Quartiermanagement

Erste Bilanz der Kümmerer

+
„Kümmerer“ Marcus Schenk zieht erstmals Bilanz.

Offenbach - Die organisatorische Keimzelle des Projekts existiert seit dem Jahr 2002 im Mathildenviertel. Vor zwei Jahren wurde das dort erfolgreich laufende Quartiersmanagement auf das Nordend und den Stadtteil Lauterborn ausgedehnt. Von Matthias Dahmer

Gestern ziehen die Verantwortlichen erstmals eine Zwischenbilanz zur Arbeit der „Kümmerer“, wie Marcus Schenk sich selbst bezeichnet.

Schenk betreut mit seiner eigenen Consulting-Firma und insgesamt 25 Kräften in enger Abstimmung mit Stadt und Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) die drei Stadtteile. 28.000 Menschen – darunter allein 11.500 im Nordend – und damit 25 Prozent aller Einwohner Offenbachs leben in den Viertel, die in unterschiedlicher Ausprägung zu den Problemquartieren der Stadt zählen. Gekennzeichnet sind sie durch hohe Arbeitslosigkeit beziehungsweise eine große Zahl von Hartz-IV-Empfängern sowie einen überdurchschnittlich hohen Ausländeranteil.

„Außenposten der Stadt“

Zirka 300.000 Euro lässt sich Offenbach das Quartiersmanagement pro Jahr kosten, je ein Drittel steuern Stadt, SOH und unterschiedliche Förderprogramme bei. Dass die Zuschüsse auch langfristig fließen, könne man nicht garantieren, räumt Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amts für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, ein, bei dem alle Managementfäden zusammenlaufen. „Es ist ein ständiges Bemühen, wir zapfen alle möglichen Töpfe an.“

Die jeweiligen Stadtteilbüros, sagt Schulze-Böing, seien lebendige Zentren und würden von den Bürgern gut angenommen. Allein am Mathildenplatz zähle man pro Jahr etwa 10.000 Besucher, im Stadtteilbüro Nordend am Goetheplatz seien es etwa 8.000. Er nennt die Büros zugleich „Außenposten der Stadt“, mit deren Hilfe man ein wachsamen Auge auf die Entwicklung in den Vierteln habe. „Das ist eine Mischung aus Dialog und Kontrolle“, meint er. Für Kämmerer Michael Beseler spielen sie eine wichtige Rolle bei der Erhaltung des sozialen Friedens in der Stadt.

Nachbarschaftskonflikte und Stadtteilfeste

Marcus Schenk weist darauf hin, das die Arbeit breit gefächert ist. Nachbarschaftskonflikte würden ebenso gelöst wie Stadtteilfeste organisiert. Am Mathildenplatz gebe es seit einem Jahr eine Migrationsberatung. Die messbaren Erfolge des Quartiersmanagements sind für ihn zunächst mehr Sicherheit und Sauberkeit in den Stadtteilen. Hinzu kommt für Schenk, dass die Stadtteil-Rundgänger, die auch an anderen Orten in der Stadt unterwegs sind, zum Beispiel mit zum Rückgang des Taschendiebstahls auf dem Weihnachtsmarkt beigetragen hätten. „Demnächst werden sie auch auf dem Flohmarkt am Ringcenter unterwegs sein“, kündigt Schenk an.

Eine Ausweitung des Quartiersmanagements auf andere Stadtteile oder ein weitere Differenzierung in den bisherigen Vierteln ist für Kämmerer Beseler wünschenswert, letztlich aber eine Geldfrage. Für die südliche Innenstadt, sagt Schulze-Böing, seien Fördermittel beantragt, wegen Kürzungen bei Bund und Ländern liege der Antrag aber auf Eis. Zumindest die SOH ist mit ihrem Projekt „Besser leben in Offenbach“ im Senefelderquartier südlich des Bahndamms schon aktiv. Man plane dort eine Art Quartiers-Kiosk, sagt Projekt-Koordinatorin Sabine Süßmann.

Einen Bericht über die Arbeit des Quartiersmanagements in Offenbach soll es künftig alle zwei Jahre geben, kündigt Matthias Schulze-Böing an.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare