Zukunft aus Holz und Wind

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Eine Handvoll Pellets: Betriebsleiter Wolfgang Fey zeigt, was am Ende des aufwändigen Prozesses herauskommt. Die Presslinge sind je nach Qualität des verwendeten Rohstoffs für den Hausgebrauch oder die industrielle Nutzung bestimmt.

Offenbach ‐  Die Energieversorgung Offenbach (EVO) setzt auf den Ausbau erneuerbarer Energien und investiert massiv in Holz und Wind. Von Matthias Dahmer

Im Mai gehen auf dem Allessa-Gelände, dem einstigen Offenbacher Chemie-Standort, ein Holzpelletwerk und ein Biomasse-Heizkraftwerk in den Dauerbetrieb. Zu dieser Investition in Höhe von insgesamt 17 Millionen Euro, die derzeit noch zur Probe läuft, gesellen sich weitere 100 Millionen Euro, die die EVO in den nächsten Jahren in die Windkraft stecken wird.

Mittelfristig will das Unternehmen so den Anteil der selbst erzeugten Energie, der derzeit bei 15 bis 20 Prozent liegt, mehr als verdoppeln. In fünf Jahren, so die Planung, sollen alle Privat- und Geschäftskunden der EVO ausschließlich mit Energie aus eigener Erzeugung beliefert werden.

Die Anlagen auf dem Allessa-Gelände, mit denen gleichzeitig zehn neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, seien die größte Einzelinvestition der vergangenen zehn Jahre, sagte EVO-Vorstandschef Michael Homann gestern bei der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens.

Pellets ersetzen teilweise Steinkohle

In dem Werk werden zunächst 65 000 Tonnen Holzpellets pro Jahr gepresst, in einer weiteren Ausbaustufe kann die Kapazität verdoppelt werden. Holz und Grünschnitt kommen laut EVO-Technik-Vorstand Kurt Hunsänger von einer Vielzahl von Lieferanten aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Man setze bewusst nicht nur auf einige wenige Anlieferer.

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Je nach Qualität des angelieferten Rohstoffs entstehen in der Anlage hochwertige Pellets für den Hausgebrauch oder industriell nutzbare Holzhackschnitzel. „Wir verwandeln minderwertige Rohstoffe in hochwertige Energieprodukte“, sagte Hunsänger. Er nannte das Offenbacher Pelletwerk ein Leuchtturmprojekt, dessen Konzept einzigartig in Deutschland sei.

Die Presslinge dienen künftig den EVO-Nahwärmenetzen in der Region als Brennstoff und sollen vor allem im EVO-Heizkraftwerk an Stelle der bisher eingesetzten Steinkohle verfeuert werden. 30 000 von insgesamt 120 000 Tonnen Steinkohle sollen die Pellets ersetzen, Ziel ist, den Ausstoß an Kohlendioxid um 80 000 Tonnen im Jahr zu reduzieren. Das neue Biomasse-Heizkraft in unmittelbarer Nachbarschaft des Pelletwerks wird ausschließlich mit Holzschnitzeln betrieben. Das Besondere dabei: Mit dessen Abwärme lassen sich die Pellets des angrenzenden Werks umweltschonend trocknen.

Windräder in Betrieb genommen

Den Betrieb im Pelletwerk führt im EVO-Auftrag die Firma IWO Pellet Rhein-Main GmbH. Deren Produktionsanlage auf dem Allessa-Gelände war im März des vergangenen Jahres abgebrannt.

18 ihrer 36 Nahwärmenetze betreibt die EVO bereits auf Pellet-Basis. So etwa in Raunheim, wo damit der Bedarf von mehr als 2500 Haushalten gedeckt wird - die Anlage zählt zu den größten ihrer Art in Deutschland. Ein ökologisches Musterprojekt läuft zudem in Hainburg: Grünabfälle der Kommune werden von der EVO zu Pellets verarbeitet und in zwei Hainburger Nahwärmenetzen zu Energie für rund 100 Einfamilienhäuser umgewandelt.

Zum Jahreswechsel hat die EVO über ihren Ableger Cerventus Naturenergie GmbH im Landkreis Waldeck-Frankenberg zwei Windräder mit jeweils zwei Megawatt Leistung in Betrieb genommen. Investitionsumme: sieben Millionen Euro. Drei weitere Anlagen, berichtete Kurt Hunsänger, gehen in diesem Jahr im Dörfchen Dirlammen im Vogelsbergkreis ans Netz, spätestens Anfang 2012 drehen sich nochmal vier EVO-Windräder in Gedern im nordöstlichen Zipfel des Wetteraukreises.

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