Auf Holzweg in die Zukunft

+
EVO setzt auf erneuerbare Energien und erhöht zum 1. April den Gaspreis.

Offenbach ‐ Erdgas rauf, Fernwärme runter, Strom stabil. Auf diese Marschrichtung müssen sich die Kunden der Energieversorgung Offenbach (EVO) einstellen. Der Energieversorger wird zum 1. April den Preis fürs Erdgas um rund 6,6 Prozent anheben. Von Matthias Dahmer

Fernwärmekunden können sich dagegen auf eine Preissenkung von etwa 6,9 Prozent freuen, der Stromtarif bleibt gleich. Das kündigte die EVO gestern bei ihrer Bilanzpressekonferenz an. Für einen Durchschnittshaushalt - Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowatt - bedeutet die Gaspreiserhöhung, die mit einem seit Oktober um 8,8 Prozent gestiegenen Ölpreis begründet wird, eine Mehrbelastung von 84 Euro pro Jahr. Bei der Fernwärme macht die Ersparnis in einem vergleichbaren Haushalt etwa 150 Euro jährlich aus.

Während die Energieversorger von der Andréstraße in ihrem Traditionsgeschäft das marktübliche Auf und Ab verkünden müssen, dürfen sie sich bei der angepeilten Umwandlung des Allessa-Industriegeländes in einen Öko-Gewerbepark als Pionier sehen. Bereits im April wird die EVO auf dem 38 Hektar großen Areal ein drei Millionen Euro teures Biomasse-Heizkraftwerk anwerfen. Es produziert aus Holzhackschnitzeln und Grünschnitt Wärme, die für den Betrieb der angrenzenden EVO-Pelletwerke benötigt wird. Das Holz stammt aus dem unternehmenseigenen Wald im Landkreis Gießen. Auf einem Hektar Fläche wurden vor drei Jahren 10.000 Weiden und Pappeln gepflanzt. Jetzt wird zum ersten Mal geerntet.

EVO-Spitze verheißt Unternehmen grüne Zukunft

Wie berichtet, investiert die EVO 13 Millionen Euro in den Ausbau der Pelletsproduktion im Herzen des Industrieparks. Im neuen Werk, dem einzigen dieser Art im Rhein-Main-Gebiet, sollen pro Jahr rund 65.000 Tonnen hergestellt werden, langfristig ist eine Kapazitätserweiterung auf 130.000 Tonnen geplant. „Das wird das Kernstück unseres Klimapakets für die Region“, sagt Vorstandschef Michael Homann. Einer von der Politik favorisierten Standortverlagerung innerhalb des Industrieparks zugunsten der auch angestrebten Wohnbebauung erteilt Homann eine klare Absage. „Wir haben eine Baugenehmigung, und das alles ist auch Konsens mit dem Oberbürgermeister.“ EVO-Technikchef Dr. Kurt Hunsänger gibt zu bedenken, dass es für eine Änderung der Pläne viel zu spät ist.

Die EVO-Spitze verheißt ihrem Unternehmen eine grüne Zukunft. Rund 50 Millionen Euro sollen in den nächsten fünf Jahren in erneuerbare Energien gesteckt werden. Dickster Brocken ist mit 30 Millionen die Windkraft. Ein schon feststehender Standort für die im Schnitt etwa drei Millionen Euro teuren Windräder befindet sich im Vogelsberg, für weitere etwa im Westerwald und in Thüringen laufen die Prüfungs- und Genehmigungsverfahren.

So ganz ohne die konventionellen Energieträger kann indes auch die EVO ihr Geschäft nicht betreiben. 14,8 Prozent der von ihr gelieferten Energie stammt aus Atomkraftwerken, bundesweit beträgt der Atomanteil am Energiemix indes mehr als 24 Prozent, wie Vorstandsvorsitzender Homann vorrechnet. Um mehr Planungssicherheit für die erneuerbaren Energien zu erhalten, ist er gegen eine Laufzeit-Verlängerung der Atomkraftwerke. Zumindest müssten deren Gewinne für regenerative Energien abgeschöpft werden, sagt er.

Einen wesentlichen Beitrag zur positiven EVO-Bilanz leistet neben den 30 Nahwärmenetzen und dem elfprozentigen Plus in der Stromsparte das Müllheizkraftwerk. 250 060 Tonnen Abfall wurden 2009 dort verbrannt, der höchste Stand seit der Inbetriebnahme. Der Müll stammt aus der Region, wird aus einem Umkreis von bis zu 70 Kilometern angeliefert, versichert der EVO-Vorstand, dass es keinen Mülltourismus gibt. Die Anlage an der Dietzenbacher Straße ist voll ausgelastet. Dennoch ist kein weiterer Kessel geplant. Wegen Überkapazitäten bei Verbrennungsanlagen in der Region, sagt Michael Homann, rechnet sich das nicht.

Kommentare