Erwachsene haben das Nachsehen

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Wenn alles so klappt, wie geplant, soll es auch künftig Kindertheater von und mit Sabine Scholz und Ulrike Happel (rechts) im Theateratelier Bleichstraße 14H geben.

Offenbach ‐ Noch bis vor wenigen Tagen war unklar, wie lange es noch ambitioniertes Kinder- und Jugendtheater im Theateratelier Bleichstraße 14H geben würde. Von Simone Weil

Ulrike Happel und Sabine Scholz sehen sich mit immer höheren Kosten konfrontiert, weil die Zahl derjenigen, die die kleine Hinterhofbühne bespielen, im Laufe der Zeit kleiner geworden ist. Trotzdem muss die Miete bezahlt werden. Kindertheater mit Eintrittstpreisen von drei Euro lasse sich nur mit Subventionen kostendeckend betreiben, argumentieren die Schauspielerinnen.

Eine Betteltour bei den städtischen Dezernenten brachte neue Ideen und offensichtlich auch eine langfristige Lösung. Denn das war den beiden Frauen wichtig: Sie wünschen sich ein deutliches Bekenntnis zum Standort, um endlich auch ein wenig Planungssicherheit zu bekommen. „Wir bieten hier eine Grundversorgung an, das tut der Stadt doch gut.

Amtsleiter: „Kindertheaterr wird erhalten“

Kulturbüroleiter Ludo A. Kaiser gab jetzt Entwarnung. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte er: „Das Kindertheater ist wichtig für die Stadt. Wir wollen es erhalten.“ Die Pläne dafür sehen folgendermaßen aus: Das kommende Jahr versucht man zu überbrücken, um im Jahr 2011 eine eigene Haushaltsstelle zu installieren.

Durch Umschichtungen soll der Fortbestand des Kinderprogramms gesichert werden. Dafür soll der „Theaterdonnerstag“ für Erwachsene sterben. Unter diesem Titel werden regelmäßig Veranstaltungen des Kulturbüros im Theateratelier angeboten: vormittags für Kinder, abends für Erwachsene. Weil die Besucherzahlen und damit auch die Einnahmen bei den abendlichen Aufführungen hinter den Erwartungen zurückblieben, will man die Reihe auslaufen lassen.

Die insgesamt 15.000 Euro (darin enthalten sind auch Nebenkosten wie Hotels und 200 Euro Miete pro Vorstellung), die für den „Theaterdonnerstag“ fällig wurden, sollen dann komplett ins Kindertheater fließen.

Das Projekt Bleichstraße 14H e. V., das das Theateratelier betreibt, bekommt laut Stadtverordnetenbeschluss jährlich 5 000  Euro Vereinszuschuss und weitere 5 000 für die Öffentlichkeitsarbeit (Programm, Plakate, Einladungen).

Schüler auch zu Proben einladen

Neu einrichten will man außerdem das Projekt „Theater und Schule“, für das weitere 2000 Euro fließen sollen. So versucht man, den Nachwuchs fürs Theater zu begeistern und die Besucher von Morgen an die kleine Bühne zu binden. Ulrike Happel und Sabine Scholz wollen in Absprache mit den Klassenlehrern Lesungen anbieten und die Schüler zu Proben einladen, damit sie die Gelegenheit haben, die Entstehung eines Stücks intensiv zu begleiten. Auch Sonderaufführungen sind möglich.

Übrigens: Weil die Miminnen schon von Lehrern hören mussten, dass sie gerne ins Theater gehen würden, aber leider kein Geld für den Bus da sei, haben sie eine Vereinbarung mit den Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) getroffen. Jetzt gibt es die „Theaterkarte plus“, die ausschließlich im OF-Infocenter erhältlich ist und nur für Gruppen gilt: Die Tickets werden nach Zuzahlung von 50 Cent abgestempelt und haben dann Gültigkeit als Fahrkarte im OVB-Gebiet für den Hin- und Rückweg zur Schule oder einer Kindertagesstätte.

Produktion „Ich und Du“ ist gefragt

Die beiden frei arbeitenden Schauspielerinnen haben sich schon längst Namen gemacht. In den vergangenen zwei Jahren haben sie drei eigene Kindertheaterproduktionen auf die Bühne gebracht und viel Anerkennung und Lob dafür kassiert. So kam es nicht von ungefähr, dass im April diesen Jahres „Starke Stücke“, das 15. Internationale Kinder- und Jugendtheaterfestival Rhein-Main, in Offenbach eröffnet wurde.

Stolz sind die beiden Darstellerinnen außerdem auch darauf, dass ihre Produktion „Ich und Du“ gefragt ist und im November mehrfach auch bei „Kaleidoskop“, den Kinder- und Jugendtheatertagen in der hessischen Region, zu sehen ist.

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