Erzieher dringend gesucht

Offenbach - In Offenbach fehlt es zunehmend an Erzieherinnen und Erziehern. „Wir haben es nicht leicht, qualifiziertes Personal zu finden“, sagt Herrmann Dorenburg, Leiter des Eigenbetriebes der städtischen Kindertagesstätten. Von Benedikt Müller

Einzelne Stellen seien bereits für ein, zwei Monate frei geblieben. „Noch haben wir Qualitätsansprüche und warten lieber auf gute Bewerber“, erklärt Dorenburg. „Doch wenn der Arbeitsmarkt enger wird, wird das ein Problem."

In vielen katholischen Kindertagesstätten ist diese Lücke noch größer, weil Erzieher dort etwas weniger verdienen als in städtischen Einrichtungen. „Wir haben Bewerbungen von Müttern und Omas“, berichtet Sigrid Männche von der Kindertagesstätte St. Paul, „aber wir suchen ständig richtiges Fachpersonal.“

Auch private Träger spüren, dass sich der Fachkräftemangel seit einigen Jahren verschärft. „Noch bekommen wir unsere Stellen besetzt“, sagt Annette Schäfer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der eine Kindertagesstätte in Offenbach betreut. Doch es dauere immer länger, Erzieher für die Einrichtungen zu finden. Häufig müsse der ASB Stellen doppelt ausschreiben. „Man kann zugucken, wie sich der Fachkräftemangel zuspitzt“, berichtet Schäfer.

Die Zahlen der Agentur für Arbeit bestätigen den Trend

In Offenbach gibt es nur neun arbeitslose Erzieherinnen. Diese seien aber nicht sofort vermittelbar, teilt Sprecherin Regina Umbach-Rosenow mit. Dem stehen aktuell 29 offene Stellen gegenüber, die bei der Arbeitsagentur gemeldet sind. Und in Wahrheit sei die Zahl noch höher, weil nicht jeder Kita-Betreiber freie Stellen melde und sich die aktive Akquise seitens der Agentur auf Branchen konzentriere, in denen es an Stellen und nicht an Bewerbern mangele.

Der hessische Sozialminister und Offenbacher CDU-Vorsitzende Stefan Grüttner hatte auf den Erziehermangel in Hessen aufmerksam gemacht. Besonders betroffen seien die Regionen Frankfurt und Offenbach. Er beruft sich dabei auf eine Studie der Technischen Universität Dortmund im Auftrag seines Ministeriums.

Die Forscher ermittelten, wie viele junge Hessen zu Erziehern ausgebildet werden. Gleichzeitig rechneten sie hoch, wie viele in den nächsten Jahren gebraucht werden. Knackpunkt: Ab August nächsten Jahres hat jedes Kind unter drei Jahren den rechtlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Dann werden der Stadt Offenbach laut der Untersuchung 64 Erzieher fehlen. Und sollten immer mehr Eltern von ihrem Rechtsanspruch Gebrauch machen, wird der städtische Erziehermangel laut Studie noch 2021 bestehen.

Im Landkreis Offenbach ist das Problem sogar noch größer. Keinem anderen hessischen Kreis werden laut der Untersuchung in Zukunft so viele Erzieher fehlen. Schon jetzt bleiben dort Stellen teils monatelang unbesetzt, heißt es aus der Branche.

„Andere Kommunen haben sich rechtzeitig auf den Weg gemacht“, berichtet Mechthild Weßels. Die Fachbereichsleiterin Sozialpädagogik der Offenbacher Käthe-Kollwitz-Schule weiß um den Bedarf. Seit Jahren bewerben sich an der städtischen Fachschule mehr junge Menschen um eine Erzieherausbildung, als es Plätze gibt. Doch mit Blick auf räumliche und personelle Kapazitäten konnte die Schule bisher nur 75 Auszubildende pro Schuljahr aufnehmen.

Angesichts des Fachkräftemangels wird die Fachschule  ihre Kapazität um etwa ein Drittel erhöhen

 Zum Schuljahr 2012/13 startet ein neuer Ausbildungsgang. Angehende Erzieher werden dabei nur noch drei Tage die Woche zur Schule gehen, dafür zwei Tage die Woche in Einrichtungen arbeiten. „So können neue Zielgruppen für den Beruf des Erziehers gewonnen und motiviert werden“, glaubt die Schulleitung. Beispielsweise konnten sich viele Hilfskräfte in Kindergärten die bisher vollschulische Ausbildung nicht leisten, erläutert Schulleiterin Marlies Stülb.

Die Ausbildungszeit zu verkürzen, lehnt Stülb dagegen ab: „Diese Forderung ist nur dem aktuellen Mangel geschuldet.“ Wer verlange, dass Erzieher in Deutschland besser ausgebildet werden sollen, könne nicht gleichzeitig die Ausbildungszeit verkürzen wollen, argumentiert die Schulleiterin.

Bürgermeisterin Birgit Simon schlägt einen anderen Lösungsweg vor. „Unter den Offenbacherinnen mit Migrationshintergrund gibt es durchaus qualifiziertes Personal“, sagt Simon. Nur würden reguläre Pädagogik-Abschlüsse aus Ägypten oder der Türkei in Deutschland nicht anerkannt. „Wir könnten uns helfen, wenn wir diese Kräfte nutzen dürften“, findet die Bürgermeisterin.

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