Essen auf höchstem Niveau

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Die Häppchen gab‘s gestern zur offiziellen Einweihung. Ansonsten weist die von jedem Rathauscomputer aufzurufende Menükarte gerne handfestere Gerichte zwischen Kantinenklassikern wie Spaghetti mit Hackfleischsauce und Leichtigkeiten wie der Hähnchenbrust in Joghurt-Kräuter-Dip aus.

Offenbach - (mcr) Kaum war im Juni des vergangenen Jahres im Nordflügel der 15. Etage des Offenbacher Rathauses der echte Ofen endgültig aus, näherte sich in den Stockwerken drunter manches Mitarbeiter-Gemüt dem Siedepunkt. Lärm, Gestank, Vibrationen: Der Umbau der gestern offiziell wieder eingeweihten Kantinenebene - schon wegen des Bezugs zum Essen ein Filetstück des Verwaltungsbaus - zeitigte manche Wechselwirkung.

Und zwar nicht alleine mit den Nerven der Belegschaft, sondern auch mit der Stadtkasse. Knapp 1,2 Millionen Euro Kosten stehen unterm Strich der „brandschutz- und gebäudetechnischen Sanierung“, die nach und nach in jeder Etage des Rathauses durchgezogen wird.

In der obersten gab‘s für das viele Geld neben dem nun nur noch halb so großen, weil nicht mehr vordergründig dem Kochen gewidmeten Küchentrakt, zwei modernen Konferenzräumen, einem Raucherraum mit Zugang zur Dachterrasse und einer gründlichen Aufmöbelung von Heizungs-, Wasser-, Abwasser- und Elektroanlagen noch etwas sehr Elementares obendrauf: das Dach.

Dessen Sanierung hatte eigentlich schon vor zwei Jahren fertig sein sollen, war aber verschoben und an die Bauarbeiten für die nun ebenfalls erledigte Be- und Entlüftung der neuen Küche gekoppelt worden. Im Gegensatz dazu wurde die ursprünglich erst für 2012 geplante Küchenerneuerung vorgezogen.

Wesentlicher Grund: Die Stadtverwaltung kocht nicht mehr, sie lässt kochen. Die Rathauskantine wird von der „okm Catering GmbH“ beliefert. Die Tochtergesellschaft der Städtische Kliniken GmbH umsorgt auch schon die Klinik-Belegschaft, die Stadthalle und das „Capitol“. Die Speisen werden täglich aus der Bad Nauheimer „Gourmet-Werkstatt“ gebracht. Das Produktions- und Transportverfahren verspricht frischere Mahlzeiten. In der Wetterau wird der Garvorgang unterbrochen, das Essen heruntergekühlt, in speziellen Behältern ans Ziel gefahren und dort in so genannten Konvektomaten „regeneriert“, also aufgewärmt.

Diese auch schon zwecks Sättigung der Klinik-Patienten angewandte Methode hat im Rathaus, wo nur noch kleine Speisen, Desserts und Beilagen wie Pommes Frites selbst zubereitet werden, bereits für erste Erfolge gesorgt: Vor der Umstellung speisten täglich etwa 70 Esser auf dem „höchsten Niveau“, mittlerweile sind es nahezu 100. Sie können zwischen drei Menüs wählen und im Baukastensystem mit Beilagen kombinieren. Eine Vorbestellung ist nicht nötig. Das wissen offenbar auch Hungrige aus benachbarten Firmen zu schätzen. Die ersten „Fremdesser“ zumindest wurden schon gesichtet, zahlen gerne etwas mehr für das nur für die Rathausbelegschaft subventionierte Mahl.

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