Zahlung ist eingegangen

EVO hebt Sperrdrohung gegen Mieter auf

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Die dunklen Wolken über diesem betroffenen Wohnhaus an der Fritz-Remy-Straße haben sich gestern wieder verzogen.

Offenbach - Bewohner mehrerer Mietshäuser an der Fritz-Remy-Straße können aufatmen: Die Energieversorgung Offenbach (EVO) teilte gestern mit, dass die Hausverwaltung die geschuldeten Nebenkosten der Mieter überwiesen habe – die angekündigte Sperre sei vom Tisch. Von Fabian El Cheikh

„Das Geld ist vollständig auf unserem Konto eingegangen“, so ein EVO-Sprecher.

Wie berichtet, hatte der Versorger Anfang der Woche die Mieter der Liegenschaften über die Schulden ihrer Hausverwaltung informiert und angekündigt, dass die Wasser-, Fernwärme- und öffentliche Stromversorgung der Häuser am kommenden Montag eingestellt wird. Nach Recherchen unserer Zeitung handelte es sich um eine Summe in Höhe von 150.000 Euro. Geld, dass die Mieter ihrer Hausverwaltung in monatlichen Abschlagsraten überwiesen hatten, das von dieser aber seit vergangenem März nicht an die EVO weitergeleitet worden sei.

Große Erleichterung

Die Nachricht dürfte auch bei den Verantwortlichen der EVO für große Erleichterung gesorgt haben. Hätte das Unternehmen doch öffentlich am Pranger gestanden, wenn angesichts des bevorstehenden Wintereinbruchs mehrere hundert Menschen in 316 Mietwohnungen unverschuldet ohne warmes Wasser und Heizung gesessen hätten. Eine Größenordnung, die laut Detlev Dieckhöfer vom Offenbacher Mieterbund „durchaus eine politische Dimension“ gehabt hätte.

Tatsächlich sind Versorgungssperren vor allem beim Strom keine Seltenheit. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat im Sommer hochgerechnet, dass fast 800.000 Haushalten in Deutschland 2011 wegen Zahlungsproblemen zeitweilig der Strom abgeklemmt wurde. Mietern, die einen eigenen Versorgungsvertrag mit einem Stromanbieter haben, kann dies schon bei einem Zahlungsrückstand von 100 Euro passieren. Der Beginn der Unterbrechung der Grundversorgung ist dem Kunden vier Wochen im Voraus und dann noch einmal drei Werktage vor der Sperre anzukündigen (§ 33 der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Grundversorgung). Ähnliches gilt für Wasser- und Gasversorgung.

Zehn Wochen und drei Tage, bis eine Sperre folgt

Bei der EVO vergehen nach eigenen Angaben zehn Wochen und drei Tage, bis eine Sperre folgt. Nach Ansicht von Experten genug Zeit, um mit dem Versorger in Verhandlungen zu treten. Die offensichtlich in Zahlungsschwierigkeiten steckende Hausverwaltung hat sich dazu nach wie vor nicht öffentlich geäußert.

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Auch wenn sie Vertragspartner der EVO sei, wäre es vernünftig gewesen, die Mieter früher zu informieren, findet die Rechtsanwältin Beate Stief. „Dann wäre mehr Zeit gewesen, um vielleicht als Mietergemeinschaft eine direkte Zahlung an die EVO auszuhandeln.“ Letztlich, so Experten, ist der Mieter in solchen Fällen der Leidtragende. Glück für die Bewohner an der Fritz-Remy-Straße, dass es so weit doch nicht gekommen ist.

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