Illegaler Sperrmüll

ESO mit moderner Sisyphusarbeit

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Neben den regulären Müllabfuhren ist der ESO auch für Sperrmüll und Kleinabfälle, auf Neudeutsch Littering, zuständig.

Offenbach -  In einer Großstadt fällt viel Müll an. Auch dort, wo er nicht hingehört. ESO-Mitarbeiter beseitigen täglich illegalen Sperrmüll und Dreckecken. Von Jenny Bieniek 

Kennen Sie die Olchis? Die beliebten Kinderbuchfiguren leben auf einer Müllkippe in Schmuddelfing und fühlen sich inmitten von Dreck und stinkenden Abfällen pudelwohl. Damit es in Offenbach so weit nicht kommt, ist der Stadtbetrieb ESO montags bis freitags unterwegs, um im Stadtgebiet für Ordnung zu sorgen. Neben den regulären Müll-Fahrzeugen zur Leerung der Restmüll-, Papier-, GrünerPunkt- und Biotonnen hat der ESO dabei täglich ein Pritschenfahrzeug im Einsatz, das im Stadtgebiet besonders Unrat einsammelt. Straßen mit erhöhtem Publikumsverkehr werden bis zu sieben Mal wöchentlich gereinigt, andere nur einmal.

Pro Woche kommen daneben etwa 50 Tonnen Straßenkehricht zusammen. Im Schnitt melden täglich 50 Bürger Sperrmüll an. Doch obwohl die Abholung von Sperrmüll für Offenbacher zweimal jährlich kostenlos ist, kommt es immer wieder zu Problemen. Denn nicht selten stellen Dritte ihren Sperrmüll ungefragt dazu. Bleiben die unangemeldeten Stücke zurück, ist der Ärger beim Anmelder groß. Kollege K. kann ein Lied davon singen: Er meldete seinen Sperrmüll ordnungsgemäß an und stellte die angekündigten Dinge vor sein Haus. Am nächsten Tag fand er dort zusätzlich ein ihm fremdes WC-Becken, das er letztlich auf eigene Faust entsorgen musste.

„Die Auftraggeber sind in diesem Fall leider genauso hilflos wie der ESO“, sagt dessen Pressesprecher Oliver Gaksch. Wie mit Sperrmüll von Dritten umgegangen wird, muss deshalb im Einzelfall entschieden werden. Zwar bemühe man sich, in solchen Fällen die Verursacher zu finden, „aber auch beim Ordnungsamt sind die personellen Ressourcen begrenzt“. Auch deshalb läuft die Abholung von Sperrmüll in Offenbach seit vielen Jahren nach individueller Terminvereinbarung. Das habe viele Vorteile, sagt ESO-Sprecher Gaksch. „Zum einen können wir die Touren besser planen, wenn wir wissen, was genau wo anfällt. Zum anderen aber ist die individuelle Beratung für eine ordnungsgemäße Entsorgung notwendig. Und wir können so in etwa erkennen, welche Abfälle vom Kunden kommen und welche nicht.“

Bei offenkundigem „Dazustellen“ kommt das Ordnungsamt ins Spiel. Wird der Verursacher ermittelt, drohen empfindliche Bußgelder. Auch das unerlaubte Durchwühlen von Sperrmüll ist regelmäßig ein Ärgernis. „Abgesehen davon, dass es sich ganz klar um eine Ordnungswidrigkeit handelt“, erklärt Gaksch, würden die ordentlich bereitgestellten Sperrmüllhaufen so auf dem gesamten Gehweg verteilt. „Für unsere Mitarbeiter bedeutet das einen erheblichen Mehraufwand.“ Zudem komme es vor, dass etwa Kühlgeräte zerlegt würden, so dass Kühlflüssigkeit auslaufe. In den vergangenen Jahren führten Ordnungsamtmitarbeiter deshalb mehrfach abendliche Observationen durch, um etwa Altmetallsammlern auf die Schliche zu kommen. Mit Erfolg: Viele Rohstoffdiebe wurden in flagranti erwischt und mussten hohe Strafen zahlen.

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Wer Sperrmüll anmelden möchte, sollte sich vor Terminvereinbarung unter der Nummer 069/840004-545 eine Liste erstellen, was in welchen Mengen rausgestellt wird. Unter gleicher Nummer beraten die ESO-Mitarbeiter auch zu Materialien, die Bürger beim Wertstoffhof abgeben können.

Ebenfalls ein Problem: Vor allem um Wohnblocks herum entstehen immer wieder illegale Müllablagerungen, die Dritte als Einladung verstehen, sich ihres Mülls ebenfalls zu entledigen. Dabei gibt es eine einfache Lösung, Müll loszuwerden: Mineralischen Bauschutt wie Keramik oder Ziegel nimmt der Wertstoffhof ebenso wie Papier- und Grünabfälle, Glas und Elektroschrott kostenlos an. Doch auch da gilt: Nur für Offenbacher! Denn die bezahlen diesen Service über ihre Müllgebühren. „Seit der Kennzeichenliberalisierung ist es für die Mitarbeiter allerdings schwieriger geworden zu erkennen, wer wirklich aus Offenbach ist.“ Die Mitarbeiter führen bei Anlieferern deshalb stichprobenartig Ausweiskontrollen durch. „Vor allem zu Beginn haben wir wöchentlich 30 Nicht-Offenbacher rausgefischt, die kostenlos ihren Kram loswerden wollten“, weiß Gaksch

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