Ein erstes Beschnuppern

Offenbach - Trotz einer fünfjährigen, grundsätzlich bewährten Partnerschaft heißt es nach der Kommunalwahl für die bisherigen Koalitionäre SPD, Grüne und FDP: Alles zurück auf Anfang. Weshalb man sich dem Brauch folgend am Dienstagabend zu ersten Sondierungsgesprächen getroffen hat. Von Matthias Dahmer

Weil es den Verhandlungskommissionen der drei Parteien wohl eher um ein erstes Beschnuppern nach der Machtverschiebung in Richtung Grün ging, wird am Tag danach erwartungsgemäß weder die Fortführung der Ampel noch deren Ende verkündet.

Plädiert für bewährte Koalition: Andreas Schneider (SPD)

Am deutlichsten formuliert Andreas Schneider, neuer Fraktionschef der SPD, das erklärte Ziel seiner Partei: „Wir würden gerne in dieser Koalition weiterarbeiten“. Er plädiert ebenso wie die Grünen dafür, die Suche nach einem mehrheitsfähigen Bündnis nicht auf die lange Bank zu schieben. Die SPD, sagt Schneider, sei in einer relativ entspannten Lage.

Nicht so die FDP, die sich den gestiegenen Ansprüchen der erstarkten Grünen erwehren muss. Fraktionsvorsitzender Oliver Stirböck gibt sich dennoch selbstbewusst und geht davon aus, dass die „bisherige Koalition auf Augenhöhe“ fortgeführt werden kann. Die Offenbacher Ampel habe landesweit Modellcharakter. „Ich sehe Chancen, dass es weitergeht“, so Stirböck.

Will nicht an den „Katzentisch": Oliver Stirböck (FDP)

Auf keinen Fall werde man einen „Wettbewerb um den günstigsten Preis“ mitmachen oder am Katzentisch einer rot-grünen Koalition Platz nehmen. Deshalb sieht der Fraktionschef der Liberalen keine Veranlassung, dass die FDP ihren Sitz im hauptamtlichen Magistrat zugunsten einer zweiten grünen Kraft räumt. In dem vierköpfigen Gremium sollten alle Koalitionäre vertreten sein, sagt Stirböck.

Peter Schneider, Frontmann der Grünen im Stadtparlament, meint dagegen, das nun größere Gewicht der Grünen müsse auch in der Besetzung des hauptamtlichen Magistrat zum Ausdruck kommen. Außerdem sei es für Personalfragen noch viel zu früh. In den ersten Gesprächen - am kommenden Sonntag sitzen die Grünen mit der CDU zusammen - gehe es nach der Klärung des Terminfahrplans um Inhalte. Zu der Schwierigkeit, die Positionen von Grünen und FDP unter einen Hut zu bringen, wollte sich Peter Schneider nicht äußern. In den Parteiprogramme lässt sich jedoch Zündstoff finden. Etwa was die Verkehrslenkung in der Innenstadt oder auch die Zukunft des Klinikums angeht.

Verhandelt mit mehr Gewicht: Peter Schneider (Grüne)

SPD und Grüne, so Peter Schneider, werden nun getrennte Gespräche mit den Freien Wählern, den Piraten und den Linken führen. Bei der Grünen-Mitgliederversammlung am Montag hatte Schneider die Linken noch als „problematischen Gesprächspartner“ bezeichnet.

Wie zu hören war, ist man bei den Grünen überrascht, dass die SPD - angeblich auf Drängen von Heike Habermann - das Gespräch mit den Linken sucht. Die haben ebenso wie die FDP drei Sitze im Parlament.

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