Weniger Pfarrstellen für Bieber

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Einladend: Angelika Meder ist seit 18 Jahren Biebers Pfarrerin.

Bieber - Biebers Evangelische Gemeinde hat bisher zwei Pfarrerinnen. Ab Januar 2015 muss das Dekanat eine halbe Stelle streichen. Ein Einschnitt, der schmerzhafte Folgen fürs Gemeindeleben haben wird. Von Veronika Schade 

Die evangelische Gemeinde Bieber hat ab kommendem Jahr eine halbe Pfarrstelle weniger. Diese Reduktion hat die Evangelische Kirche Hessen bei ihrer Synode im November 2013 beschlossen. Grund ist die sinkende Zahl der Gemeindemitglieder, an der das Kontingent der Pfarrstellen gemessen wird. Wie in ganz Offenbach sinkt sie auch in Bieber: Waren es noch im Januar 3027 Mitglieder, hat sich die Zahl bis heute um 77 auf 2950 Mitglieder verringert.

Das Dekanat Offenbach ist mit am härtesten betroffen. Drei Pfarrstellen werden bis 2019 gestrichen. Für die verbleibenden Pfarrer ein echter Balanceakt: „Wir müssen mit weniger Kapazitäten unsere Arbeit attraktiver gestalten, nach außen überzeugen, die Botschaft der Kirche rüberbringen“, formuliert es die Bieberer Pfarrerin Angelika Meder. Sie wird bereits ab Januar 2015 auf ihre Kollegin Dorothee Limlei verzichten müssen, deren Vertrag zum Jahresende ausläuft. Übrig bleibt nur eine halbe Stelle, die noch zu besetzen ist.

„Es trifft die Menschen unserer Gemeinde“

Einst teilten sich drei Pfarrer (Meder, Limlei, Markus Fehlhaber) die zwei Bieberer Pfarrstellen. Mit künftig anderthalb Stellen und bislang nur einer Pfarrerin bleiben Konsequenzen für das Gemeindeleben nicht aus. „Es trifft die Menschen in unserer Gemeinde, die durch Gruppen und Kreise die sehr gute Gemeindearbeit tragen“, bedauert Peter Kreuzer, Vorsitzender des Kirchenvorstands. Keine Gruppe, kein Kreis muss wegfallen, aber die mehr als 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter werden noch mehr gefordert sein.

„Unsere Räume stehen dafür selbstverständlich nach wie vor zur Verfügung“, betont Meder. Doch sie selbst werde nicht mehr jedes Mal an diesen Treffen teilnehmen können. Auch die Geburtstagsbesuche bei über 80-Jährigen müssen anders organisiert werden. „Vielleicht mit einem vierteljährlichen Treffen aller Geburtstagskinder“, blickt die 55-Jährige voraus. Ebenso wie Kreuzer bedauert sie die Einschnitte sehr: „Studien belegen, dass der Kontakt zur Pfarrperson entscheidend ist für die Bindung zur Gemeinde. Wenn dieser fehlt, treten Mitglieder aus.“

Die Lücken, die Pfarrerin Limlei hinterlasse, seien kaum zu schließen. Zu ihren Schwerpunkten gehören der Ortsteil Waldhof und die Kita-Arbeit. „Wir müssen nach Wegen suchen, die Hauptamtlichen zu stärken“, so Meder. „Damit nicht nur Enttäuschung bleibt, weil die Pfarrer nicht mehr regelmäßig kommen.“ Am wichtigsten sei, betont Kreuzer, die Grundtätigkeiten des Pfarrdienstes abzudecken, sich „aufs Kerngeschäft“ zu konzentrieren: „Wobei jede Stunde fehlt, in der die Pfarrerin nicht bei den Menschen ist.“

Konfirmanden des Jahres 2014

Kommunionkinder und Konfirmanden des Jahres 2014

Weiter intensiviert werden soll zudem die seit zehn Jahren bestehende Kooperation mit der Markusgemeinde, die ebenfalls zum Jahreswechsel eine halbe Stelle verliert: Beide teilen sich den Konfirmanden-Unterricht, vertreten sich bei Gottesdiensten oder feiern gemeinsam. In den Sommerferien steht ein Kirchentaxi bereit.

So sehr die Einschränkungen auch schmerzen – Meder und Kreuzer richten ihren Blick nach vorn: „Alle Veränderungen brauchen Zeit. Aber wir stellen uns dieser Aufgabe, so gut wir können.“ Bieber sei eine funktionierende, gut eingespielte Gemeinde, die nicht zum ersten Mal Einschnitte hinnehmen müsse. „Wir wollen nicht am grünen Tisch entscheiden, sondern die Mitarbeiter und Mitglieder mit einbeziehen“, sagt Kreuzer. „Aber die Veränderungen werden wohl Jahre nachwirken.“

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