Erst athletisch, dann atemlos

Karnevalseröffnung vereinte wieder „11unnereinerkapp“

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„11unnereinerkapp“ und eine obenauf: Die United Dancers begeisterten die Gäste im Rumpenheimer Bürgerhaus.

Offenbach - „11unnereinerkapp“ ging im Rumpenheimer Bürgerhaus in die siebte Runde. Was manche als nach vorne geschobene Randnotiz des Offenbacher Karnevals beäugten, ist mittlerweile ein stets ausverkaufter Startschuss der närrischen Kampagne. Von Stefan Mangold 

Auf der Bühne gesteht Klaus Kohlweyer, er wäre gerne eine Frau. Außerdem trage er rosa Unterwäsche... Der Leser ahnt es: Kohlweyers Bekenntnisse sind ihm in den Mund gelegt. Von Bauchrednerin Ulrike Weiß. Die Speyerin tritt als „Brezelinchen“ auf, hält Kohlweyer an der rechten, Sabine Meuer an der linken Hand. Wenn „Brezelinchen“ eine drückt, bewegt sich möglichst schnell und weit ein Unterkiefer. Das lässt ausreichend Platz für Lippenbekenntnisse aller Art.

So ein Scherz könnte ins Schwarze treffen. Wohlgemerkt: könnte. Wer Kohlweyer, Vorsitzender des Offenbacher Karnevalsverein (OKV) und ein Mann von stabiler Statur, sieht, weiß jedoch: „Brezelinchens“ Ulk sorgt für Heiterkeit, weil er flunkernd überspitzt.

Das passt: Schließlich vereinen die Organisatoren zum siebten Mal „11unnereinerkapp“. Wie immer leitet Rico Longerich durch die erste Sitzung der Kampagne. Heißt: Longerich und Volker Schulz laden Formationen wie die Dietzenbacher Tanzgarde, die Schautanzgruppe Cobra von der Bürgeler Ranzengarde, die sich zu den Melodien aus dem Musical-Film Mary Poppins bewegt, oder die United Dancer ein. Die Offenbacher Truppe zeigt eine variantenreiche Choreographie.

Die elfjährige Karoline Krah tanzt akrobatisch zu bayerischen Klängen. Die Nummer der Aschaffenburger Mainfunken Jennifer Allig und Marleen Moritz kommentiert Longerich: „Jetzt wisst ihr, warum ich den Sport nicht mache“. Vernünftig: Aus dem Stand in den Spagat zu springen, ist keine Disziplin für jedermann. Noelle Winkler und Ema Milanovic tanzen als Grazy Zebras für die SG Bornheim/Grün Weiß.

Volker Schulz

Die Gardetruppe der Mainfunken präsentiert sich ebenfalls athletisch. Die „Fidele Bockenheimer“ drehen ihre Leuchtstäbe nicht weniger flink als später die Schautanzgruppe vom Konzertorchester Offenbach ihre fluoreszierenden Puschel und Stöcke. Klassischen Gardetanz demonstrieren die Mädchen des Radsportvereins Wenigumstadt. Die Dietzenbacher Showtanzgruppe präsentiert sich in Tarnhose und und schwarzem Top. Die Damen der Mozarthusaren erscheinen als Cheerleader. Sie haben ein Heimspiel: Longerich gehört ihrem Club an.

Den Vogel schießen die Funny Dancers ab: Sportlich und akrobatisch auf hohem Niveau, mit einfallsreicher Choreographie, zeigen sich die jungen Frauen vom Taunussteiner Carneval Verein konditionsstark und wie aus einem Guss. Die Bürgeler Regenten Niklas I. und Annika I. mit Hofdame Selin und Mohr Keanu treten in ihrer zweiten Regentschaft vors Volk. Was Wolfgang Zühlke, Elferpräsident der Ranzengarde, sichtlich erleichtert: „Ihr seid zwar gewachsen, aber noch kann ich über euch schauen.“

Gemaa-Sitzung in Offenbach

Orden bekommen alle, die damit rechnen durften: Die Helfer von „11unnereinerkapp“, Harald Hagedorn und Kerstin Fries. Nicht in ihrer Eigenschaft als ehemaliger Prinz und Prinzessin, sondern als neue Co-Sponsoren der Sitzung. Später stellt Klaus Kohlweyer jedem einzelnen Geldgeber eine rhetorische Frage: „Bist du auch nächstes Jahr dabei?“

Hans-Jürgen Finkenauer besingt die unwidersprochene These, dass Mainz faktisch Mainz bleibe. „Andy Bohn hat mich nach Offenbach geholt!“ Der mittlerweile über Offenbach hinaus bekannte „Kuldreboddä“ kennt Finkenauer. Das Duo der „Schlagermafia“ aus Rostock - in weißen Anzügen, mit Sonnenbrillen und schwarzen Perücken des Modells „schmieriger Typ“ - holt aus dem Saal das letzte heraus mit dem ultimativen „Atemlos durch die Nacht“. Das wird man in der Kampagne wohl noch öfters hören...

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