300 Euro fürs Ticket von Bern

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Ein Stück lokale Sportgeschichte als Handelsgut: Auch die 50-Jahre-Festschrift des OFC war auf der Börse zu finden.

Offenbach ‐ Am kommenden Freitag beginnt die Weltmeisterschaft in Südafrika – vier Wochen lang wird König Fußball die Welt beherrschen, hoffentlich bis zum Schluss mit deutscher Beteiligung. Von Denis Düttmann

Sich auf das sportliche Großereignis einstimmen konnten sich am Samstag jene eingefleischten Fans, denen nicht nur das Spiel selbst, sondern besonders seine diversen Reliquien wichtig sind. Möglicherweise zum letzten Mal in den historischen Mauern des Stadions Bieberer Berg wurde bei der 9. Fußballsammler-Börse alles gehandelt, was das Fanherz begehren kann: Panini-Bilder und Autogrammkarten, Wimpel und Anstecker, Fachbücher und Fotos.

Mehr Fotos von der Sammlerbörse:

Fußballsammler-Börse auf dem Bieberer Berg

35 Händler aus ganz Deutschland sowie aus Luxemburg und Belgien boten auf 130 Meter Ausstellungsfläche ihre Schätze zum Kauf an. „Heute ist mehr los als im letzten Jahr“, sagt Organisator Michael Förster. „Die Weltmeisterschaft erhöht noch einmal das Interesse am Fußball.“

Förster verkauft Sammelbilder, Quartette und WM-Briefmarken. Privat sammelt der Kickers-Fan aus Gelnhausen Ansichtskarten von Stadien – insgesamt 14 000 Stück hat er im Laufe der Jahre zusammen getragen. „Ein Bekannter hat mir gerade Postkarten von den Stadien in Südafrika mitgebracht. Die gehen heute natürlich besonders gut“, sagt er und präsentiert ein Bild der Spielstätte in Port Elizabeth. Doch Förster hat auch echte Raritäten im Angebot: 18 Euro soll beispielsweise das Programmheft des Freundschaftspiels zwischen dem OFC und Cardiff City aus dem Jahr 1962 kosten.

Wer das Original-Ticket des WM-Finales 1954 in Bern für seine Sammlung will, muss schon etwas tiefer in die Tasche greifen. 300 Euro verlangt Heiko Zerbe für die Eintrittskarte des legendären Spiels zwischen Deutschland und Ungarn, in dem Sepp Herbergers Mannen triumphierten.

Autogrammkarten deutscher Fußballgrößen

Der Wiesbadener hat sich auf historische Tickets spezialisiert. So hat er auch eine Karte für das Länderspiel zwischen Deutschland und Italien im Jahr 1936 und ein Ticket zum Match zwischen Deutschland und Norwegen ein Jahr später im Angebot. Zu den Spielen lud damals nicht der Deutsche Fußballbund, sondern das Fachamt Fußball im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen ein. 5,50 Mark kostete der Eintritt – heute wird die Karte mit 150 Euro gehandelt.

Ein paar Stände weiter präsentiert Willi Müller seine Schätze: Autogrammkarten von deutschen Fußballgrößen wie Fritz Walter, Sepp Herberger, Jupp Derwall und Helmut Schön. „Die Karten kosten 120 Euro das Stück, da verkauft man auf so einer Börse natürlich höchstens mal eine. Geschäfte mache ich heute eher mit meinen Sammelbildchen zur WM“, sagt der Kölner.

Besonders stolz ist er auf ein Autogramm von Pelé. Im vergangenen Herbst war der brasilianische Weltfußballer beim 1. FC Köln zu Gast, wo ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde. „Unser Clubpräsident Wolfgang Overath hat mich zu der Feier eingeladen, und ich habe mir das Autogramm von Pelé persönlich geben lassen“, erzählt Müller.

Bei dem Leuchten in seinen Augen fragt man sich, ob er die Karte wirklich verkaufen will. „Na ja“, sagt der Sammler. „Wenn der Preis stimmt.“

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