Spatenstich im Nordend

Erstes Mehrfamilienhaus in Holzbauweise  

+
Das fünfgeschossige Haus besteht zu nahezu 75 Prozent aus Holz. 25 Ein- bis Dreizimmerwohnungen entstehen darin in Fertigbauweise in nur wenigen Monaten Bauzeit. Bereits zum Jahresende sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Offenbach - Neue Wege beschreitet die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO): Im Nordend. erbaut sie das erste Mehrfamilienhaus in Holzbauweise im Rhein-Main-Gebiet. Die Miete liegt bei unter zehn Euro pro Quadratmeter. Kosten: drei Millionen Euro. Von Veronika Schade 

Ein Holzhaus? Klingt einfach, ein bisschen nach Scheune. Bestimmt nicht nach einem mehrgeschossigen Mietshaus mitten in der Großstadt. Doch weit gefehlt, wie die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) nun den Beweis antritt: An der Taunusstraße 69 errichtet sie das erste Mehrfamilienhaus in Holzmassivbauweise im Rhein-Main-Gebiet. Das fünfgeschossige Gebäude mit 25 Mietwohnungen von ein bis drei Zimmern zwischen 40 und 80 Quadratmetern fügt sich in eine bereits bestehende GBO-Bebauung ein. Nachdem die Baugesellschaft sich viele Jahre ausschließlich der energetischen Sanierung ihres Bestands widmete und auf Neubauten verzichtete, geht es seit vergangenem Jahr mit der Bautätigkeit weiter. „Nachverdichtung“ heißt das städtebauliche Zauberwort. „Auf unseren Grundstücken können wir fast noch 250 Wohnungen bauen“, blickt GBO-Chef Winfried Männche voraus.

GBO-Geschäftsführer Winfried Männche, Jens Eitner von der Baufirma B&O und Oberbürgermeister Horst Schneider beim symbolischen Spatenstich an der Taunusstraße 69. 

Um die Belästigungen für die Nachbarschaft so gering und die Bauzeit so kurz wie möglichst zu halten, fiel die Entscheidung fürs Holzhaus. Das Besondere daran ist die Systembauweise: Die bis zu zehn Meter langen Bauteile werden in Werkshallen im höchstmöglichen Grad vorgefertigt, so erhalten die Innenwände etwa bereits ihre Bekleidung. Die Teile müssen auf der Baustelle nur noch montiert werden. „Wir haben hier nicht mal eine Kreissäge“, sagt Jens Eitner von der zuständigen Baufirma B&O. Ein Geschoss zu errichten dauert nur zwei Wochen. B&O hat bereits mehrere Holzbauprojekte realisiert, darunter das höchste Holzhaus Deutschlands im bayerischen Bad Aibling.

Treppenhäuser aus Stahlbeton

Trotzdem ist das Mietshaus in Offenbach ein Vorreiter, die Zusammenarbeit mit einer städtischen Baugesellschaft eine Premiere für die Firma. „Das Haus soll auch zu anderen Standorten passen“, sagt der Bauträger. Die Erfahrungen der GBO fließen in künftige Planungen mit ein.

Wem beim Stichwort Holz sofort die leichte Brennbarkeit des Materials einfällt, den beruhigt Eitner. „Die Anforderungen sind dieselben wie bei herkömmlichen Häusern. An manchen Stellen sind die Gesetze sogar strenger.“ Die beiden Treppenhäuser werden aus Stahlbeton gefertigt. Insgesamt bestehen fast 75 Prozent des Hauses aus Holz, und zwar Weichholz wie Fichte und teilweise Kiefer. „Es handelt sich um deutsches Holz, die Fertigteile werden ebenfalls in Deutschland hergestellt“, so der Bauträger. Das Gebäude aus nachwachsendem Rohstoff entspreche allen Anforderungen in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Umweltbewusste freuen sich auch über die 38 Fahrradstellplätze sowie einen Autostellplatz mit Elektro-Ladestation.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Holz wird an der Außenfassade sichtbar sein, nicht jedoch innen – aus Gründen des Brandschutzes, aber auch, weil dies nicht den Geschmack jedes Mieters treffe. Dafür wird Holzparkett verlegt. „Es gibt bereits eine ganze Reihe von Interessenten“, freut sich Männche. Viele könnten sich aber noch gar nicht vorstellen, was so ein Haus ausmacht. Besichtigungen werden ermöglicht.

Drei Millionen Euro investiert die GBO in das Bauvorhaben. „Die Mietkosten liegen bei 9,75 Euro pro Quadratmeter – wesentlich günstiger als im angrenzenden Hafenviertel. „Für die Sozialstruktur im Nordend ist das eine wichtige Botschaft“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider. Der Standort im Nordosten der Stadt hat für ihn eine besondere Bedeutung. Lange Zeit habe sich das Nordend strukturell negativ entwickelt. „Mit dem Hafen und mit diesem Projekt gelingt jetzt eine Kehrtwende“, ist der OB optimistisch. Die Arbeiten sollen Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

Luxus pur: Die teuersten Wohnlagen in Frankfurt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare