Essen und Unterricht satt

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Ein kleiner Schnitt für Schulleiter Ulrich Schmidt (rechts) und Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, ein großer Schritt für die Albert-Schweitzer-Schule: Nach monatelangen Bauarbeiten gab´s am Montag erstmals Mittagessen in der nagelneuen Mensa, die sich im alten, kernsanierten Teil des Gymnasiums an der Waldstraße befindet.

Offenbach ‐ Draußen vor dem Schultor zerkauen die Bauarbeiter zwischen Planen und Schutt ihre Butterbrote. Für gemütliche Mittagspausen bleibt selten Zeit, wenn Elf-Millionen-Projekte wie die Sanierung der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) zu stemmen sind. Von Barbara Hoven

Drinnen dagegen ist die Zeit der Provisorien in Sachen Mittagsverpflegung seit Wochenbeginn endlich vorüber. Eine neue Mensa mit integriertem Kiosk bietet Platz für 100 Hungrige. Durch den angrenzenden Multifunktionsraum kann auch mal schnell auf 200 aufgestockt werden. Kein Wunder also, dass der Schulleiter bei der Eröffnungsfeier bester Laune ist. „Das war ungeheuer notwendig, damit der Ganztagsbetrieb funktionieren kann“, erklärt Ulrich Schmidt. „Die Schüler brauchen einfach ein richtiges Essen, um nachmittags gut zu lernen.“

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Damit möglichst viele der 1100 Schweitzer-Gymnasiasten das neue Angebot nutzen können, kostet eine warme Mahlzeit mit Salatbeilage nie mehr als drei Euro - egal ob mit Fleisch oder, auch jeden Tag im Angebot, als vegetarische Variante. Das Essen liefert ein Caterer. Was auf dem Speiseplan steht, erfahren die Schüler auf der Internetseite der Schule. Dort können sie bei Gefallen auch gleich ihre Bestellung aufgeben.

Bisher gab es an der ASS mittags kleine Happen in der Cafeteria, und im ausrangierten Kita-Bau auf dem Schulhof wurden „unter provisorischen Bedingungen und etwas beschwerlich“ rund 60 Essen am Tag ausgegeben. Schmidt hofft, dass die Nachfrage nun steigt. „Ich rechne damit, dass wir die Mensa bald im Zwei- bis Drei-Schichten-System nutzen.“

Essensangebot selbst testen

Am Eröffnungstag werden die warmen Speisen mit den obligatorischen warmen Worten serviert; neben dem Schulleiter sprechen Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß und Schulamtsleiter Thomas Löhr. Denn „die tolle Mensa haben wir im Zuge einer Sanierung bekommen, die die Stadt Offenbach spendiert hat“, erklärt Schmidt. Die Schülerschaft applaudiert brav. Dann lassen die Besucher von der Stadt es sich nicht nehmen, das neue Essensangebot selbst zu testen. Am Premierentag gibt es Gemüsefrikadellen in Pilzrahmsoße, dazu Nudeln und Gurkensalat. Weiß ist zufrieden: „Schmeckt ausgezeichnet.“

Dafür, dass das so bleibt, sollen Marzena und Zlatko Licitar sorgen. Das Ehepaar kümmert sich um die Organisation der Mensa und betreibt den ebenfalls neuen Kiosk.

Wie die Offenbacher Schulen die Verpflegung ihrer Schüler organisieren, ist sehr unterschiedlich. Weiß nimmt gar das Wort „Wirrwarr“ in den Mund. An der Schillerschule, quasi der Vorzeigebetrieb in der städtischen Bildungslandschaft, kochen die Schüler selbst. Das „Schillermenü“ ist Bestandteil des Wahlpflichtbereichs Arbeitslehre für die 9. und 10. Klassen. 500 bis 1000 Essen bereiten die Hobbyköche pro Woche für ihre Mitschüler zu, ein Essen kostet 2,50 Euro.

Sechs Grundschulen bekommen das Essen vom städtischen Eigenbetrieb Kindertagesstätten, die Humboldtschule wird von der Offenbacher Klinik Management und Service GmbH versorgt. An der Wilhelm- und der Geschwister-Scholl-Schule sind kleine, eigens gegründete Firmen als Bewirtschafter tätig.

Entwicklung zu ganztägig arbeitenden Schulen

Die Bachschule wird von einem Frankfurter Caterer beliefert, an Ernst-Reuter- und Edith-Stein-Schule sorgen die Fördervereine für die Verpflegung. Friedrich-Ebert- und Waldschule werden von Metzgereien aus der Nähe versorgt, Leibniz- und Rudolf-Koch-Schule wiederum von Caterern.

Zurück zur ASS: Hier geht mit der Eröffnung der Mensa „die allmähliche Inbesitznahme all dessen, was wir bekommen haben“ weiter, wie Schmidt es formuliert. Gebaut und saniert wird bereits seit zwei Jahren rund um die altehrwürdigen Mauern des Gebäudes an der Waldstraße. Die erste Bauphase samt Neubau und Grundsanierung des naturwissenschaftlichen Bereichs soll bis zum Ende der Sommerferien abgeschlossen sein. Der Erweiterungsbau wurde im Herbst bezogen, nun fehlen mit der Einrichtung eines Lehrerarbeitsbereichs und einer Mediothek noch zwei größere Schritte. In einem zweiten Bauabschnitt folgt die Sanierung der alten Gebäudesubstanz. Fenster müssen ausgetauscht, die Dämmung will erneuert werden.

Damit geht es der ASS derzeit wie vielen anderen Schulen in Offenbach: Die Entwicklung zu ganztägig arbeitenden Schulen geht weiter, es wird saniert und renoviert. Bis zum Jahr 2017 sind für die Sanierung und Ausstattung der Offenbacher Schulen 250 Millionen Euro geplant.

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