„Es ist ein Überlebenskampf“

Einzelhändler in Offenbach erwarten ein schwieriges Weihnachtsgeschäft

Beleuchtete Offenbacher Innenstadt Weihnachtsbeleuchtung
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Da kann die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt noch so schön sein: Das Einkaufen ist in diesem Jahr geprägt von Maskenpflicht, Einlassbeschränkungen und Coronasorgen – schlecht fürs Weihnachtsgeschäft.

Mit dem ersten Advent beginnt die Zeit der Weihnachtseinkäufe, des Trubels in den Innenstädten - für den Einzelhandel die umsatzreichste im ganzen Jahr. Doch Corona macht das zunichte. „Wir haben stark an Frequenz verloren. Und das wird sich im Dezember fortsetzen“, erwartet Stefan Becker, Vorsitzender des Offenbacher Gewerbevereins und Geschäftsführer des Modehauses M. Schneider.

Offenbach - Die Umsatzeinbußen der Geschäfte im Stadtzentrum liegen bisher im Vergleich zum Vorjahr bei 30 bis 50 Prozent, so Becker. „Den Menschen wird ständig vermittelt, dass sie zuhause bleiben und Kontakte meiden sollen. Das fördert natürlich kein Einkaufsfeeling, trotz guter Hygienekonzepte.“ Hinzu komme, dass die Leute den ÖPNV meiden. Viele würden sonst den Einkaufsbummel mit einem Arzttermin und einem Café- oder Restaurantbesuch verbinden, aber auch dieser Aspekt falle jetzt weg. Nicht zuletzt nehme die Maskenpflicht so manchem die Lust am Shoppen.

Unmittelbar aufs Dezembergeschäft wirkt sich der Weihnachtsmarkt aus. „Jedes Jahr haben wir davon sehr profitiert“, sagt Becker wehmütig. Doch nun fehlt dieser wichtige Stimmungsbringer. Dass die Anzahl der Kunden pro Quadratmeter Ladenfläche erneut halbiert wird, sehen die Händler ebenfalls kritisch. Bei M. Schneider etwa sind dann nur noch 120 Kunden gleichzeitig zugelassen.

„Wer jetzt in die Stadt kommt, der kommt gezielt“, so der Gewerbevereinsvorsitzende. Das bestätigt Egzon Hashani, Manager des KOMM-Centers. „Wir verzeichnen zwar weniger Besucher seit Corona, die Umsatzeinbußen fallen prozentual betrachtet aber geringer aus, da der Anteil der zielgerichteten Käufer steigt.“ Auf die Kundenfrequenz im KOMM schlagen sich neben den allgemeinen Beschränkungen und Regeln vor allem die Betriebsverbote für Fitnessstudios, Körperpflege-Dienstleister und Gastronomie nieder. „Die Gastronomen haben besonders zu kämpfen. Aber wir haben auch Mietpartner, die trotz des Teil-Lockdowns verhältnismäßig gute Umsätze erwirtschaften.“

Einige Läden, etwa die Steinmetz’sche Buchhandlung, setzen auf Bestellungen, bieten zudem einen Lieferservice an. Seit dem erneuten Lockdown seien die Kunden verhalten gewesen, nun steige ihre Zahl wieder leicht an, sagt Geschäftsführerin Lisa Schumacher. „Bei uns dürfen nur vier Menschen in den Laden, das ist im Weihnachtsgeschäft natürlich nicht viel.“ In eine Warteschlange werde sich bei sinkenden Temperaturen kaum jemand stellen, vermutet sie.

Um Warteschlangen zu vermeiden, hat die Apotheke zum Löwen ein Ticketsystem eingeführt. Die Kunden können sich an der neuen Ticket-Stehle am Eingang ein Beratungsticket für die Apotheke oder die Kosmetik ziehen. Auf Monitoren wird angezeigt, wer an welchem Beratungsplatz erwartet wird.

Viele Geschäfte machen sich zusätzliche Gedanken um den Schutz ihrer Kunden. Die Buchkette Thalia etwa ermöglicht mit der App-Funktion „Scan & Go“ ein kontaktloses Bezahlen ohne Kassenbesuch. „Und wir bitten darum, Geschenke in diesem Jahr nicht erst in letzter Minute zu besorgen. Das volle Weihnachtssortiment haben wir schon seit Oktober“, so Kerstin Födisch von der hiesigen Filiale. Karsten Sinnig, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof, weist darauf hin, dass alle Mitarbeiter speziell geschult sind und ein Hygieneverantwortlicher jede Filiale überwacht. „Sie finden hier alles unter einem Dach, es ist genug Platz. Jeder Kunde kann selbst entscheiden, ob er sich – mit Abstand – bedienen lassen möchte.“

Gewerbevereins-Vorsitzender Becker hofft, dass sich die Lage in absehbarer Zeit entspannen wird: „Die Bestandsläden führen gerade einen Überlebenskampf. Händler sind in Kurzarbeit. Es geht für viele nur noch darum, diesen Zeitraum zu überstehen.“

Von Veronika Schade

Die Maskenpflicht nimmt so manchem Kunden die Lust am Shopping.

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