No Doubt im Capitol

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Umjubelt war der Auftritt von No Doubt auf der „MTV World Stage“ im Capitol – und dauerte genau 60 Minten beste MTV-Sendezeit.

Offenbach - Werden sie auf sich warten lassen, die Weltstars von No Doubt? Etwa 1800 Menschen drängen sich im Capitol, blicken erwartungsvoll auf die Bühne. Über ihren Köpfen bewegt sich ein riesiger Schwenkarm, an dessen Ende eine Kamera. Von Veronika Szeherova

Sie überträgt in 150 Länder und theoretisch 600 Millionen Haushalte der Welt, was sich gerade in Offenbach auf der „MTV World Stage“ abspielt.

Bevor gestern Abend der Musiksender MTV in der Frankfurter Festhalle seine „Europe Music Awards“ vergibt, machen bei der „MTV Music Week“ bereits einige Stars Lust auf mehr. Höhepunkt ist am Freitagabend der Auftritt von No Doubt – nicht etwa auf einer großen Frankfurter Bühne, sondern im kleinen, aber umso feineren Capitol. Karten gab es dafür nicht zu kaufen, nur zu gewinnen. Manche wurden nur Stunden vorher verlost.

Seit elf Jahren nicht mehr in Deutschland

Zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr betritt die Rockband aus dem kalifornischen Anaheim die Bühne. Frontfrau Gwen Stefani mit platinblonder Mähne, knallroten Lippen und einer Figur, die jede andere zweifache Mutter vor Neid erblassen lässt, entlockt so manchem männlichen Zuschauer ein „Gwen, I love you“. Die 43-Jährige zeigt sich ihrerseits angetan vom Ambiente des Capitols. „Ich kann jeden einzelnen von euch ganz klar sehen“, ruft sie dem Publikum zu. Spätestens seit dem Welterfolg des Songs „Don’t Speak“ im Jahr 1996 sind No Doubt größere Bühnen gewohnt. Wobei sie sich in den vergangenen Jahren eher rar gemacht haben. Das Album „Rock Steady“ ist elf Jahre her. So lange spielten sie auch nicht in Deutschland.

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In Offenbach geben No Doubt ein Potpourri ihrer größten Erfolgshits zum Besten. Während bei den ersten drei Liedern aus dem neuen Album „Push And Shove“ der Mitsing-Faktor noch eher gering ist, ändert sich dies bei Songs wie „Hey Baby“, „It’s My Life“ und dem aktuellen Hit „Settle Down“. Schließlich singt Gwen „Im Just a Girl“ und fügt dieser Aussage schließlich noch ein „in Frankfurt“ hinzu. Freudiges Gekreische beim Publikum – skeptische Blicke bei den wenigen Offenbachern im Capitol. Chance vertan, Offenbach in Millionen von Haushalten weltweit bekannt zu machen.

„Hush, hush Darling“ haucht sie ins Mikrofon

No Doubt sind nicht gerade eine Band der leisen Töne, der bedächtigen Lieder. Auf der Bühne ist immer Bewegung, grelle Einspielungen auf der Video-Leinwand, der Drummer, der sich bis auf Unterhose und Socken auszieht und in seinem Glas wahrscheinlich ein anderes Getränk als Wasser hat. Der Bass wummert durch den ganzen Körper. Die Kamera fährt über erhobene Hände, zum Fotografieren hochgehaltene Handys, tanzende Körper, eine im schwarzen bauchfreien Oberteil abrockende Gwen Stefani.

Trotzdem, oder gerade deshalb, ist der Höhepunkt das traurige „Don’t Speak“, in dem die Sängerin ihre Trennung vom Bassisten Tony Kanal verarbeitet. „Hush, hush Darling“ haucht sie ins Mikrofon – der wohl stärkste Moment des Abends.

Doch dann ist alles viel zu schnell wieder vorbei. Exakt eine Stunde, nachdem sie die Bühne betraten, verlassen die Musiker sie wieder – nachdem sie zuvor eine kurze Zugabe gespielt haben. Fürs MTV-Publikum vor den Bildschirmen ist wohl keine längere Sendezeit vorgesehen.

Gut, aber zu kurz, so die Meinung der meisten Zuschauer beim Verlassen des Capitols. Die Freundinnen Kerstin Bott und Nancy Friedrich aus Altenstadt lächeln zufrieden. „Ich habe die Karten bei einem Gewinnspiel im Internet gewonnen“, erzählt Bott. „Wer weiß, was so eine Konzertkarte sonst gekostet hätte, da hat es sich doch gelohnt.“

Gelohnt hat es sich auch für zwei Zuschauer, die nah an der Bühne stehen. Die Band beschert ihnen ein bleibendes Andenken und wirft zwei Jacken ins Publikum. So lässt es sich noch lange nach dem Konzert wie ein echter Rockstar fühlen – in Offenbach.

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