Turnhallen bleiben vorerst belegt

Erstaufnahme-Lager am Kaiserlei: Geduld gefragt

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Ortstermin mit Minister: Stefan Grüttner (CDU), der sich zuvor mit Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) die teilweise schon belegte Flüchtlingsnotunterkunft am Kaiserlei angeschaut hatte, stellte sich am Eingang den Fragen von Medienvertretern.

Offenbach - Das Herrichten der Gewerbeimmobilie am Kaiserlei zur Flüchtlingsunterkunft für bis zu 1000 Menschen läuft zwar auf vollen Touren. Doch Hessens Sozialminister Stefan Grüttner machte gestern bei einem Ortstermin nur geringe Hoffnung, dass der Umzug von Asylsuchenden von den beiden Schulsporthallen in die Liegenschaft in den nächsten Tagen geschehen kann. Von Matthias Dahmer

Nachdem er sich ein Bild von der Situation in der noch kommunal betriebenen Notunterkunft an der Kaiserleistraße gemacht hat, stellt sich Stefan Grüttner vor dem Tor der Einrichtung den Fragen von Medienvertretern. Grundsätzlich, so der CDU-Minister aus Offenbach, sei die Immobilie, die aus einer rund 4000 Quadratmeter großen Halle und einem dreigeschossigen ehemaligen Bürotrakt besteht, gut für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet. Insbesondere deshalb, weil genug Platz vorhanden sei, die Menschen zu trennen und zudem ärztliche Betreuung bis hin zur Quarantäne zu gewährleisten. So ist vorgesehen, dass Familien sowie alleinreisende Frauen im Ex-Bürotrakt unterkommen. Eine Trennung nach Religionen sei weder in Offenbach noch in Einrichtungen andernorts praktikabel, meinte Grüttner.

Während die im Endausbau 550 Personen Platz bietende Halle zumindest schon zu einem Teil belegt ist – gestern befanden sich dort 158 Menschen – muss in dem Bürogebäude noch dem Brandschutz Rechnung getragen werden. Im Idealfall seien diese Arbeiten Ende nächster Woche abgeschlossen, so Grüttner. Es könne aber auch noch zwei bis drei Wochen dauern. Kein Thema mehr sind Duschcontainer, an denen es bislang mangelte: Gestern wurden die letzten der insgesamt 70 Einheiten angeliefert, die man für 1000 Menschen benötigt. Wegen der Unwägbarkeiten in Sachen Brandschutz am Kaiserlei will der Minister gestern auch keine Prognose wagen, wann in den Hallen von Edith-Stein- und Anne-Frank-Schule wieder Schul- und Vereinssport möglich sein wird.

Mit Erstaunen dürften die Vertreter der Stadtregierung zu Kenntnis nehmen, was Grüttner anfügt: Dass Notunterkünfte in Turnhallen geschaffen worden seien, liege im Übrigen in der Verantwortung der Stadt. Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) hat an den beiden noch betroffenen Schulen – die Halle am Buchhügel ist wieder frei – Verständnis für die Belegung der Hallen ausgemacht. „Eine, zwei oder drei Wochen sind den Menschen zu vermitteln“, ist er sich sicher. Eine solche Nothilfe rechtfertige die Belegung allemal.

Flüchtlingsunterkunft am Kaiserlei: Bilder

Weiterhin offen ist, wann die private Immobilie am Kaiserlei, die derzeit noch den Status einer Notunterkunft hat, formell zu einer Außenstelle der Erstaufnahme-Einrichtung in Gießen wird, in der die Flüchtlinge dann auch registriert werden. Damit verbunden ist der Übergang der Zuständigkeit von der Stadt Offenbach auf das Land Hessen. Ein erforderlicher Betreiber der künftigen Erstaufnahme sei noch nicht gefunden. Im Moment seien Stadt, ehrenamtliche Helfer, Feuerwehr, Bundeswehr und Regierungspräsidium gemeinsam am Kaiserlei tätig, sagt der Sozialminister.

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Mit Blick auf Schlägereien und Übergriffe auf Frauen in anderen Flüchtlingsunterkünften versichert er: Solche Vorfälle seien nie absolut auszuschließen; wenn es zu welchen komme, werde entsprechend gehandelt. Die große Fluktuation in den Notunterkünften erklärt Stefan Grüttner mit dem Umstand, dass sich viele Flüchtlinge auf den Weg zu Freunden und Verwandten machten; teilweise auch in andere europäische Länder. Wer eine Aufnahme-Einrichtung auf eigene Faust wieder verlasse, ohne registriert worden zu sein, habe allerdings den Status eines Illegalen und keinen Anspruch auf Leistungen.

Flüchtlinge in Offenbach angekommen: Bilder

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