Erstmals an einem Tisch

Offenbach - Es ist eine Premiere, die den Patienten froh und nachdenklich zugleich stimmen dürfte: Froh, weil heute bei einer Fortbildung des Gefäßzentrums am Klinikum Ärzte beider Offenbacher Krankenhäuser und niedergelassene Mediziner erstmals an einem Tisch sitzen. Von Matthias Dahmer

Nachdenklich, weil ein solcher Informationsaustausch zum Wohle der Kranken nicht längst etabliert ist. „Ich hoffe, dass wir mit der Veranstaltung den Grundstein für eine langfristig optimale Zusammenarbeit hier in Offenbach legen können“, formuliert Professor Arend Billing, Chefarzt der Gefäßchirurgie und Sprecher des Gefäßzentrums, den Anspruch. Alle Beteiligten müssten an einem Strang ziehen, damit „eine vernünftige Behandlung der Offenbacher in Offenbach“ gesichert sei. Die Haus- und Fachärzte, so Billing, hätten immer wieder angemahnt, dass die Zusammenarbeit zwischen Klinik und Praxis verbesserungswürdig sei.

Dass es dabei weniger um atmosphärische Störungen zwischen den niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern geht als vielmehr um strukturelle Details, macht Dr. Eckhard Starke deutlich. Der Vorsitzende des Ärztevereins Offenbach nennt als Beispiel die Anwendung neuer und möglicherweise teurer Medikamente in den Kliniken, die den Hausarzt, der auf sein Budget zu achten habe, bei der Folgebehandlung des Patienten vor Probleme stellen könne. Ein weiteres Beispiel sind für Starke die bislang kaum stattfindenden Therapiegespräche zwischen Klinik und Hausarzt.

Offenbacher Ärzte haben Patienten lieber in Frankfurter Kliniken geschickt

Unter anderem diese fehlenden Absprachen waren es offenbar, die dazu geführt haben, dass die niedergelassenen Offenbacher Ärzte oft ihre Patienten lieber in Frankfurter Kliniken geschickt haben. Die Frankfurter Kliniken, sagt Starke, seien in diesen Dingen „eher auf die Ärzte zugegangen“.

Das alles soll nun anders werden. Für Eckhard Starke ist aber klar: „Das ist nicht mit einem Gespräch auszuräumen.“ Immerhin sei man mittlerweile dabei, aus der Phase herauszukommen, inder Kritik als Vorwurf verstanden werde.

Der nahtlose Übergang bei der Versorgung des Patienten ist wohl auch im Sinne der Sanierer des Klinikums: Es dürfe nicht länger sein, dass niedergelassene Ärzte aus Stadt und Kreis konsequent niemanden nach Offenbach schickten, hatte vor kurzem die vom Berliner Vivantes-Konzern entsandte Interims-Geschäftführerin Franziska Mecke-Bilz ein „Einweiserbindungsprogramm“ angekündigt.

Doch nicht alle spielen mit: Behandlungen im Gefäßzentrum, wo die Kooperation bereits klappt, berichtet Eckhard Starke, würden erst von einer einzigen Krankenkasse anerkannt.

Rubriklistenbild: © dpa

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