Importware vom Flughafen

EVO-Bombe kam von Baustelle für das Terminal 3

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Die amerikanische Fliegerbombe war laut Experten mit einem eher unempfindlichen Zünder ausgestattet. Das verhinderte womöglich eine Explosion beim Transport.

Offenbach - Statt Gewerbesteuer gab es bislang vom Frankfurter Flughafen für Offenbach nur den Fluglärm. Es geht aber noch brisanter: Die Bombe, die am Dienstag in angeliefertem Erdaushub auf dem EVO-Gelände gefunden worden ist, stammt von der Baustelle fürs Terminal 3. Von Matthias Dahmer 

Warum der 50 Kilogramm schwere Blindgänger überhaupt im Nordend landen konnte, kann sich Gerhard Gossens gestern auch nicht so recht erklären: „Das ehemalige Gelände der Rhein-Main-Air-Base südlich des Flughafens wurde vor Beginn der Bauarbeiten für das Terminal 3 systematisch untersucht“, sagt der Bombenexperte vom Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt, der den Einsatz am Dienstag leitete. Gossens räumt ein: Es komme schon mal vor, dass Sprengkörper unerkannt mit Erdaushub transportiert würden. Doch das passiere in der Regel dann, wenn die Erde zuvor nicht untersucht worden sei. Bei der Bodensondierung fürs Terminal 3 seien seinerzeit aber mehr als 40 dieser Fliegerbomben entdeckt und entschärft worden, so der Kampfmittelräumer. „Diese eine blieb unentdeckt. Das war einfach Pech.“

Wohl dem Glück und einem „relativ unempfindlichen Zünder“, so Gossens, war es dagegen zu verdanken, dass die EVO-Bombe nicht beim Be- und Entladen beziehungsweise beim Transport des Erdaushubs explodiert ist. Gossens: „Grundsätzlich ist jede mechanische Beanspruchung eines solchen Blindgängers gefährlich.“

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Bombe erfolgreich entschärft

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Weltkriegsbombe ausgerechnet auf ein Areal geschafft wurde, das gerade von Altlasten befreit wird. „Wir sanieren derzeit die 5000 Quadratmeter für den neuen Eigentümer“, erläutert EVO-Sprecher Martin Ochs. Wie berichtet, will das Frankfurter Unternehmen Maincubes One am Goethering ein Hochleistungsrechenzentrum errichten. „Der Baubeginn ist für Mai geplant“, fügt Ochs hinzu. Deutsche, europäische und internationale Unternehmen können sich künftig am Goethering Kapazitäten sichern. Auf dem EVO-Gelände an der Andréstraße betreibt bereits der Frankfurter IT-Dienstleister Wusys eines seiner Rechenzentren, in das besonders mittelständische Unternehmen ihre Datenverarbeitung auslagern.

Bilder: Bombe bei Bauarbeiten gefunden

Das Areal am Goethering war in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts Standort einer Teerfabrik. Der Teer war ein Abfallprodukt des benachbarten Gaswerks. Erdgas kannte man damals noch nicht als Energieträger. Deshalb erzeugten die Gaswerke „Stadtgas“ beziehungsweise „Leuchtgas“. Dies war der übliche Brennstoff in den Städten des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das bei der Verbrennung entstandene Rohgas wurde mit einer Temperatur von etwa 1000 Grad zum Abkühlen und Waschen durch das Werk gepumpt. Dabei fielen Ammoniak und Teer an.

Im Laufe der Zeit kam es auf dem Betriebsgelände der Teerfabrik zu einer massiven Verschmutzung des Untergrunds durch Teeröle. 1931 wurde die Produktion eingestellt und das Gelände als Lagerfläche für verschiedenartige Güter genutzt. Ab 2007 begann eine professionelle Altlastensanierung.

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