Neues Seniorenheim im Westend in Betrieb / Bald Konkurrenzkampf der Pflegeeinrichtungen ?

Die ersten Bewohner begrüßt

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Fototermin vorm neuen Pflegeheim (von links): Leiterin Sonja Wendel, Bewohner Kurt Irmer, Roswitha Riegel (Pflegeleitung), Bewohner Siegfried Fichtel und Dorothea Karl (Pflegerin).                                                                                                                      

Offenbach ‐ Sie wirken noch etwas verloren in diesem hotelähnlichen Eingangsbereich. Begleitet von Pflegekräften begeben sich die dennoch zufrieden wirkenden älteren Herrschaften in den großen Saal, wo wenig später die Begrüßungsworte zu hören sein werden. Von Matthias Dahmer

In das neue Seniorenpflegeheim auf dem ehemaligen Gelände der Kaiser-Friedrich-Quelle an der Ludwigstraße sind die ersten fünf Bewohner eingezogen. Bis Ende Mai werden es 25 sein, in etwa einem Jahr ist die Belegung komplett, sagt Jochen Sting, Geschäftsführer der Domicil-Seniorenresidenzen GmbH. Das Hamburger Unternehmen, das acht Einrichtungen in Norddeutschland und sechs in Berlin führt, ist Betreiber des Pflegeheims mit seinen insgesamt 180 Betten. Im Juni eröffnet Domicil ein weiteres Heim mit 168 Pflegeplätzen in Hanau.

Als Investor steht die ebenfalls in Hamburg angesiedelte HBB Hanseatische Gesellschaft für Seniorenheime mbH hinter dem Offenbacher Projekt. Sie hat rund 20 Millionen Euro in den Bau gesteckt. In 17 Monaten ist eine Immobilie entstanden, die sich gut in die historische Architektur des Westends einfügt und die nach dem Ende der bekannten Kaiser-Friedrich-Quelle entstandene Brache vergessen macht.

Das Pflegeheim, in dem kein betreutes Wohnen angeboten wird, wie Geschäftsführer Sting betont, verfügt über 124 Einzel- und 22 Doppelzimmer sowie sechs Appartements. Im Erdgeschoss ist ein gesonderter Bereich mit 22 Plätzen für Demenzkranke eingerichtet. 120 Mitarbeiter, davon um die 65 Pflegekräfte, kümmern sich um die Bewohner. Die Zimmer sind zwischen 23 und 50 Quadratmeter groß. Sie lägen damit weit über den Richtlinien der Heimmindestbauverordnung. Dass die Bewohner ihnen vertraute Möbel mitbringen, sei ausdrücklich erwünscht, so Jochen Sting.

Stolz ist er auf den weitläufigen Garten, in dem gestern noch letzte Arbeiten laufen und der bis Ende der Woche fertig sein soll. Das Restaurant des Westend-Pflegeheims bietet täglich zwischen 12 und 13 Uhr einen Mittagstisch für jedermann. Das gehört zur Philosophie von Domicil, wonach die Senioreneinrichtungen möglichst offen gestaltet sind und Abwechslung bieten sollen. „Wir wollen eine zentrale Anlaufstelle sein, sozial, kulturell und kulinarisch“, formuliert der Geschäftsführer selbstbewusst.

Oberbürgermeister Horst Schneider lenkt den Blick auf den stadtgestalterischen Aspekt des Baus: „Hier stand, was Offenbach stolz gemacht hat“ spielt er auf die 1996 geschlossene Mineralwasser-Quelle an. Darauf sei aber eine Brache gefolgt, die weh getan habe. Schneider hofft, dass der Investor HBB sich auch des gegenüber liegenden Grundstücks an der Ludwigstraße annimmt und dort möglicherweise altengerechte Wohnungen entstehen.

Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon hebt hervor, die Stadt stelle höchste Ansprüche an die Versorgung ihrer alten Menschen, weshalb regelmäßig Gespräche mit den Trägern der Seniorenheime stattfänden.

Sie streift indes nur am Rande, was unter Fachleuten in der Stadt als höchst problematisch angesehen wird: Dass schon vor Eröffnung des neuen Heims mit den sieben bestehenden Einrichtungen mit ihren rund 530 Betten der Bedarf an Pflegeplätzen in Offenbach gedeckt ist. Zur neuen Seniorenresidenz im Westend kommen das im Bau befindliche Heim auf dem ehemaligen OTC-Gelände sowie möglicherweise ein weiteres am Spessartring. Zusammen hätten die drei rund 460 Plätze, was fast für eine Verdoppelung des Angebots sorgen würde. „Wir können dann mitverfolgen, welches Heim auf der Strecke bleibt“, formuliert ein Insider.

Domicil-Geschäftsführer Jochen Sting kennt die Bedenken. Sie stören ihn indes nur wenig. „Pflegeheim ist nicht gleich Pflegeheim“, sagt er. Er verweist auf die „gehobenen Ansprüche“ seiner Einrichtung, die eigentlich „ein Hotel mit Pflegeleistungen“ sei.

Weiter Informationen zu dem neuen Pflegeheim gibt es unter z 069/847788-0 oder im Internet unter http://www.domicil-seniorenresidenzen.de.

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