„Aufbruchstimmung“: Erste Ex-Roländer vermittelt

Offenbach - Ein Hoffnungsschimmer für die im Zuge der Insolvenz des Druckmaschinenherstellers „manroland“ entlassenen Menschen: Etwa einen Monat nachdem die Personalentwicklungsgesellschaft PRM ihre Arbeit aufgenommen hat, haben 67 Betroffene über sie wieder einen Job gefunden. Von Marc Kuhn

Nicht nur den Jüngeren, sondern auch älteren Ex-Mitarbeitern von „manroland“ seien Arbeitsplätze angeboten worden, sagte die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber. 897 Menschen waren in die Transfergesellschaft gewechselt, in der sie fit für eine neue Arbeitsstelle gemacht werden sollen. Angesichts der in Jobs vermittelten Menschen sprach Weber von einer relativ guten Quote für den ersten Monat. Sie seien bei PRM nun freigestellt worden. Sollten die Ex-Roländer in der Probezeit mit dem neuen Arbeitgeber nicht zufrieden sein, können sie wieder zur Personalentwicklungsgesellschaft zurückkehren. Auch beim Betriebsrat des nun selbstständigen neuen Unternehmens Manroland Sheetfed sind Anfragen von Firmen nach den ehemaligen Kollegen eingegangen, erklärte die Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung, Alexandra Roßel. Das insolvente Unternehmen „manroland“ ist zerschlagen worden. Der britische Industrielle Tony Langley hatte den Bogenbereich mit dem Standort Offenbach übernommen. Die Lübecker Possehl-Gruppe hatte die Rollensparte gekauft.

IG Metall und PRM versuchen über die Agentur für Arbeit Offenbach, finanzielle Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds für die Transfergesellschaft locker zu machen. Zudem gebe es Gespräche mit dem Bundesarbeitsministerium, um aus Brüssel Gelder aus dem Globalisierungsfonds zu bekommen, berichtete Weber. Sie hofft, auf diese Weise weitere drei bis fünf Millionen Euro für Qualifizierungsmaßnahmen für die Entlassenen zu erhalten. Die ehemaligen Eigentümer von „manroland“, Allianz und MAN, hatten 24 Millionen Euro für die Transfergesellschaft zur Verfügung gestellt - das Geld verteilt sich auf die einstigen Standorte Offenbach, Augsburg und Plauen.

Aufbruchstimmung bei der Belegschaft

Von einer Aufbruchstimmung bei der Belegschaft von Manroland Sheetfed berichtete Peter Wich von der IG Metall Offenbach. „Die Zukunftsangst ist weg“, fügte Roßel hinzu. Schließlich habe die neue Geschäftsführung zugesagt, keine weiteren Stellen abzubauen. Als nicht enthusiastisch, aber zuversichtlich beschrieb Roßel die Stimmung unter den Mitarbeitern.

Nach den Worten von Weber ist Langley dem Arbeitgeberverband Hessenmetall beigetreten. Damit gilt auch der Ergänzungstarifvertrag. Er sieht unter anderem vor, dass die Mitarbeiter in diesem Jahr auf acht Prozent ihres Gehalts oder Lohns verzichten müssen, 2013 sind es vier und 2014 zwei Prozent. Darüber hinaus ist festgelegt worden, dass bis 2015 bei Manroland Sheetfed jährlich 15 Auszubildende eingestellt werden, wie Weber sagte. Zurzeit gibt es etwa 100 Lehrlinge. Das Ausbildungszentrum des Druckmaschinenbauers ist damit aber nicht ausgelastet. Nach Angaben von Weber kann es künftig auch zur Weiterbildung genutzt werden. Diese könnte für Manroland Sheetfed zunehmend an Bedeutung gewinnen, da sich die Altersstruktur der Beschäftigten durch die Massenentlassungen verschlechtert hat. Das Durchschnittsalter liege jetzt bei ungefähr 50, erklärte Wich. Überproportional viele jüngere Kollegen hätten wegen der Zahlungsunfähigkeit von „manroland“ ihren Job verloren.

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Weber widersprach Gerüchten, nach denen es für sie keine Abfindungen gebe. Ein Sozialplan existiere. Bevor Abfindungen ausgezahlt werden könnten, müsse aber zuerst das Insolvenzverfahren abgeschlossen sein. Wich: „Das kann Jahre dauern.“

Warten müssen auch die Bezieher von „manroland“-Betriebsrenten. Wegen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens seien sie in diesem Quartal noch nicht ausgezahlt worden, berichtete Wich. Für die Rentenbezieher sei nun der Pensions-Sicherungs-Verein zuständig. Ihre Daten seien weitergeleitet worden. Wann die Altersbezüge ausgezahlt würden, könne man noch nicht sagen. Die Betriebsrenten seien abgesichert, sagte Weber. Die Bezieher bräuchten sich keine Sorgen zu machen.

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