Stadt sucht fieberhaft nach Lösungen

Erziehermangel bleibt Problem

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Der Bedarf an Kita-Plätzen steigt immer weiter. Dabei ist nicht einmal für die aktuelle Belegung eine ausreichende Zahl von Erziehern vorhanden.

Offenbach - Dass in Offenbach nicht nur ein hoher Bedarf an Kita-Plätzen, sondern auch ein eklatanter Mangel an Erziehern herrscht, ist kein Geheimnis. Von Marian Meidel 

Im Gespräch mit unserer Zeitung nennt Jugendamtsleiterin Claudia Kaufmann-Reis nun eine konkrete Zahl: Insgesamt 60 Erzieher fehlen der Stadt aktuell, sagt sie. In äquivalenten Stellen ausgedrückt: 48,5 Vollzeitstellen. Besetzt sind demnach 360,5 der insgesamt 409 Vollzeitstellen des städtischen Eigenbetriebs Kindertagesstätten (EKO). Prognosen für die weitere Entwicklung dieser Situation will Kaufmann-Reis noch nicht wagen. Derzeit sucht die Stadt erst einmal händeringend nach Strategien, um dem Missstand beizukommen.

„Wir überlegen, was wir tun können“, so Kaufmann-Reis. Eine befriedigende Lösung habe bislang niemand. „Die Situation ist sehr schlimm. Keiner findet mehr Erzieher, auch die anderen Städte nicht.“ Das führt in Kaufmann-Reis’ Augen unter anderem dazu, dass viele Gemeinden sich in ständiger Konkurrenz zueinander sehen – ein Zustand, der in der Region für zusätzliche Anspannung sorgt. Lange Zeit sei der 1996 aus der Taufe gehobene EKO personell recht gut bestückt gewesen, mittlerweile stecke aber auch er „tief in dieser Schleife.“

Immerhin wird versucht, den Erzieherberuf durch gewisse Anreize attraktiver zu machen. „Wir haben seit 2008 ein hervorragendes Weiterbildungsprogramm“, sagt Bürgermeister und EKO-Dezernent Peter Schneider (Grüne). Außerdem versuche die Stadt, Anwärtern auf den Erzieherberuf bei der Wohnungssuche zu helfen, auch ein Sprachförderprogramm gebe es für sie. „Wir haben zudem eine Kooperation mit der Käthe-Kollwitz-Schule, bei der die entsprechenden Berufsfachschüler zwei, drei Tage die Woche in Kitas arbeiten.“ Auf diese Weise sollen sie möglichst früh an die Berufspraxis herangeführt werden. „Wir versuchen, da so viel Qualität und Kompetenz wie möglich hineinzugeben“, so Claudia Kaufmann-Reis.

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

In der jüngeren Vergangenheit hat die Stadt sich eher mit Notlösungen begnügen müssen, um den Personalmangel auszugleichen. „In den letzten beiden Jahren haben wir etwa 40 bis 50 Personen eingestellt, die zwar keine Fachausbildung haben, deren Lebensläufe uns aber signalisierten, dass sie auf diesem Gebiet verlässlich arbeiten können“, berichtet die Jugendamtschefin. Eine Vorgehensweise, die Peter Schneider skeptisch sieht: „Nicht qualifiziertes Personal in die Kitas zu holen, hat einen Preis.“ Was man bei Kindern in diesem Alter falsch macht, begleitet diese oft ein Leben lang, findet er. Deshalb ist es ihm wichtig, nicht nur auf das Problem der Quantität zu achten, sondern gerade auch die Qualität der Arbeit zu erhalten.

„Konzeptionell gibt es nur auf Landes- oder Bundesebene die nötige Power, um etwas zu verändern“, schätzt Schneider die Lage ein. Das Thema werde gegenwärtig von vielen unterschiedlichen Seiten angesprochen. Wann mit welcher Art von Ergebnissen zu rechnen ist, bleibt allerdings bis auf weiteres ungewiss. Derzeit gibt es in Offenbach 28 städtische Kinder-Tagespflegeeinrichtungen, davon 35 in freier und 19 in konfessioneller Trägerschaft. 98 Prozent der Kinder ab drei Jahren besuchen einen Kindergarten beziehungsweise eine Kindertagesstätte.

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