Evakuierung in Offenbach

Bombe versetzt Region in Schrecken

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Auch Maria Rabenseifner wurde evakuiert.

Offenbach - Als die britische Weltkriegsbombe um 15 Uhr gefunden wird, ist Maria Rabenseifner gerade beim Rasenmähen: „Plötzlich musste ich das Gerät ausstellen, weil ich gedacht habe, da ist was kaputt.“ Von Eva-Maria Lill 

Aber das dröhnende Geräusch kommt nicht aus dem defekten Gartenhelfer, sondern vom Himmel. Im ersten Moment ein Schock: „Ich habe wirklich Schlimmes gedacht“, verrät die Offenbacherin.

Schon kurz nach der Entdeckung des 500-Kilo-Ungetüms kreist ein Hubschrauber über dem Waldgebiet an der A3 zwischen Offenbacher Kreuz und Obertshausen. Die Autobahn muss voll gesperrt werden, Spaziergänger und parkende Autos sollen das Gebiet schnellstmöglich räumen. „Auf der Rosenhöhe wimmelte es vor Polizisten. Als es um 19 Uhr an meiner Haustür Sturm klingelte, habe ich bereits mit der Evakuierung gerechnet“, seufzt Rabenseifner. Sie ist eine von 159 Bewohnern aus 73 Häusern der Stadtteile Rosenhöhe und Lauterborn, die dazu aufgefordert werden, ihre Wohnungen zu verlassen.

Stadthalle erste Anlaufstelle der Evakuierung

Nach dem Katastrophenschutzplan ist die Stadthalle erste Anlaufstelle für von der Evakuierung betroffene Menschen. Dort bereiten sich sich das Deutsche Rote Kreuz und der Arbeiter-Samariter-Bund auf die Anwohner vor. „Die Stadthalle ist ideal für solche Zwecke, da sie über viele einzelne Räume verfügt, die man bei Bedarf nutzen kann“, berichtet Sercan Arnitali, Zugführer des Sanitätszugs vom Deutschen Roten Kreuz.

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35 Einsatzkräfte sind an Ort und Stelle, sie erwarten zwischen 180 und 250 Personen. Ein Ausnahmefall, überall fragende Gesichter und ratloses Schulternzucken. Die Stimmung unter den Sanitätern ist angespannt; wie lange der Einsatz dauern wird, ist bis zur Sprengung unklar. Die Verantwortlichen gehen bis dahin von etwa drei Stunden aus. Zunächst muss jedoch sichergestellt sein, dass das Gebiet etwa einen Kilometer rund um die Fundstelle bis zum letzten Mann geräumt ist – eine langwierige Angelegenheit. Das Foyer der Stadthalle hat sich in einen Aufenthaltsraum mit unzähligen Stühlen verwandelt. Einen abgetrennten Teil zur ärztlichen Versorgung gibt es auch. Für Verpflegung ist gesorgt.

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„Wir stellen öffentliche Busse für die Anwohner bereit, damit sie sich bequem in Sicherheit bringen können“, so Arnitali. Doch viele Offenbacher nutzen offenbar lieber das eigene Auto und ziehen den Aufenthalt bei Verwandten vor: In der Stadthalle bleibt es auch kurz vor 21 Uhr noch erstaunlich übersichtlich. Etwa 50 Menschen sind gekommen.“Wo sind eigentlich die anderen?“, fragt sich Maria Rabenseifner. „Wir haben es den Leuten freigestellt, ob sie in die Stadthalle wollen oder anderweitig Zuflucht suchen“, erklärt Arnitali.

Nach der ersten Verwirrung machen die Evakuierten das Beste aus der Situation: Es wird gescherzt, und niemand zweifelt am Gelingen der Entschärfung. Zu Unrecht, wie sich zeigen soll. „Das letzte Mal war ich vor 30 Jahren in der Stadthalle“, schmunzelt Anwohner Peter Schäfer, „Damals zu einem Konzert, jetzt eben wegen einer Weltkriegsbombe.“

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