Bedarf wird sich noch zeigen

Erste Bilanz des Quartiersmanagements in Bieber-Waldhof

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Waldhof von oben: Charakteristisch sind die Hochhaussiedlungen, die sich durch dicht bewachsene Grüngürtel ziehen.

Waldhof - Das Quartiersmanagement in Bieber-Waldhof zählt zu den jüngsten im Stadtgebiet. Während sich die Arbeit vor Ort etwa im Mathildenviertel oder dem Senefelderquartier schon etabliert hat, befindet sich Waldhof laut jüngstem städtischen Bericht noch in der Testphase. Von Jenny Bieniek 

Im städtischen Sachstandsbericht, der die Arbeit und die Fortschritte im hiesigen Quartiersmanagement dokumentiert, findet sich das, was Waldhof ausmacht, im Kurzportrait auf Seite 13: „Stadtteil aus den 70er Jahren mit zum Teil Einfamilienhäusern, vor allem aber mit Mehrfamilien(hoch)häusern mit viel Grün- und Freiflächen.“ Der Blick auf die Bevölkerungsstruktur verrät: In Waldhof leben verglichen mit dem gesamten Stadtgebiet überdurchschnittlich viele junge Menschen unter 25 Jahren, Bewohner mit Migrationshintergrund sowie SGB II-Bezieher (Waldhof: 40,5 Prozent; Offenbach: 18,3 Prozent). Zudem wohnen besonders viele seit mehr als 20 Jahren dort. Weit unterm Durchschnitt bleibt Waldhof dagegen beim Anteil der Ausländer sowie in puncto Arbeitslosendichte.

Vermutlich sind es weniger diese Eckdaten als die oft monierte, lückenhafte Infrastruktur, die Waldhof Mitte 2014 ein Quartiersmanagement bescherten – auch auf auf Initiative von Arbeitskreis Waldhof, GBO und Baugesellschaft Odenwaldring hin. Das Stadtteilbüro in der Ottersfuhrstraße 23 eröffnete vergangenen Oktober. Ziel soll es unter anderem sein, die Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil zu fördern, relevante Akteure mit Blick auf die Stadtteilentwicklung zu vernetzen, möglichst viele Bewohner zu integrieren und mobilisieren sowie Sicherheit und soziale Ordnung zu unterstützen.

Auf die bestehenden Angebote angesprochen, bremst Stadtteilbüro-Leiterin Sabine Süßmann allzu hohe Erwartungen. „Wahnsinnig viel ist es noch nicht“, so die Projektleiterin von „Besser leben in Offenbach“. Dies sei jedoch auch dem Umstand geschuldet, dass Waldhof verglichen mit anderen Stadtteilen wenig Bewohner habe, die Bildung von Interessengruppen deshalb schwieriger sei. Zum Vergleich: Während im Nord-end 12.000 Menschen leben, sind es zwischen B448 und Seligenstädter Straße 3500.

Einmal monatlich kommt eine Familienhebamme ins Stadtteilbüro, die Caritas hilft regelmäßig beim Ausfüllen von Formularen. Eine durch „Waldhof aktiv“ initiierte Männerkochgruppe hat dort ihren Treffpunkt. Die Sprechstunde aber werde kaum angenommen. Auch Süßmann weiß, dass Waldhof nur schwer mit anderen Stadtteilen zu vergleichen ist. „Bestimmte Problemlagen, die wir von anderswo kennen, gibt’s hier nicht“, sagt sie. In Waldhof seien eher falsch parkende LKW, Bordsteine und Lärm Thema. Auch Sozialdezernent Felix Schwenke bestätigt diesen Sonderstatus. „Innerhalb des Programms Soziale Stadt und verglichen mit anderen beteiligten Stadtteilen ist Waldhof sicher der strukturstärkste. Wir wollten aber nicht warten, bis sich das womöglich zum Negativen ändert.“

So marode ist der Bieberer Bahnhof

Der Arbeitskreis Waldhof, der im Stadtteil schon seit vielen Jahren aktiv ist und die Bewohner traditionell zu mobilisieren weiß, sieht das Quartiersmanagement trotz des Nebeneinanders zweier Akteure als Bereicherung. Als „feindliche Übernahme“ haben die Mitglieder das Programm nie empfunden. „Derzeit ist das Quartiersmanagement aber noch stark an uns gebunden“, sagt Vorstandsmitglied Peter Heckt. Weil die Angebote derzeit teils beim AK Waldhof, teils wenige Meter weiter im neuen Stadtteilbüro stattfänden, habe dieses neben dem als Treffpunkt bewährten Jugendzentrum Schwierigkeiten, sich zu etablieren. „Das dauert eben noch ‘ne Weile“, glaubt Heckt.

Waldhof sei kein privilegierter Stadtteil und etwas abgelegen. Die Bewohnerstruktur erfordere es, dass man auf diese intensiver zugehe, sie mit Angeboten zur Stärkung des Miteinanders noch mehr abholen und begleiten müsse, glaubt Heckt. Beide Akteure, sowohl AK als auch Quartiersmanagement, haben bereits Ideen für weitere Angebote. Die Marschrichtung ist laut Sabine Süßmann aber klar: Man werde auf jeden Fall noch bis Ende des Jahres beobachten, erst dann werde entschieden, ob und wie es mit dem Quartiersmanagement in Waldhof weitergeht. „Die Anfänge sind immer schleppend“, so Stadtrat Felix Schwenke. „Wenn wir aber merken, dass das Programm in Waldhof nicht angenommen wird oder nötig ist, lassen wir’s sein. Wäre ja auch schön.“ Schließlich habe niemand Interesse daran, sinnlos Geld auszugeben.

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