Erstmals eigene Männergruppe für Trauerarbeit

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Ökumenische Hospizbewegung und Evangelische Familienbildungsstätte haben sich des Themas Trauerbegleitung angenommen und bieten ab 29. Oktober erstmals eine Gesprächsgruppe für Männer an.

Offenbach ‐ Der Tod gehört zu den Ereignissen, die das Leben der Angehörigen ganz gehörig durcheinanderwirbeln. Oft bleiben neben der Trauer auch Gefühle wie Wut und Ohnmacht zurück: Die vermeintliche eigene Unzulänglichkeit und Versäumnisse beschäftigen Hinterbliebene oft lange. Von Simone Weil

Weil im privaten Umfeld nicht immer genügend Raum für die Auseinandersetzung mit dem Tod eines lieben Menschen bleibt, machen Evangelische Familienbildungsstätte und Ökumenische Hospizbewegung Offenbach seit geraumer Zeit verschieden Angebote für Trauernde. „Es ist mittlerweile in unserer Gesellschaft möglich, über diese Gefühle zu reden“, sagt Angela Sluyter. Die Leiterin der Familienbildungsstätte sieht es auch als Aufgabe der beiden Organisationen, „den Blick auf diese Lebensphase zu lenken“.

Bislang aber gab es noch keine Veranstaltungen speziell für Männer, die sich mit dem Tod eines nahe stehenden Menschen beschäftigen wollen: Unter dem Motto „Meine und deine Trauer - Gespräche unter Männern“ soll es erstmals an sechs Abenden ein Gruppenangebot geben. „Unsere Veranstaltungen standen auch immer Männern offen“, sagt Christine Bernhard von der Ökumenischen Hospizbewegung. Und doch taten diese sich meistens schwer, den Weg dorthin zu finden. „Wir hatten auch keinen männlichen Ansprechpartner“, erklärt die Koordinatorin.

Männer drücken ihre Trauer anders aus

Mit Alexander Kaestner scheint dieser nun gefunden, zumal der evangelische Pfarrer im Ruhestand, bereits Erfahrung mitbringt. Er arbeitet mit einem Bestattungsunternehmen in Frankfurt zusammen und hat bereits eine Männergruppe im Alter zwischen 50 und 70 Jahren betreut.

Die Gesprächsabende finden im Katharina-von-Bora-Haus an der Kirchgasse 17, jeweils von 18.30 bis 20 Uhr, statt. Eine erste Veranstaltungsreihe mit sechs Terminen startet am Donnerstag, 29. Oktober, und dauert bis Ende Januar: 12. und 26. November, 10. Dezember, 7. und 21. Januar. Ein zweite Option haben Interessierte ab 25. Februar: 11. und 25. März, 22. April, 6. und 20. Mai. Für sechs Treffen zahlen die Teilnehmer 24 Euro Gebühr. Eine Anmeldung unter z 069 885159 ist erwünscht. Es ist jedoch auch möglich, spontan beim ersten Treffen zu erscheinen.

Es gibt die Vermutung, dass Männe ihre Trauer anders ausdrücken“, sagt er. Zwar seien die Vorstellungen überholt, dass Männer nicht weinen und Indianer keinen Schmerz kennen und doch würden Themen, bei denen es um Gefühle gehe, eher selten besprochen. „Männer haben sicher ähnliche Gefühle wie Frauen bei der Trauer, aber sie gehen anders damit um, weil sie gesellschaftlich geprägt sind“, glaubt Kaestner. „Zum Beispiel basteln Männer im Hobbykeller die Kreuze, die am Straßenrand stehen, wenn dort ein Unfall geschehen ist.“
Der Theologe betrachtet das Gesprächsangebot in der Gruppe ganz undogmatisch und will keine Missverständnisse aufkommen lassen: „Es gibt Leute, die können mit ihrer Trauer allein umgehen.“ Doch wer mit anderen reden wolle, sei willkommen.

Einzelgespräche und „Trauercafé“

Kaestner: „Bei der Trauerbegleitung drängt sich das Thema Trost auf. Bei mir ganz besonders, da ich Pfarrer bin. Doch ich bin in dieser Frage nicht der Experte, sondern der Mann, der kommt. Trost hat mit Beziehungsarbeit zu tun. Wenn ich den anderen etwas voraus habe, dann ist es lediglich die Fähigkeit, das auszuhalten: Eben ertragen zu können, dass jemand verstummt.“

Zu den bislang üblichen Möglichkeiten der Trauerarbeit zählen Einzelgespräche und das regelmäßig stattfindende „Trauercafé“, ein offener Treff. Auch „Qigong-Abende für Trauernde“ werden gerne in Anspruch genommen: Dabei geht es um Entspannungsmethoden und Bewegungsübungen, die die innere Balance herstellen helfen können. Feste Gesprächgruppen gibt es etwa einmal im Jahr. Großen Nachholbedarf sieht Christine Bernard bei der Arbeit mit Kindern, wenn ein Eltern- oder ein Geschwisterteil gestorben ist: „Das liegt völlig brach.“

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