse, Herstellung des Grenzzauns. Kosten: rund 280 000 Euro. Die durch diese Punkte verlängerte Bauzeit kostet rund 900 000 Euro, das wird aktuell von einem externen Ingenieurbüro für Baurecht geprüft. Am Ende werden weitere Mehrkosten für anstehende Arbeiten erwartet. Die Kostensteigerungen nach Baupreisindex werden für die Freianlagen und die Verkehrsanlagen auf jeweils etwa 350 000 Euro geschätzt.

Das alles summiert sich auf 4,2 Millionen Euro. Da im Laufe des Projekts Bau- und Baunebenkosten in Höhe von gut 700 000 Euro eingespart werden konnten (günstige Submission, Entfall der Grundwasserhaltung), belaufen sich die Mehrkosten auf rund 3,5 Millionen Euro. Und wer zahlt’s? Die Finanzierung erfolgt zum Teil über die Erhebung von Erschließungs- und Kanalbeiträgen, zum Teil über die Stadt. „Dazu wird jeweils anhand der konkreten Kosten ermittelt, wie hoch der beitragsfähige Anteil der Kosten ist. Der nicht beitragsfähige Anteil wird von der Stadt getragen“, erklärt Stadtsprecher Fabian El Cheikh. Dafür gebe es genaue gesetzliche Vorgaben. Der beitragsfähige Anteil verteile sich prozentual auf die Stadt und die Eigentümer. (mk)

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