Harald Spörl und die Ursprünge des Fußballs

Erstklassige Kick-Clubs: Vergessene Fußballvereine

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Offenbach - Der Mann ist ein wandelndes Lexikon der Historie von Kickers Offenbach. Das Archiv von Harald Spörl umfasst Daten von 1800 Spielern. Wie Jimmy Hartwig, der später mit dem HSV den Europapokal der Landesmeister gewann. Von Stefan Mangold

Das erste Tor auf dem Bieberer Berg bejubelte Harald am 12. März 1969 im Alter von fünf Jahren. Gerd Becker traf in der 15. Minute zum 1:0 gegen Kaiserslautern. Die Kickers gewannen 4:1, verloren jedoch die letzten vier Partien und stiegen aus der Bundesliga ab. „Ich bin 24 Stunden nach dem ersten Spieltag der Bundesliga geboren“, stellt sich der Mitgründer des Kickers-Fan-Museums im Haus der Stadtgeschichte vor.

Über seine Passion für den OFC kam der 50-jährige auf das Thema „Offenbachs vergessene Vereine“. Etwa über den FC Germania Bieber, der sich 1901 gründete und zwischen 1908 und 1911 in der höchsten Spielklasse auflief. Nach dem Ersten Weltkrieg fusionierte er mit dem Ortsrivalen FV 1910 Bieber. Eine Vernunftehe. Viele Bieberer waren gefallen oder nicht mehr in der Lage, gegen den Ball zu treten. Der FV Germania 1901 kickte in den 20er Jahren mit dem OFC, dem FSV Frankfurt und der Eintracht in der höchsten Liga.

Ursprünge des Fußballs

Spörl erzählt auch von den Ursprüngen des Fußballs, den der Lehrer Konrad Koch in Deutschland einführte. An einem Gymnasium in Braunschweig versuchten sich 1874 zum ersten Mal Oberstufenschüler am Spiel aus England. „Mit der Gründung des DFB 1903 galt ein Lederball als Vorschrift“, erzählt Spörl. Zuvor reichte ein Knäuel aus Lappen oder ein Rugby-Ei. Viele vermuten, Ballsport sei Arbeitersache gewesen, was nicht stimmt. „Fußball spielten bürgerliche Schichten.“ Arbeiter hätten sechs Tage die Woche mindestens zwölf Stunden geschuftet.

Erstklassig spielte auch der VfB Offenbach, in der Gauliga Hessen-Nassau, zumindest in der Saison 1943/44. Auch er entstand aus Metamorphosen, trägt Spörl vor, ohne ins Konzept schauen zu müssen. Letztlich ist er ein Zusammenschluss aus Melita, Victoria und Armina Offenbach. Stolz ist Spörl auf seine Kickers, „die sind kein Ergebnis einer Fusion“. Weil es während Flitterwochen krachte. 1921 führte eine Hochzeit mit dem VfR zum VfR Kickers Offenbach. Nach ein paar Wochen war Schluss, „die Kickers liefen unter dem Namen kein einziges Mal auf“.

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Anders als der OFC erblickte der Rivale von der anderen Mainseite erst nach Zusammenschlüssen das Licht der Welt. Was die wenigsten wissen: „Die Eintracht hieß mal Frankfurter Fußball-Club Kickers von 1899.“ Erst seit 1920 firmiert die SGE unter heutigem Namen. Ähnliches gilt für einen anderen Club der Region. Der SV Darmstadt 98 trug sich anfangs als FK Olympia 1898 Darmstadt ins Register ein.

Übrigens endete das erste Spiel einer Offenbacher Mannschaft gegen ein Team aus einer anderen Stadt desaströs. Spörl erzählt von Offenbach 1899. Der Verein trat 1900 auf dem Exerzierplatz gegen Hessens ältesten Fußballclub an. Mit 0:8 kamen die Offenbacher gegen Hanau 93 unter die Räder...

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